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Die Kindersoldaten der Miliz Islamischer Staat

Sie sind minderjährig, manche von ihnen sind nicht einmal zehn Jahre alt. Doch in Ausbildungslagern der Miliz Islamischer Staat werden sie gezwungen

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Die Kindersoldaten der Miliz Islamischer Staat

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Sie sind minderjährig, manche von ihnen sind nicht einmal zehn Jahre alt. Doch in Ausbildungslagern der Miliz Islamischer Staat werden sie gezwungen, kämpfen und töten zu lernen. Die Dschihadisten haben sie gefangen und verschleppt – in den Lagern werden die Kinder und Jugendlichen hartem Drill ausgesetzt. Wer nicht gehorcht, wird bestraft.

Ein 14-Jähriger schildert seine Erfahrungen: “Sie haben uns beigebracht, wie man Kehlen durchschneidet und wie man sich in die Luft sprengt”, sagt er. “Man legt die Hand auf die Stirn, hebt den Kopf an, führt das Messer an den Hals und schneidet ihn durch. Über den Bombengürtel wurde uns gesagt, an einem weißen Metallstück zu ziehen, dann explodiert er sofort. Uns wurde auch beigebracht, eine Handgranate zu entsichern und sofort zu werfen, weil man sich sonst selbst in die Luft jagt.”

Der Junge konnte sich aus den Fängen der IS-Miliz befreien und entkam mit seinem jüngeren Bruder und seiner Mutter. Sieben Monate lang wurden sie in Syrien festgehalten. Nach der Zwangsausbildung hätten er und seine Mithäftlinge in den Krieg ziehen müssen.

“Jeder, der die Ausbildung in dem Lager abgeschlossen hat, wird in ein zweites Lager geschickt”, erzählt der 14-Jährige. “Dort ist die Ausbildung noch strenger, bevor man nach Kobani in den Kampf geschickt wird. Sie haben uns gesagt, dass wir gegen Jesiden kämpfen und sie töten, weil sie ungläubig sind. Wenn wir sterben, kommen wir in den Himmel und sie in die Hölle.”

Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit, die vor allem im Irak, in Syrien und in der Türkei lebt. Sie wurden in den Lagern gezwungen, zum Islam zu konvertieren.

“In dem Lager waren wir mehr als 80 jesidische Kinder, dazu noch muslimische Kinder. Sie waren zwischen fünf und 15 Jahren alt. Mein 15-jähriger Cousin ist immer noch da”, sagt eine 11-Jährige. “Wir wurden von morgens bis abends im Farouq Institut geschult. Unsere Bilder und Videos wurden bei Facebook veröffentlicht. Wir haben Religion gelernt; wer nicht gelernt hat, wurde bestraft. Man wurde um 4 Uhr zum Gebet geweckt. Wer nicht aufstand, wurde auch bestraft. Das Essen war dürftig, es gab eine Mahlzeit pro Tag”, erzählt das Mädchen.

Und immer wieder Bestrafungen: Wer den körperlichen und mentalen Druck nicht aushält, wird gepeinigt, erzählen die Kinder immer wieder. Sie konnten dem Albtraum entkommen, für andere geht er weiter.