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Rubel-Trubel

Die Abwärtsspirale des russischen Rubels dreht sich schneller: Die Währung gab 5,3 Prozent nach, auf fast 86 Rubel pro Dollar, nach der Ansage der

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Die Abwärtsspirale des russischen Rubels dreht sich schneller: Die Währung gab 5,3 Prozent nach, auf fast 86 Rubel pro Dollar, nach der Ansage der Zentralbank, dass sie nicht beabsichtige, in den Markt eingreifen, um die Talfahrt einzudämmen.

Meinung

Wir werden nur dann intervenieren, wenn wir Risiken für die Finanzstabilität sehen

Der Rubel fiel am stärksten in den Schwellenländern, in 48 Stunden etwa so rapide wie seit einem Jahr nicht. Notenbankchefin Elvira Nabiullina steckt in der Klemme: Angesichts der Rezession müsste sie die Leitzinsen von zuletzt elf Prozent eigentlich senken. Die hohe Inflation verhindert aber eine solche Lockerung der Geldpolitik. „Wir werden nur dann intervenieren, wenn wir Risiken für die Finanzstabilität sehen, sagte sie, “solche Risiken gibt es derzeit nicht.“

Russland steckt in einer schweren Rezession. Der Rubel ist so billig wie seit 1998 nicht mehr, die Inflationsrate zweistellig und der niedrige Ölpreis droht den Staatshaushalt in Schieflage zu bringen, denn rund die Hälfte der Staatseinnahmen stammen aus dem Öl- und Gasgeschäft.

Wladimir Putins Haushaltsplan für 2016 beruht noch auf der Annahme eines Ölpreises von 50 Dollar je Barrel. Nun muss er die Staatsausgaben drastisch kürzen. „Ein Rückgang des Ölpreises auf 30 Dollar würde das Haushaltsdefizit auf 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen lassen“, schreiben die Analysten der Citigroup. „Das wäre eine erhebliche Lücke und die zweitgrößte der vergangenen 20 Jahre.“ Das bislang größte Budgetdefizit von damals sechs Prozent der Wirtschaftsleistung war im Jahr 2009 aufgetreten.

Das russische Finanzministerium strebt nun Ausgabenkürzungen von 5,5 Milliarden Euro für 2016 an. Ausgabenkürzungen und höhere Steuern bremsen die Wirtschaft noch mehr, denn sie steckt bereits seit Mitte 2014 in der Rezession. Im dritten Quartal 2015 war die Wirtschaftsleistung erneut um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Der Markt für Schuhe und Kleidung ist nach Medienberichten (“Kommersant”) im letzten Jahr um 20 Prozent geschrumpft. Noch dramatischer ist die Lage im Autosektor. 2015 sind die Autoverkäufe von Pkw und leichten Lkw in Russland um 36 Prozent auf 1,6 Millionen eingebrochen. Das war das niedrigste Niveau seit der Krise im Jahr 2009. Für 2016 stellt der Branchenverband einen Rückgang um 4,7 Prozent in Aussicht, was sich bei einer anhaltend schwachen Konjunktur als nicht pessimistisch genug erweisen dürfte.

Stürzt der Ölpreises weiter ab, dürfte der Verfall des Rubels anhalten. Das wiederum heizt die Inflation im Land an. Sie ging zuletzt zwar auf 12,9 Prozent zurück. Das ist aber immer noch ein sehr hoher Wert. Entsprechend implodiert die Kaufkraft der Russen. Die Abwertung des Rubels stellt die russischen Unternehmen vor enorme Probleme. Vielen von ihnen sind hoch verschuldet – auf Dollar-Basis. Mit dem Verfall des Rubels steigen ihre Schulden in unbezahlbare Höhen.

Westliche Unternehmen im Land reagieren auf die Krise – und ziehen sich vom russischen Markt zurück. Von einst 6.000 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung haben 2015 nach Angaben der russischen Steuerbehörde mehr als 400 das Land verlassen. Das sind sieben Prozent. Der jährliche Kapitalschwund beträgt Dutzende Milliarden Euro.

Wegen der Rezession steigt die Arbeitslosenquote seit Monaten an. Zuletzt fühlte sich Finanzminister Anton Siljanov auf einer Konferenz an die 1998er-Krise erinnert, als die Abwertung des Rubel in Verbindung mit der hohen Inflation den Lebensstandard der Russen geradezu erodiert hatte.

In der Bevölkerung hat sich längst Pessimismus breitgemacht. Die Mehrheit der Russen glaubt Umfragen zufolge, dass die schwerste Zeit noch vor ihnen liegt

su mit AFP, dpa