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Seit bald zwei Jahren Blei im Trinkwasser: Aufruhr in amerikanischer Großstadt Flint

Seit bald zwei Jahren kommt in der amerikanischen Stadt Flint verseuchtes Wasser aus dem Hahn: Jetzt erst ist das Problem aber in das allgemeine

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Seit bald zwei Jahren Blei im Trinkwasser: Aufruhr in amerikanischer Großstadt Flint

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Seit bald zwei Jahren kommt in der amerikanischen Stadt Flint verseuchtes Wasser aus dem Hahn: Jetzt erst ist das Problem aber in das allgemeine Bewusstsein gedrungen.

Meinung

In 25 Jahren haben wir niemals solche hohen Bleiwerte gesehen.

Die Stadt im Bundesstaat Michigan bezog früher das Wasser für ihre hunderttausend Einwohner aus dem nahegelegenen Detroit.

Dafür musste sie jedoch zahlen, die klamme Stadt – unter Zwangsverwaltung – entschied sich also, ab April 2014 stattdessen ihren eigenen Fluss anzuzapfen, den Flint – für den damaligen, jetzt abgewählten Bürgermeister Dayne Walling ein “historischer Augenblick”.

Jetzt herrscht aber vor allem eine historische Wut, denn das verdreckte Flusswasser griff die Leitungen an, die zu einem großen Teil aus Blei bestehen. Das aggressive Wasser hätte in der Kläranlage erst eigens behandelt werden müssen – das geschah aber nicht, die Menschen in Flint bekamen nun bleiversuchtes Trinkwasser.

Ein Bericht des Fernsehsenders CBS vom Dezember über die Wasserkrise in Flint (auf Englisch)

Als Wissenschaftler letzten August das Wasser in 271 Häusern testeten, trauten sie ihren Augen nicht. In manchen Fällen, berichtete die Zeitung “The Washington Post”, war der Bleigehalt so hoch, dass das Wasser in die Kategorie “Giftmüll” fiel.

“Wir haben in den fünfundzwanzig Jahren unserer Arbeit niemals solche hohen Bleiwerte gesehen”, sagte Mediziner Marc Edwards, der die Untersuchungen durchführte.

Aus Flint stammt auch Filmemacher Michael Moore: Für ihn ist klar, dass die Menschen in der heruntergekommenen einstigen Industriestadt sich einfach nicht wehren konnten. Das habe mit Rassismus zu tun, sagt er bei einer Kundgebung, und mit Armut.

Im Internet sammelt Moore Unterschriften, mit denen er die Festnahme von Michigans Gouverneur Rick Snyder verlangt. “Dank Ihrer und der vorsätzlichen Handlungen Ihrer Verwalter sind (…) anscheinend praktisch alle Kinder in meiner Heimatstadt vergiftet worden”, schreibt er dort: “Und dafür gehören Sie ins Gefängnis.”

Einwohner haben eine Sammelklage eingereicht, die sich vor allem gegen den Bundesstaat richtet: Weil er den Zwangsverwalter eingesetzt hatte, sei er für die Umstellung der Wasserversorgung verantwortlich, so ihr Standpunkt.

Inzwischen hat – auf Michigans Antrag – die Bundesregierung für Flint sogar den Notstand verhängt.

Damit kann nun die Katastrophenschutzbehörde FEMA helfen, ebenso wie andere Bundesstellen.

Das Wasser kommt seit Oktober wieder aus Detroit: Die Rohre sind nun aber so stark angegriffen, dass sich trotzdem Blei löst. Das Wasser eignet sich höchstens noch zum Waschen, aber nicht mehr zum Trinken. In Flint wird Wasser in Flaschen verteilt, dazu Wasserfilter und Testgeräte.

Wie lange das so bleiben wird, ist unbekannt. Möglicherweise müssten alle Leitungen ausgewechselt werden – was enorm teuer wäre. Zur Erinnerung: Mit der Umschaltung auf das Flusswasser sollte eigentlich Geld gespart werden.