Eilmeldung

Eilmeldung

Regisseur Costa-Gavras: "Ein Grexit wäre eine Tragödie!"

Das Drama, das sich in seiner Heimat Griechenland abspielt, erinnert an einen seiner Filme: Ein Polit-Thriller, in dem der Held einen scheinbar

Sie lesen gerade:

Regisseur Costa-Gavras: "Ein Grexit wäre eine Tragödie!"

Schriftgrösse Aa Aa

Das Drama, das sich in seiner Heimat Griechenland abspielt, erinnert an einen seiner Filme: Ein Polit-Thriller, in dem der Held einen scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Mächtigen führt. Regisseur Costa-Gavras, der in Frankreich lebt, hat mit uns über das griechische Drama gesprochen.

Meinung

Natürlich ist Griechenland daran schuld. Es ist als erstes die Schuld der griechischen Politiker, die ihr Land in dieses Schlamassel gebracht haben. Und auch die Griechen sind schuld, denn sie haben nicht aufgepasst. Aber auch Europa ist verantwortlich

Wer ist Costa-Gavras?

  • Costa-Gavras ist ein französisch-griechischer Regisseur
  • Er ist 1933 in Griechenland geboren und ging 1951 nach Paris, um dort zu studieren
  • In seinen Filmen geht es oft um politische Themen
  • Er hat mehrere renommierte Preise für seine Werke gewonnen
  • Costa-Gavras unterstützt öffentlich den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras

Tsipras, der Held?

Isabelle Kumar, euronews:
“In ihren Filmen gibt es oft einen Helden, der sich allein gegen die Mächtigen auflehnt. Hat Alexis Tsipras das Zeug zum Helden? “

Costa-Gavras:
“In der Politik auf jeden Fall, ob es für eine Rolle in einem Film reicht, weiß ich nicht, das wird sich erst noch herausstellen. Aber er ist ohne Zweifel eine sehr ungewöhnliche Persönlichkeit für griechische Verhätnisse. Die Griechen vertrauen ihm. Er ist ein Mann, der aus der Mittelklasse kommt und der sehr schnell aufgestiegen ist. Ich habe ihn getroffen. Bevor er gewählt wurde, war er in Paris. Er hat gefragt, ob wir uns sehen könnten und dann haben wir einen Abend zusammen verbracht.”

euronews:
“Sie kennen ihn also gut?”

Costa-Gavras:
“Nein, wissen Sie wir haben nur einen Abend zusammen verbracht und dann noch zwei-drei Mal miteinander telefoniert. Aber ich habe ihm viele Fragen gestellt und ich war von seinen Antworten beeindruckt.”

euronews:
“Bleiben wir mal kurz bei der Figur des Helden – Wenn er ein Held ist, könnte er dann nicht auch sein Land in Gefahr bringen, wenn er zuviel riskiert?”

Costa-Gavras:
“Nein, das Land war bereits in einem sehr schlechten Zustand und ist es immer noch. Aber er hat Versprechen gegeben, um gewählt zu werden und er versucht nun diese Versprechen zu halten. Es hat mich sehr berührt, als er nach Brüssel gekommen ist. An diesem außergewöhnlichen Ort, den wir alle schon im Fernsehen gesehen haben, hat er plötzlich gegenüber führenden Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft nicht nachgegeben. Er hat gesagt: ‘Nein, ich will etwas anderes.’ Das hat mich an den Film ‘M. Smith geht nach Washington erinnert’, kennen Sie diesen Film von Frank Capra? Es geht um einen jungen Mann vom Land, der nach Washington in den amerikanischen Senat kommt. Er leistet Widerstand, um etwas zu ändern. Tsipras erinnert mich an ihn, da sie von Filmen und Kino sprachen. Tsipras ist so ein Held.”

euronews:
“Er hat also diese gute Eigenschaften, die sie beschreiben, aber er hat auch schlechte. Was sind seine Schwächen?”

