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Bilderberg-Konferenz: Zwischen Fakten und Verschwörung

Verschwörungstheoretikern gilt sie als die geheime Weltregierung: die Bilderberg-Konferenz. In diesem Jahr findet das viertägige Treffen von Experten

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Bilderberg-Konferenz: Zwischen Fakten und Verschwörung

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Verschwörungstheoretikern gilt sie als die geheime Weltregierung: die Bilderberg-Konferenz. In diesem Jahr findet das viertägige Treffen von Experten und Entscheidern in einem Tiroler Berghotel statt, wie immer weit weg von der Öffentlichkeit. Geheimhaltung wird ohnehin groß geschrieben bei den Bilderbergern. Jahrzehntelang war
die Existenz der Konferenz kaum bekannt, seit ein paar Jahren gibt es nun zumindest eine offizielle Webseite. Die geringe Transparenz lässt viel Raum für Spekulationen – besonders im Internet. Doch was ist tatsächlich über die geheime Zusammenkunft bekannt?

Diskreter Meinungsaustausch und ein geheimes Protokoll

Die erste Konferenz wurde im Mai 1954 im Hotel de Bilderberg in Oosterbeek in den Niederlanden abgehalten. Einer der Organisatoren war Józef Retinger, Berater der polnischen Exilregierung in London. Er wollte mit dem Treffen vor allem eines: einen diskreten Meinungsaustausch zwischen einflussreichen Persönlichkeiten aus Europa und Nordamerika. Für seine Idee konnte er den ehemaligen belgischen Premierminister Paul van Zeeland gewinnen sowie Paul Rykens, den damaligen Vorsitzenden des niederländisch-britischen Unilever-Konzerns. Gemeinsam entwickelten sie die Pläne für eine wiederkehrende Konferenz. Als Vorsitzenden gewannen sie Prinz Bernhard der Niederlande.

Die Bilderberg-Konferenz findet seitdem jedes Jahr statt, meist dauert sie drei Tage. Die Treffen werden von einem festen Präsidium organisiert, dieses lädt Experten und Entscheider ein, zwei Drittel von ihnen stammen aus Europa, ein Drittel aus Nord-Amerika. Die Teilnehmer kommen u.a. aus der Politik, der Industrie und dem Finanzwesen. Während des Treffens sollen sich die eingeladenen Persönlichkeiten ungestört über weltpolitische Themen austauschen können. Am Ende erhält jeder ein Protokoll, das vertraulich behandelt werden muss und das die Diskussionen zusammenfasst, ohne die Namen der Redner zu nennen.

Politiker außer (öffentlicher) Kontrolle

Kritiker bemängeln u.a., dass demokratisch gewählte Politiker mit Vertretern der Wirtschaft und des Bankensektors zusammentreffen, ohne, dass es eine Form der öffentlichen Kontrolle gibt. Das wird zusätzlich problematisch, wenn man sich die Teilnehmerlisten einmal genauer ansieht. In diesem Jahr trifft beispielsweise die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf Airbus-Chef Thomas Enders, der seine defizitäre Rüstungssparte wieder auf Trab bringen muss. Auch Banker und Geldpolitiker sitzen in diesem Jahr in Tirol an einem Tisch. Mit dabei sind u.a. der Chefaufseher der Deutschen Bank Paul Achleitner und Peter Sutherland von Goldman Sachs. Sie treffen u.a. auf Benoît Coeuré, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie den Chef der niederländischen Notenbank, Klaas Knot.

Angesichts dieser Konstellationen wird der Ruf nach mehr Transparenz immer lauter – auch ohne die Verschwörungstheorien, die im Internet kursieren.