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Witwe Wolinski erinnert sich an Charlie Hebdo

Maryse Wolinski, Journalistin und Autorin, verlor beim Anschlag auf Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 den Mann, mit dem sie 47 Jahre lang verheiratet war: den Karikaturisten Georges Wolinski. Mit eurone

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Witwe Wolinski erinnert sich an Charlie Hebdo

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Maryse Wolinski, Journalistin und Autorin, war 47 Jahre lang mit Georges Wolinski verheiratet, bis ihr Mann beim Anschlag auf die Charlie Hebdo Redaktion getötet wurde. Euronews hat die Frau getroffen, die jetzt über die Hintergründe der Terrorattacke ein Buch mit dem Titel “Cherie, ich geh zu Charlie” herausgebracht hat.

Meinung

Cherie, ich geh' zu Charlie.



Humor ist der kürzeste Weg von einem Menschen zum anderen. – Georges Wolinski

Maryse Wolinski: “Dieser Titel, das sind die letzten Worte meines Mannes. Der Tag hat ganz gewöhnlich und banal begonnen, wir haben über unsere Termine gesprochen und uns dann fertig zum Ausgehen gemacht. Ich war noch in ein Handtuch gewickelt, als er mir zugerufen hat: “Schatz, ich geh’ zu Charlie. Das war’s.

Dann bin ich zu meinem Meeting, ich hatte mein Handy ausgeschalten, in der Zeit als es passiert war, diese schreckliche Tragödie, in die ich hineingezogen wurde.

Ich war in einem Taxi, als ich bemerkte, dass ich sehr viele Nachrichten auf meinem Handy hatte, von Menschen, die wissen wollten, wie es Georges geht. Ich habe zuerst natürlich nichts verstanden, also habe ich den Taxifahrer gefragt.

Er sagte: ‘Was macht ihr Mann?’
Ich habe geantwortet: ‘Er arbeitet bei Charlie Hebdo.’
Dann hat er mir gesagt: ‘Hören Sie, ich muss Ihnen etwas sagen, es gab einen Anschlag auf Charlie Hebdo.’

Ich habe angefangen zu zittern, mein Leben wurde schon in diesem Taxi auf den Kopf gestellt. Der nette Taxifahrer hat mich dann nach Hause gebracht, das werde ich nie vergessen. Er hab mich bis zur Tür gebracht, er hatte Tränen in den Augen und sagte: ‘Ich werde für ihren Mann beten.’

Aber da war es schon nicht mehr der Mühe wert, weil mein Mann bereits tot war.

Er hat vier Kugeln abbekommen, die erste traf die Aorta, er war also sofort tot. Für mich ist das eine Erleichterung, denn ich habe mir sehr viele Sorgen gemacht, ob er verletzt wurde, ob er leiden musste, ob er Angst hatte. Weil wenn man plötzlich eine Kalaschnikow vor sich sieht, dann ist das vielleicht ziemlich furchteinflößend, ich weiß nicht. Meine Tochter und ich hatten diese Sorge, weil wir unseren Georges gut kannten.

Schon im Dezember war mir aufgefallen, dass er irgendwie finster gelaunt war, ich habe mich gefragt, warum. Er hat viel von seinem Tod gesprochen.

Er sagte: ‘Was wirst du tun, wenn ich tot bin? Was wird aus dir werden? Ich habe dich nicht genügend beschützt.’
Aber er hat mich immer sehr beschützt.

Leider ist mir nie in den Sinn gekommen, dass es wirklich sehr viele Drohungen geben könnte. Deshalb fühle ich mich auch ein wenig schuldig. Georges hat nie davon gesprochen. Wenn ich gewusst hätte, dass es so viele Morddrohungen gab, dann hätte ich zu ihm gesagt: Ich möchte nicht, dass du dort hingehst. Aber ich wusste von nichts, ich habe es nicht mal vermutet, ich habe es wirklich nicht kommen sehen …”