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Mittelmeer: Fast hundert Bootsflüchtlinge von dahintreibendem Schiff gerettet

Die italienische Polizei hat im Mittelmeer fast einhundert Flüchtlinge gerettet, die schon seit zwölf Tagen auf See waren. Ihr altersschwaches Schiff

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Mittelmeer: Fast hundert Bootsflüchtlinge von dahintreibendem Schiff gerettet

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Die italienische Polizei hat im Mittelmeer fast einhundert Flüchtlinge gerettet, die schon seit zwölf Tagen auf See waren.

Ihr altersschwaches Schiff befand sich knapp vierhundert Kilometer vor den Insels Sizilien und Malta.

Unter den 98 Menschen an Bord waren 35 Frauen, laut der Nachrichtenagentur AFP drei von ihnen schwanger.

Nach Angaben der Flüchtlinge trieb das Schiff die letzten beiden Tage nur noch dahin, ohne Essen und Wasser.

An der Rettung war auch das deutsche Kriegsschiff “Hessen” beteiligt, das zu solchen Zwecken vor kurzem im Mittelmeer eingetroffen war.

Laut italienischer Polizei wurden schon gestern erneut mehr als sechshundert Menschen auf See gerettet; rund dreißig Flüchtlinge aus Syrien landeten außerdem an der süditalienischen Küste.

Alleine über die letzten Tage und Wochen sind tausende Flüchtlinge über das Meer ins Land gekommen; in den Auffanglagern sind zur Zeit mehr als achtzigtausend Menschen.

Italien wird daher nicht müde, eine Aufteilung der Flüchtlinge unter den europäischen Ländern zu fordern.

Andere Länder wie Deutschland sind aber der Ansicht, dass viele dieser Flüchtlinge sich ohnehin ungehindert auf den Weg in andere Länder machen, entgegen den bestehenden europäischen Regelungen.

So werden in Bayern regelmäßig Flüchtlinge in Zügen aus Italien aufgegriffen.

Bei einem Besuch in Polen sagte Italiens Außenminister Paolo Gentiloni jetzt erneut, es gehe um eine “europäische Krise”. Es könnten nicht nur die Länder darauf reagieren, die an vorderster Front stünden.

Sein Gastgeber Grzegorz Schetyna sagte dazu, Solidarität heiße, auch die Probleme zu teilen. Es sei aber auch wichtig, die illegale Einwanderung nach Europa zu stoppen.

Inzwischen hat sich auch die Schweiz bereiterklärt, bei einer Aufteilung ebenfalls Flüchtlinge aufzunehmen.

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga sagte bei einem Besuch in Österreich, es sei höchste Zeit für eine solidarische Aufteilung; daran werde sich die Schweiz beteiligen.

In einer Pressemitteilung des Bundesrats heißt es außerdem, man sei sich einig, dass es Lösungen nur auf europäischer Ebene gebe.

Sommaruga und Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer stimmten darin überein, dass Europa einen solidarischen Verteilschlüssel brauche.

Über die Aufteilung der Flüchtlinge über Europa berät in einer Woche die EU-Kommission, Ende nächsten Monats dann die Staats- und Regierungschefs.

Diese hatten Ende letzten Monats zumindest schon einmal mehr Geld und mehr Schiffe für die Seenotrettung beschlossen.

Die Summe soll demnach verdreifacht werden; das bedeutet für die EU-Grenzschutzmissionen “Triton”
und “Poseidon” (vor den Küsten Italiens und Griechenlands) monatlich rund neun Millionen Euro.

Dieser Betrag entspricht dem Budget der italienischen Vorgängermission “Mare Nostrum”. Italiens Regierungschef Matteo Renzi sprach von einem großen Schritt voran für Europa.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte bei dem Treffen, Geld dürfe hier keine Rolle spielen. Sollte es nicht ausreichen, müsse noch einmal darüber geredet werden.