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China: Verschwundener Milliardär wieder da, Rätsel bleiben

Vier Tage lang war der chinesische Milliardär Guo Guangchang wie vom Erdboden verschluckt. Am Montag trat er wieder öffentlich auf und verlor kein

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China: Verschwundener Milliardär wieder da, Rätsel bleiben

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Vier Tage lang war der chinesische Milliardär Guo Guangchang
wie vom Erdboden verschluckt. Am Montag trat er wieder öffentlich auf und verlor kein einziges Wort über sein mysteriöses Verschwinden. Auf einer Versammlung seines Konzerns Fosun in einem Shanghaier Hotel sprach der als «Warren Buffett Chinas» geltende Manager ausschließlich über’s Geschäft, so Teilnehmer der Konferenz.

Sein Konzern Fosun sagt, er habe im Polizeigewahrsam lediglich bei Ermittlungen «assistiert». Ob nicht vielleicht doch Korruptionsvorwürfe dabei eine Rolle spielen? Kein Kommentar.

Beobachter sehen in Guos Verschwinden einen Warnschuss und ein weiteres klares Indiz dafür, dass Peking den Fokus seiner vor drei Jahren begonnenen Kampagne gegen die Korruption im Land verlagert hat. Ging es in der Vergangenheit vor allem Politiker und Managern von Staatsunternehmen an den Kragen, muss jetzt mehr und mehr die Privatwirtschaft zittern – vor allem die Finanzbranche.

Das Schicksal von Guo Guangchang ist kein Einzelfall. Zuletzt
verschwanden eine ganze Reihe von Finanzmanagern in China, weil sie von der Polizei verhaftet oder für einige Tage festgehalten und verhört wurden. Erst am Montag meldete der größte chinesische Broker Citic, dass zwei hochrangige Manager des Unternehmens verschwunden seien. Zuvor hatten die Behörden Ermittlungen gegen Citic und zwei weitere große Finanzhäuser des Landes eingeleitet. Im November war zudem der Hedgefonds-Milliardär Xu Xiang festgenommen worden. 

In Deutschland hatte Fosun zuletzt mit seinem Interesse an den Privatbanken Hauck & Aufhäuser und BHF-Bank für Furore gesorgt. Im Moment sieht es zwar so aus, als würde Fosun in einer Bieterschlacht um die Frankfurter BHF-Bank den Kürzeren ziehen. Die Übernahme der Privatbank Hauck & Aufhäuser sehen Experten dagegen so gut wie in trockenen Tüchern.

Die Fosun Anleger jedenfalls fällten ein klares Urteil über Guos
Zwischenspiel mit den Behörden und schickten die Fosun-Aktien auf Talfahrt: In Hongkong gelistete Papiere des Unternehmens sackten am Montag um knapp zehn Prozent ab, nachdem sie seit Freitag nach dem Verschwinden Guos vom Handel ausgesetzt waren.

Guo hatte Fosun 1992 gemeinsam mit Freunden aus Studienzeiten gegründet und es über die Jahre zum größten privaten Mischkonzern des Landes ausgebaut. Das Unternehmen war stets zur Stelle, wenn die kommunistische Regierung wieder einen Wirtschaftssektor für die Privatwirtschaft öffnete. Fosun schlug in der Stahlindustrie, im Pharmasektor und auch in der Immobilienbranche Wurzeln, bevor es sich immer mehr auf die Finanzbranche und in den vergangen Jahren vor allem auf Milliardenschwere Übernahmen im Ausland konzentrierte – nicht nur in Deutschland.

Fosun kaufte sich weltweit in unrterschiedlichste Branchen ein. In
Portugal übernahm der Konzern etwa die Versicherung Fidelidade. In Frankreich sicherten sich die Chinesen für eine Milliardensumme den Ferienanlagenbetreiber Club Med. Auch der kanadische Zirkus «Cirque du Soleil» gehört zu Fosuns Portfolio.

su mit Reuters, dpa