Costa-Gavras:
“Ich weiß es nicht, dafür müsste man ihn sehr gut kennen. Eine Schwäche, die wir Griechen alle haben, ist vielleicht, dass wir keine globale Sicht der Probleme haben. Aber ich kenne Tsipras nicht gut genug, um seine Probleme zu kennen. Zudem versteckt er sie wahrscheinlich sehr gut.”

euronews:
“Wenn Sie sagen, dass er nicht die Reichweite des Problems erkennt, spielen Sie damit auf Europa an, auf die Konsequenzen, die es für Europa haben könnte?”

Costa-Gavras:
“Auf jeden Fall. Aber meiner Ansicht nach ist die Situation sehr einfach: Er kommt mit einer sehr, sehr knappen Mehrheit an die Macht. Und er hat dem Volk Sachen versprochen, wie alle Politiker, die gewählt werden wollen. Er wurde gewählt. Und er macht etwas, was nicht alle Politiker machen, er versucht seine Versprechen zu halten. Er ist beharrlich und lässt nicht locker. Aber jetzt, bzw. vor einer Woche, vor zehn Tagen, kommt er an einen Punkt, an dem er erkannt hat, dass er seine Versprechen nicht halten kann. Was macht er also? Er hält eine Volksabstimmung ab.”

Die schwierige Frage des Referendums

euronews:
“Aber die Menschen haben die Frage, die er stellte, nicht verstanden! Ist es eine Demokratie, wenn man die Frage, die im Referendum gestellt wird, nicht versteht?”

Costa-Gavras:
“Das kommt darauf an, wie die Frage erklärt wird, sei es von den Medien oder den Politikern. Ich habe meinem achtjährigen Enkel Theo diese Frage erklärt und er hat sie sofort verstanden! Aber das ganze wurde mit der Politik und mit Zahlen vermischt. Seit einem Monat hören wir in dieser Geschichte so viele Zahlen. Es ist erschreckend und am Ende versteht man gar nichts mehr. Und es wird den Menschen sehr schlecht erklärt.”

Der neue Super-Kapitalismus

euronews:
“Wir haben unsere Zuschauer gebeten, uns Fragen für dieses Interview zu senden. Wir haben sehr viele Fragen bekommen, insbesondere aus Griechenland. Stavros Rossos möchte wissen, ob Sie einen Zusammenhang zwischen Tsipras und den Figuren in ihrem jüngsten Film ‘Das Kapital’ sehen? In diesem Film geht es um den Größenwahn der Banken.”

Costa-Gavras:
“Nein, ich sehe da keinen Zusammenhang. Ich persönlich glaube, dass es die Banker und die Börsen sind, die Griechenland und den Rest der Welt in die Situation gebracht haben, in der wir heute sind. Diese Form des Super-Kapitalismus, in der die Menschen nichts mehr Wert sind, in der es immer mehr Reiche und immer mehr Arme gibt.”

euronews:
“Genau, am Ende ihres Films sagt ihr Hauptdarsteller: Ich bin der neue, moderne Robin Hood, ich nehme von den Armen und gebe den Reichen. Ist das eine Metapher für Griechenland und die Geldgeber?”

Costa-Gavras:
“Nein, oder vielleicht auf eine gewisse Art und Weise. Aber man muss sich anschauen, wie diese Schulden in Griechenland entstanden sind. Wer ist dafür verantwortlich? Das ist ein großes, sehr großes Problem. Aber Tsipras hat auf jeden Fall nichts mit den Bankern in meinem Film gemein. Das ist sicher.”

Wer ist schuld an dem griechischen Drama?

euronews:
“Und wenn man diese Metapher weiterspinnt, dann hat sich Griechenland auch vom Geld verführen lassen. Dann ist Griechenland auch schuld an der Situation, in der wir uns heute befinden. Man hat oft den Eindruck, dass die anderen daran schuld sind!”

