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EZB-Sitzung am Donnerstag im Fokus der Anleger


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EZB-Sitzung am Donnerstag im Fokus der Anleger

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EZB-Treffen: Die Auswirkungen auf den Euro

Die Europäische Zentralbank hat mehrmals angedeutet, dass sie bereit ist, schnell zu handeln, um die Inflationsrate in der Eurozone zu erhöhen. Bei ihrem Treffen am 3. Dezember wird die EZB u.a. entscheiden, ob sie ihr Anleihekaufprogramm ausweitet oder nicht.

Der Präsident der EZB hat eingeräumt, dass das Ziel einer Inflation von 2 Prozent nicht mehr erreicht werden kann. Am 20. November hat Mario Draghi das Anleihekaufprogramm der EZB verteidigt. Er sagte, dass sich die Unternehmen in der Eurozone dadurch billiger Geld ausleihen können.

Aufgrund der Unsicherheit vor dem EZB-Treffen hat der Euro an Wert verloren. Er ist in den vergangenen Monaten im Vergleich zu den anderen wichtigen Währungen gefallen.

Im Vergleich zum US-Dollar ist der Euro fast vier Prozent gefallen. Gegenüber dem britischen Pfund verlor er nur 1,2 Prozent und gegenüber dem Schweizer Franken konnte er sogar an Wert zulegen.

Die Inflationsprognosen werden während des EZB-Treffens aktualisiert werden. Experten zufolge haben sich die Bedingungen seit der Veröffentlichung der Prognosen im September verschlechtert.

Analyse: “Die EZB wird wahrscheinlich das Anleihekaufprogramm bis Ende 2016 oder bis 2017 verlängern.”

Daleen Hassan, euronews :
“Wir wissen, dass verschiedene Szenarien in Frage kommen. Können Sie uns etwas genaueres sagen?”
 
Nour Eldeen Al-Hammoury, Chefmarktstratege bei ADS Securities in Abu Dhabi:
“Es gibt viele Szenarien. Erstens könnte die EZB den Einlagezinssatz um weitere 10 Basispunkte auf -0,3 Prozent kürzen.
Zweitens könnte das derzeitige Anleihekaufprogramm von 60 Milliarden Euro pro Monat auf 70 oder sogar 80 Milliarden Euro pro Monat ausgeweitet werden.
Drittens könnte die EZB das derzeitige Programm zur quantitativen Lockerung, das bis zum September 2016 laufen soll, verlängern. Es könnte bis Dezember 2016 oder sogar bis März 2017 verlängert werden.
Viertens ist es möglich, dass die EZB vorerst ihre Geldpolitik nicht ändert und die Entscheidung der Fed abwartet. Wenn die Fed ihren Leitzins im Dezember erhöht, muss die EZB nicht eingreifen, denn in diesem Fall wird der Euro weiterhin unter Druck sein, und das ist es, was die EZB sich wünscht.”

Daleen Hassan, euronews:
“Das stimmt und da sie von Druck sprechen: Wie werden sich diese Szenarien der EZB auf den Euro auswirken?”
 
Nour Eldeen Al-Hammoury:
“Wenn der Einlagezinssatz weiter gekürzt wird, erhöht sich der Druck auf den Euro. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass der Euro eine Parität mit dem US-Dollar erreichen wird. Es könnte sich einem eins zu eins Verhältnis allerdings annähern.
Wenn die EZB das derzeitige Anleihekaufprogramm ausweitet, dann wird der Euro höchstwahrscheinlich schnell fallen und eine Parität mit dem US-Dollar erreichen. Das kann innerhalb weniger Tage geschehen.
Die Verlängerung des Anleihekaufprogramms würde keine so negativen Konsequenzen für den Euro haben, denn die EZB würde kein zusätzliches Geld einspritzen. Der Euro könnte sich in diesem Fall für eine Zeitlang stabilisieren.
Und falls die Geldpolitik nicht geändert wird, würde sich das positiv auf den Euro auswirken, denn jeder rechnet damit, dass die EZB ihre Geldpolitik weiter lockert. Der Euro könnte sich vor der Entscheidung der Fed stabilisieren.”
 
Daleen Hassan, euronews:
“Sie kennen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gut, welches Szenario erscheint Ihnen in der derzeitigen Situation am wahrscheinlichsten?”

Nour Eldeen Al-Hammoury:
“Es ist schwierig vorherzusagen, was die EZB nur zwei Wochen vor dem Treffen der Fed machen wird. Wenn man sich jedoch die Geschichte der EZB ansieht, dann stellt man fest, dass die Bank ihre Geldpolitik noch nie gelockert hat, wenn der ISM-Einkaufsmanagerindex sich verbesserte. Und genau das ist vergangene Woche eingetreten. Der ISM-Einkaufsmanagerindex hatte einen seiner höchsten Werte seit über einem Jahr. Wir rechnen jedoch damit, dass die EZB das Anleihekaufprogramm bis Ende 2016 oder bis 2017 verlängert. Und vielleicht wird sie den Einlagezinssatz um 10 Basispunkte kürzen, aber das erscheint sehr viel weniger wahrscheinlich.”

Daleen Hassan, euronews:
“Kommen wir zum Nahen Osten, wie würde sich eine Ausweitung des Anleihekaufprogramms in der Eurozone auf die Kurse an den Börsen im Nahen Osten und in Nordafrika auswirken?”

Nour Eldeen Al-Hammoury:
“Wir haben bereits in der Vergangenheit bemerkt, dass sich eine lockere Geldpolitik der Zentralbanken immer positiv auf die Aktien weltweit und somit auch auf die Börsen im Nahen Osten und in Nordafrika auswirkt. Die regionalen Aktien könnten also einen Zeit lang im grünen Bereich bleiben. Doch den größten Einfluss hat in dieser Woche kurz vor dem Treffen der OPEC das Rohöl. Und was den Euro hier in der Region anbelangt, haben wir bemerkt, dass die Mehrheit unserer Anleger den Euro verkaufen, obwohl keine große Gewinne mitzunehmen sind. Diese Strategie hat sich das ganze Jahr über im Nahen Osten und in der ganzen Welt gelohnt.
Hinzu kommt, dass die Verkaufspositionen und die Handelsvolumen, die höchsten Werte seit vergangenen Mai erreichet haben. Damals rechneten die Finanzmärkte damit, dass die Fed im Juni den Zinssatz anhebt. Damals waren die Aktien im Nahen Osten und in Nordafrika am meisten wert.”

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