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Interkultureller Dialog in Baku - wo die Welt ins Gespräch kommt

Unsere Welt ist in den letzten Jahren gewalttätiger geworden. Um zu verstehen, wie sich dieser Trend stoppen lässt, sind in Baku Führungskräfte aus

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Interkultureller Dialog in Baku - wo die Welt ins Gespräch kommt

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Unsere Welt ist in den letzten Jahren gewalttätiger geworden. Um zu verstehen, wie sich dieser Trend stoppen lässt, sind in Baku Führungskräfte aus Religion, Gesellschaft und Kultur zu einer Konferenz zusammengekommen. Nach 2011 und 2013 hat das “Weltforum des interkulturellen Dialogs” am 18. und 19. Mai in der Hauptstadt Aserbaidschans bereits zum dritten Mal stattgefunden.

Zum Auftakt des Forums richtete Staatspräsident Ilham Aliyev das Wort an die Gäste aus mehr als einhundert Ländern. Das Thema: “Kultur und nachhaltige Entwicklung nach dem Jahr 2015”. Der Präsident sieht Aserbaidschan als ein beispielhaftes Mosaik ethnischer, kultureller und religiöser Koexistenz: “Es ist so wichtig, dass diese Menschen hier nach Baku gekommen sind, um ihre Meinungen und Ansichten mit uns zu teilen. An vielen Orten der Welt herrschen Krieg und Chaos, blutige Auseinandersetzungen gibt es auch in Europa und in unserer Region. Aserbaidschan ist in diesem Meer von Auseinandersetzungen eine Insel der Stabilität.”

In Baku sollte es den Teilnehmern des Forums vor allem um Sicherheitsprobleme und extremistische Gewalt gehen. Die französische Senatorin Nathalie Goulet hat mit Euronews über die Erfolge des Forums gesprochen: “In einem Raum sitzen hier Imame, Rabbiner und Vertreter aus den Golfstaaten zusammen. Menschen, deren Heimatländer sich im Krieg befinden, sprechen hier miteinander. Das ist doch schon ein riesiger Erfolg. Für eine bessere Zukunft brauchen wir ein besseres Bildungssystem. Dazu wiederum brauchen wir gemeinsame Werte, die aber auch gemeinsam gelebt werden müssen, fernab aller Theorie. Das wird ein langer, steiniger Weg. Unsere Welt ist sehr viel gewalttätiger geworden als sie es noch vor 10 Jahren war.”

Während der Konferenz in Baku fielen zwei Begriffe immer wieder: Zum einen Boko Haram, die islamistische Gruppe, die sich gegen die nigerianische Regierung stemmt und in Westafrika einen Gottesstaat errichten will. Und auch von der Organisation “Islamischer Staat” war öfter die Rede. Sie kontrollieren schon jetzt Teile des Irak und Syriens. Erzbischof John Onaiyekan weiß, dass das Problem sehr viel komlexer ist als es scheinen mag: “In meiner Heimat Nigeria macht Boko Haram nur einen kleinen Teil der muslimischen Bevölkerung aus. Der Rest der Muslime in Nigeria lebt ein friedliches Leben und möchte, dass das auch so bleibt. Diese Gegensätze haben wir in allen Religionen der Welt. Auch im Christentum sind wir ja keine homogene Einheit.”

Das Weltforum für interkulturellen Dialog findet jedes zweites Jahr statt und wird in Partnerschaft mit der UNESCO abgehalten. Deren Generaldirektotin Irina Bokowa sieht nur eine Möglichkeit, der sich weltweit ausbreitenden Gewalt Einhalt zu gebieten: “Diese Situation empfinden wir als höchst besorgniserregend. Die Art der Konflikte ändert sich, die Menschen werden intoleranter. Daher müssen wir die Kultur und ihre Vielfalt stärken. Wir müssen die Lehrpläne ändern, den Schülern verstärkt die Geschichte der Menschheit nahe bringen. So lernen wir uns und die anderen besser kennen.”

Fragen des Weltfriedens sind also eng verwoben mit denen nach der Zukunft unseres Planeten. Immer aufs Neue hofft das Forum, entscheidende Antworten liefern zu können. weiß Professor Paul Morris: “Was wir teilen, ist unsere Vielfalt. Wir sollten lernen mit diesen Unterschieden zu leben anstatt uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Das ist unsere Hoffnung, das große Projekt. Das kleinere ist, gemeinsam Strategien zu entwickeln, auf Dinge zu achten, die schon jetzt zwischen uns funktionieren. Das ist der Weg!”

Das “Weltforum für interkulturellen Dialog” in Baku – seine nächste, die vierte Ausgabe soll veraussichtlich im Mai 2017 stattfinden.