Costa-Gavras:
“Natürlich ist Griechenland daran schuld. Es ist als erstes die Schuld der griechischen Politiker, die ihr Land in dieses Schlamassel gebracht haben. Und auch die Griechen sind schuld, denn sie haben nicht aufgepasst. Aber es waren die Banken, die ihnen gesagt haben: ‘Sie möchten in Urlaub fahren? Kein Problem, wir geben ihnen das Geld.’ Und die Menschen haben das Geld genommen, ohne weiter darüber nachzudenken. Und dann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sie ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen konnten. So war das!
Es ist eine zweifache, ich würde sogar sagen dreifache Verantwortung. Denn auch Europa ist verantwortlich. Brüssel hat schließlich gesehen, dass die Schulden stiegen und stiegen. Und sie haben nichts getan, um das zu stoppen. Wissen Sie Frankreich, die Niederlande und vor allem Deutschland haben viele Produkte an Griechenland verkauft. Sie haben sogar sehr teure U-Boote verkauft. Auf Kredit!”

Tsipras sagte vor kurzem, dass Griechenland nicht mehr als Versuchskanninchen für Sparmaßnahmen herhalten will:

euronews:
“Aber warum ist Griechenland dann in die Eurozone aufgenommen worden? Waren sie damals überrascht? Haben Sie sich gesagt: ‘Griechenland ist nicht bereit’?”

Costa-Gavras:
“Ja, und ich hätte mir sogar gewünscht, dass sie, bevor sie den Euro einführen, zwei oder drei Jahre lang das Land modernisieren und die Verwaltung auf Vordermann bringen. Ich sage immer, dass Griechenland eine Nation ist, aber es gibt keinen Staat.”

Ist der Grexit die Lösung?

euronews:
“Sie haben eine doppelte Perspektive: eine französische und eine griechische. Verstehen Sie aus ihrer französischen Perspektive die Mitglieder der Eurozone, die sagen, warum lassen wir den Schwächsten Europas nicht fallen? Die Griechen hatten schließlich fünf Jahre Zeit, um alles in Ordnung zu bringen.”

Costa-Gavras:
“Einerseits verstehe ich sie und andererseits nicht. Denn was passiert mit diesen Schulden, wenn sie Griechenland fallen lassen? Die Griechen werden eine andere Währung haben, die Drachme oder was auch immer. Und sie wird sofort entwertet werden, um 30 oder 50 Prozent. Die Schulden werden automatisch steigen. Und es wird noch schwieriger sie zurückzuzahlen! Diese Schulden werden sie nie zahlen können. Es wäre also am besten, wenn sie in Europa bleiben, damit sie die Schulden zurückzahlen können, zum Teil oder ganz.”

euronews:
“Was wären die sozialen Konsequenzen für Griechenland, wenn es aus dem Euro austräte?”

Costa-Gavras:
“Es wäre eine Tragödie! Vielleicht wird sich Griechenland an Russland wenden, das sehr gerne einen Zugang zum Mittelmeer haben würde. Oder vielleicht an China, das gerne einen Fuß in Europa hätte!”

euronews:
“Alexis Tsipras spielt aber auch ein doppeltes Spiel. Denn einerseits beschuldigt er Europa der Erpressung und andrerseits setzt er Europa unter Druck, weil er diplomatische Verbindungen zu Russland knüpft!”

Costa-Gavras:
“Ja, aber dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens verkauft Griechenland viel an Russland. Aber jetzt ist das alles zum Stillstand gekommen, wegen der Spannungen zwischen Europa und Russland. Zweitens ist er Politiker, er hat also allen gezeigt: Seht her, ich habe noch eine andere Möglichkeit! So läuft Politik.”

Das Leid der Griechen

euronews:
“Nun eine Frage von Konstantinos Christofis, denn ich weiß, dass ihnen Griechenland sehr am Herzen liegt. Er will wissen: ‘An was denken Sie, wenn sie das Wort Hellas – Griechenland hören?’”

