Eilmeldung

Eilmeldung

Soziale Bio-Firmen im Aufwind

Angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen können soziale Unternehmen die Lösung sein. Sie sind aber auch ein neues Geschäftsmodell in Europa. Wie, das entdecken wir in Brüssel.

Sie lesen gerade:

Soziale Bio-Firmen im Aufwind

Schriftgrösse Aa Aa

“Es geht um soziale Firmen oder anders gesagt Unternehmer, die angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen innovative Lösungen gefunden haben. Wir haben es hier mit einem neuen Geschäftsmodell in Europa zu tun. Euronews-Journalist Serge Rombi hat Loïc Van Cutsem gefragt, wieviele soziale Firmen es derzeit in Europa gibt?

Meinung

Soziale Firmen breiten sich weltweit aus. In den EU-Ländern gibt es spezifische Hilfen.

“Soziale Firmen breiten sich weltweit aus. In Europa repräsentieren sie rund 5 Prozent der Arbeitnehmer. Es ist zudem sehr interessant, dass dieses Phänomen herkömmliche Firmen dazu bringt, ihre Geschäftsmethoden überdenken,” so Loïc Van Cutsem.

Es gibt in allen Bereichen soziale Firmen, unter anderem in der Kreislaufwirtschaft. In Brüssel z.B. klappert ein Fahrradfahrer jeden Monat acht Restaurants ab, um dort insgesamt anderthalb Tonnen Kaffeesatz abzuholen.

Soziale Wirtschaft

  • Einer von vier Unternehmern in Europa ist ein sozialer Unternehmer.
  • 2015 repräsentieren die sozialen Firmen, Vereine und Kooperativen rund 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der EU und 6 Prozent der Arbeitnehmer.
  • Ziel der sozialen Unternehmer ist es, etwas für die Gesellschaft und die Umwelt zu tun. Ihnen geht es nicht darum mehr Gewinne zu erwirtschaften, sei es für die Eigentümer oder die Aktionäre.
  • Das größte Problem für soziale Unternehmer ist die Finanzierung. Viele schaffen es ihre Projekte mit Hilfe von Crowdfunding zu finanzieren.
  • Permafungi ist ein belgisches soziales Unternehmen, das mit Hilfe einer Crowwdfunding Kampagne bei OksigenCrowd die nötigen Fonds zusammengetragen hat. Das Unternehmen bekommt auch Hilfen von der Europäischen Kommission.

Nützliche Links

Dieser Kaffeesatz, der ansonsten im Müll landen würde, wird als Düngemittel benutzt, um Austernpilze zu züchten. Nach der Ernte wird der Kaffeesatz an Landwirte weitergegeben, die ihn ebenfalls als Düngemittel nutzen.

Das Unternehmen Permafungi produziert jeden Monat zwischen 300 und 400 Kilogramm Austernpilze, die es dann auf Märkten verkauft. Die Firma bietet auch Gewächskartons an mit denen man zu Hause selber Austernpilze züchten kann.

Und die Firma hat sich ganz bewusst dazu entschieden Menschen einzustellen, die Schwierigkeiten hatten, einen Job zu finden. William Berger arbeitet für PermaFungi. Er erzählt: “Dank dieses Projekts habe ich gelernt Verantwortung zu übernehmen. Und ich bin jetzt selbstbewusster. Ich traue mich auf die Menschen zuzugehen und mit ihnen zu reden.”

Das Unternehmen, das vor anderthalb Jahren gegründet wurde, stellt heute sechs Menschen an. Mitbegründer Martin Germeau erklärt: “Mit dem Pilzgeflecht, woraus Pilze bestehen, kann man auch Isolierplatten herstellen. Und aus dem Kaffeesatz kann man auch Seife machen.”

Die Gründer von Permafungi haben viele Ideen. Sie wollen aber vor allem dieses soziale Geschäftsmodell fördern. “Wir wollen nicht eine riesige Champignonkultur haben, sondern vielmehr, anderen sozialen Unternehmern dabei helfen Champignonkulturen zu gründen. Allein in Brüssel werden jedes Jahr 5000 Tonnen Kaffeesatz produziert, daraus könnte man 1000 Tonnen Austernpilze züchten,” so Martin Germeau.

Soziale Unternehmen sind besonders in der Kreislaufwirtschaft erfolgreich, dass heißt wenn sie auf Bioprodukte und Recyceln setzen. Bei der Finanzierung dieser Projekte bietet sich Crowdfunding an.

Permafungi z.B. hat mehr als 10,000 Euro mit Hilfe des Crowdfundings erhalten. Loïc Van Cutsem bestätigt, dass Crowdfunding ein gutes System für soziale Unternehmen ist: “Es gibt diesen Trend. Immer mehr Menschen wollen ihr Geld sinnvoll investieren. Crowdfunding ist eine gute Lösung, denn sie können so direkt soziale Unternehmen unterstützen.” Und er fügt hinzu: “In den EU-Ländern gibt es spezifische Hilfen, um sie bei ihrem sozialen Projekt zu begleiten und zu unterstützen.”