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Wie der Zweite Weltkrieg Großbritannien geprägt hat

Die fünf wichtigsten Dinge, die der Zweite Weltkrieg Großbritannien gebracht hat und die bis heute wichtig sind.

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Wie der Zweite Weltkrieg Großbritannien geprägt hat

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Die Schlacht von Dünkirchen

Am 10. Mai 1940 waren zwei Ereignisse entscheidend für den Zweiten Weltkrieg: Die deutschen Truppen marschierten in Frankreich und den Benelux-Staaten ein und Winston Churchill wurde Regierungschef von Großbritannien, einem Land im Krieg. Bereits wenige Tage später war klar, dass Nazideutschland die Kontrolle über Frankreich übernehmen würde. Churchill sprach von einem “colossal military disaster”, einer militärischen Katastrophe. Die einzige Option, die Churchill blieb, bestand darin zu versuchen, so viele britische, belgische und französische Soldaten wie möglich aus Frankreich herauszuholen.


Vom 27. Mai bis zum 4. Juni 1940 wurden 338.000 britische Soldaten und 100.000 französische über den Ärmelkanal gebracht – nicht nur mit Kriegsschiffen, sondern auch mit Fischerbooten und Jachten. Übergesetzt wurden die Soldaten vom teilweise zerstörten Hafen der nordfranzösischen Stadt Dünkirchen. Churchill sagte dann, “Kriege werden nicht mit Evakuierungen gewonnen”, aber er sprach auch vom “Wunder von Dünkirchen”. Seine berühmte Rede “We shall fight on the beaches” gilt noch heute als beispielhaft für den Ruf zum britischen Zusammenhalt.




Bomben und Luftschlacht um England

“Nie zuvor in der Geschichte menschlicher Konflikte hatten so viele so wenigen so viel zu verdanken.” “Never in the field of human conflict was so much owed by so many to so few.”
Dieses ist eines der berümtesten Zitate von Winston Churchill und bezieht sich auf den Kampf der britischen Royal Air Force gegen die deutsche Luftwaffe zwischen Juli und Oktober 1940. Nach der Besetzung Frankreichs und vor dem Kriegseintritt der UdSSR kämpfte Großbritannien allein gegen Hitlerdeutschland. Die “wenigen” waren vor allem die britischen Piloten in ihren Hurricanes und Spitfires.
Sie waren so erfolgreich, dass Adolf Hitler das “Unternehmen Seelöwe” zur Invasion Großbritanniens aufgeben musste.

Supermarine Spitfire (links) und Hawker Hurricane (rechts) im Kampf gegen die Invasion Großbritanniens durch die Hitlers Wehrmacht

Durch die deutsche Bombardierung britischer Städte von September 1940 bis Mai 1941 – auf Englisch auch The Blitz genannt – wurden 40.000 Menschen getötet und unzählige Wohnungen, Fabriken und historisches Kulturerbe zerstört. Hitler hoffte durch die Angriffe, die britische Regierung zu Friedensverhandlungen zwingen zu können. Das Gegenteil war der Fall: Die Stromausfälle, das Leben in Luftschutzkellern und die Evakuierung der Kinder aus den Städten bestärkte die Moral der Briten und ihre Unterstützung für die Kriegsanstrengungen der Regierung. Heute noch ist “the spirit of the Blitz” ein Sinnbild für eine ruhige Haltung im Angesicht des Feindes.

Luftschutzkeller in der Londoner U-Bahn während der deutschen Angriffe





Landung der Alliierten in der Normandie – D-Day Landings

Operation Neptune oder die Landung der alliierten Truppen in der Normandie am D-Day war wie die Schlacht von Stalingrad eines der Ereignisse, die den Verlauf des Zweiten Weltkriegs entscheidend beeinflusst hat. Mehr als 150.000 Soldaten erreichten am 6. Juni 1944 die Strände der nordfranzösischen Normandie. Ende Juli 1944 waren es 1.5 Millionen Soldaten. Es gelang den Alliierten, eine zweite Front gegen Deutschland – neben der im Osten – aufzubauen.

Es war die größte militärische Luft-See-Operation aller Zeiten – mit Täuschungs- und Ablenkungsmanövern, die Angriffe in Calais oder gar in Norwegen simulierten. Mehr als 4.000 alliierte Soldaten und 3.000 Zivilisten sowie 9.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht wurden getötet. Bis Ende Juli kamen in der Schlacht in der Normandie 600.000 Soldaten um. Ende August 1944 eroberten die Alliierten Paris zurück. Das Ende des Zweiten Weltkriegs war in Sicht.

Krieg gewonnen, Vormachtstellung verloren – A war won, an empire lost

Der Preis, den Großbritannien letztendlich für den gewonnenen Krieg bezahlt hat, ist der Verlust seiner Vormachtstellung: die des riesigen und reichen britischen “Empire”. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war Großbritannien pleite und hatte den wachsenden Unabhängigkeitsbestrebungen in den zuvor unter seiner Kontrolle stehenden Regionen nichts entgegenzusetzen. Im August 1942 hielt Mahatma Gandhi in Indien – einst das Juwel der britischen Krone – seine berühmte Rede zum passiven Widerstand gegen die britischen Herrscher. Ziviler Ungehorsam führte zur Unabhängigkeit Indiens im Sommer 1947.

Karte: Großbritannien – The British Empire, 1919

Die Unfähigkeit Großbritanniens, Singapur 1942 gegen Japan zu verteidigen war ein weiteres Zeichen des Niedergangs der britischen Großmacht. Nach und nach verlor Großbritannien die Kontrolle über seine Kolonien in Palästina, das heutige Malaysia, Libyen, Sudan und Ghana. Harold Macmillan sprach vom “wind of change”, der auch die britische Präsenz in Afrika nach und nach verkleinerte.

Karte: Großbritannien – The British Empire, 1959

Wiederaufbau und Wohlfahrtsstaat

Eine der andauernden positiven Folgen des Zweiten Weltkrieg für Großbritannien ist der Ausbau des Wohlfahrtsstaats mit dem Versprechen, dass das sich das Leben für arme, junge, ältere und behinderte Menschen verbessern werde. Ausschlaggebend für Großbritannien war der sogenante Beveridge Report von 1942. Darin legte Sir William Beveridge die in Friedenszeiten zu erreichenden Sozialleistungen fest und beschrieb die zu bekämpfenden Übel: Elend (Squalor), Unwissen (Ignorance), Krankheit (Disease), Mangel (Want) und Beschäftigungslosigkeit (Idleness).

Nicht nur Kirchenvertreter sahen im Beveridge Report die politische Umsetzung christlicher Ethik. Allgemein wurden die Anfänge des Wohlfahrtsstaates begeistern aufgenommen. 1945 verlor Churchills konservative Regierung die Macht und wurde durch die Labour-Regierung von Clement Attlee ersetzt. In den folgenden Jahren wurden in Großbritannien ein nationales Versicherungssystem, ein Gesundheitssystem für alle und Rentenversicherungen eingeführt.