Costa-Gavras:
“‘Hellas’, das berührt mich sehr, umso mehr da sich das Land in so einer schlimmen Situation befindet. Wenn alles gut läuft, dann ist es mir egal, dann denke ich nicht einmal daran. Aber als z.B. das Militär die Macht ergriff, war ich so wütend, dass ich den Film Z gemacht habe. Aus diesem Grund habe ich Z gedreht! Heute könnte ich das nicht mehr, ich habe keine Geschichte, um einen Film zu drehen, also rede ich mit ihnen über Griechenland, um ihnen zu sagen, dass Tsipras nicht so ist, wie sie denken.”

euronews:
“Aber die Situation Griechenlands verschlimmert sich gerade. Es sieht so aus, als ob es erst schlimmer werden wird, bevor es besser wird. 60 Prozent der Jugendlichen sind arbeitslos. Es war die Rede von einer verlorenen Generation. Aber von wieviel verlorenen Generationen sprechen wir mittlerweile?”

Costa-Gavras:
“Es gibt die Arbeitslosigkeit, aber es gibt auch jene, die auswandern. Und das ist eine Verarmung für Griechenland. Denn es ist natürlich nicht sicher, ob sie wiederkommen werden. Tsipras versucht das zu richten. Und daran sind die Politiker schuld, seien sie von rechts oder links, die Griechenland in den vergangenen Jahrzehnten regiert haben. Wegen ihnen ist Griechenland in der jetzigen Situation!”

euronews:
“Sie waren vor kurzem in Griechenland. Wie geht es den Griechen? Was hatten Sie für einen Eindruck?”

Costa-Gavras:
“Es ist erschreckend. Die Menschen haben jegliche Hoffnung verloren. Sie blasen nur noch Trübsal. Sie reden ständig über ihre Probleme. Und sie haben alle Probleme, außer natürlich jenen, die reich sind. Aber ich habe nicht viele Reiche getroffen, ich habe vor allem mit den anderen geredet. Und es stimmt, dass sie sich einen Wandel wünschen. Aber ihre einzige Hoffnung ist Europa.”

Das ewige Übel der Korruption

euronews:
“Aber wenn sie einen Wandel wollen, dann müssen sie auch Verantwortung übernehmen. Und es heißt, dass der einzige Markt, der derzeit in Griechenland funktioniert, der Schwarzmarkt ist. Gibt es ein Gefühl der Verantwortung?”

Costa-Gavras:
“Ich glaube, dass sie bereit sind, sich zu ändern, wenn die Politiker ihnen die Richtung weisen und sie auch ehrlich sind und mit gutem Beispiel vorangehen.”

euronews:
“Ja, aber Alexis Tsipras hat keine Maßnahmen gegen die Vetternwirtschaft ergriffen. Er hat nicht dafür gesorgt, dass sich die Meritokratie durchsetzt.”

Costa-Gavras:
“Wissen Sie er ist erst seit fünf Monaten an der Macht. Ich brauche zwei Jahre um einen Film zu machen. Wie soll er in fünf Monaten ein Land ändern bei all den Problemen mit den Europäern, mit den Schulden, usw. Ich weiß allerdings, dass an vielen Reformen gearbeitet wird.
Ich kenne sie nicht alle, aber von einigen habe ich erfahren. Aber man benötigt Zeit, um ein Land zu ändern. Ein Land, das jetzt schon seit Jahren in einem Schlamassel steckt. Die Menschen glauben den Politikern nicht mehr.”

euronews:
“Glauben sie auch nicht mehr an Tsipras? Denn beim Referendum waren schließlich 60 Prozent dafür und 40 Prozent dagegen!”

Costa-Gavras:
“Ja klar, aber 60 Prozent, das ist viel. Er wurde mit 36 Prozent gewählt. Daran können sie sehen, was für einen Satz er in ein paar Monaten gemacht hat. Die Menschen glauben an ihn.”

euronews:
“Wir sprechen auch von den Plagen des Landes. Barbara Simons Schuwarger möchte wissen, ob es in Griechenland mehr korrupte Politiker gibt als in anderen Ländern, und wenn ja, warum das so ist?”

Costa-Gavras:
“In Griechenland hat sich wegen der Parteien eine schreckliche Vetternwirtschaft entwickelt. Man wählt keine Regierung mehr, die Gesetze verabschieden wird, sondern man wählt im Sinne seiner eigenen Interessen. Man fragt sich: ‘Was wird dieser Abgeordnete für mich machen können?’ Das ist das Schlimmste. Und was machen die Abgeordneten? Sie bedienen die Interessen. Das ist die schlimmste Art der Demokratie. Es ist eine Form von Diktatur. Das muss sich ändern.”

Zerbricht die EU an dem griechischen Problem?

euronews:
“Alexis Tsipras hat gesagt, ich zitiere: ‘ Niemand hat das Recht Europa zu spalten’ Aber ist es nicht ironisch und tragisch zugleich, dass er es ist, der derzeit Europa spaltet?”

Costa-Gavras:
“Glauben Sie, dass Europa vereint ist? Europa ist geteilt! Schauen Sie sich die Briten und die Niederländer an. Jeder denkt nur an sich, es ist erschreckend! Und warum? Weil Europa nicht auf einer politischen Basis aufgebaut wurde. Nach Jacques Delors haben José-Manuel Barroso und die anderen aufgegeben.”

euronews:
“Aber glauben Sie nicht, dass Tsipras mit seinen Aussagen Europa geteilt hat? Er hat Griechenland zum Ausgang Europas gebracht!”

Costa-Gavras:
“Nein, es sind die Europäer, die uns rausschmeißen.”

euronews:
“Beide tragen Verantwortung.”

Costa-Gavras:
“Wenn Europa nach fünf Monaten mit Tsipras geteilt ist, dann war es nicht sehr solide.”

Frankreich, der beste Freund Athens?

euronews:
“Wer sind die Verbündeten Griechenlands in Europa? Hat es überhaupt Alliierte?”

Costa-Gavras:
“Frankreich”

Costa-Gavras rief jüngst Frankreichs Präsident Hollande dazu auf alles zu tun, um Griechenland zu helfen:

euronews:
“Glauben Sie wirklich, dass Frankreich ein Verbündeter ist?”

Costa-Gavras:
“Größtenteils, ja. Der Ministerpräsident, der Präsident und gestern habe ich andere Politiker gehört, die zum Teil sehr positiv von Griechenland gesprochen haben. Aber wissen sie Länder haben Interessen, sie sind nicht befreundet, sie haben keine Verbündeten. Sie haben Interessen und jeder kümmert sich um seine eigenen.”

euronews:
“Genau. Glauben Sie also, dass Frankreichs Präsident François Hollande sich für Athen und nicht für Berlin entscheiden wird?”

Costa-Gavras:
“Nein, so läuft das nicht. Ich glaube er wird versuchen einen Kompromiss zwischen den beiden zu finden. Bei Verhandlungen kann es, wenn man anständig ist, keinen Gewinner geben. Es muss immer ein Kompromiss zwischen den beiden sein. Jeder muss etwas aufgeben, damit eine gute Verhandlung möglich ist. Ansonsten ist es die Diktatur des Stärkeren. Es stimmt, dass Frau Merkel derzeit die ganze Macht hat. Deswegen ist Europa nicht geeint, denn es gibt eine Macht!”

Tsipras im Lager der Euroskeptiker?

euronews:
“Ich habe von Tsipras’ Verbündeten gesprochen, es gibt ein paar überraschende. Ich denke da etwa an Marine Le Pen, die Chefin des französichen Front National. Es scheint als ob Alexis Tsipras, ohne es zu wollen, auf der Seite der Euroskeptiker gespielt hat.”

Costa-Gavras:
“Nein, er hat, soweit ich weiß nicht auf der Seite der Euroskeptiker gespielt. Er hat nur im Interesse der Griechen gespielt. Wenn Frau Le Pen, Herr Mélenchon und andere damit beschäftigt sind, sich an ihn dranzuhängen, um Sachen zu sagen, die in ihrem Sinne sind, dann ist das nicht sein Fehler.”

Das Schicksal des Rebellen Varoufakis

euronews:
Der frühere Finanzminister, Yanis Varoufakis, ist zu einer Ikone geworden, er ist ein Star. Es hieß sogar, er sei der George Clooney der griechischen Regierung.

Costa-Gavras:
“Das ist politisch gesehen kein wirklich interessanter Vergleich. Denn George Clooney ist ein Schauspieler und Varoufakis ist ein Politiker, ein Finanzexperte. Das ist nur Gerede der Medien.”

euronews:
“Was halten Sie von ihm? Wurde er geopfert? Musste er wirklich gehen?”

Costa-Gavras:
“Er musste sicherlich gehen, weil er bei den Europäern keinen guten Ruf hatte. Ich weiß nicht, ob sein Ruf gerechtfertigt war oder nicht. Von dem was ich weiß, ich habe ab und zu seinen Blog gelesen, war sein schlechtes Image nicht gerechtfertigt. Aber das ist eine andere Geschichte, im Sinne der Verhandlungen war es richtig, dass Tsipras ihn hat gehen lassen.”

Die europäisch-griechische Saga, bald im Kino?

euronews:
“Wenn wir uns anschauen, was in Griechenland passiert, hat man das Gefühl es ist ein Film. Und wir haben eine Frage von Malcolm Davey bekommen, der wissen will, ob es das politische Kino noch immer gibt?”

Costa-Gavras:
“Kino ist immer politisch! Ein französischer Philosoph hat das gesagt und er hat recht, alle Filme sind politisch. Entweder drehen sie sich um Politik oder man kann sie politisch analysieren. Warum? Weil wir uns an Tausende, an Millionen Menschen richten. Und das ist politisch.”

euronews:
“Stellen Sie sich vor Alexis Tsipras, Varoufakis, Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin, und Mario Draghi, der Chef der Europäischen Zentralbank, würden in einem Ihrer Filme spielen. Welche Rollen würden Sie ihnen geben?”

Costa-Gavras:
“Die Rollen, die sie in der Politik schon inne haben! Man müsste auf jeden Fall einen Film darüber machen, vielleicht auch mit einer Prise Komik.”

In dieser Karikatur sagt Tsipras zu seinem damaligen Finanzminister Varoufakis: “Jetzt haben wir den Stier, wo wir ihn haben wollen. Fang an zu ziehen.”

euronews:
“Und was wäre lustig an der Geschichte?”

Costa-Gavras:
“Um ernst und zugleich ein wenig leicht zu sein, wie sie vorher gesagt haben, muss man die Menschen zum Lachen bringen. Denn diese Politiker sind auch etwas lächerlich.”

euronews:
“Was bringt uns bei dem was derzeit passiert zum Lachen?”

Costa-Gavras:
“Ich sollte es aufschreiben: Ihr Verhalten, ihre Lügen und ihre Widersprüche. Die Politiker sagen einen Tag das eine und am nächsten Tag das andere.”

euronews:
“Zuletzt haben sie 2012 einen Film gedreht. Inspirieren Sie die Ereignisse, die sich derzeit abspielen? Werden Sie einen Film darüber machen?”

Costa-Gavras:
“Nein, ich werde sicherlich einen anderen Film machen. Ich arbeite bereits daran. Aber über die aktuelle Situation in Europa müsste eigentlich Charlie Chaplin einen Film drehen.”

euronews:
“Ihre Filme widmen sich der Realität, den sozialen Schwierigkeiten und dem Machtmissbrauch. Was halten sie von der heutigen Gesellschaft und ihren Auswüchsen?”

Costa Gavras:
“Die heutige Gesellschaft hat eine neue Religion und das ist Geld. Die Menschen denken nur noch an sich selbst und immer weniger an andere. Und wie ich bereits sagte leben wir in einer Gesellschaft in der es immer mehr Reiche und immer mehr Arme gibt. Sollen wir uns damit abfinden, dass es immer so weiter geht? Ich glaube nicht, dass wir das sollten.”