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UN: "188 Länder wollen alles tun, um den Klimawandel zu bekämpfen"

Der Klimavertrag in Paris ist von historischer Bedeutung, aber nun beginnt die schwierige Arbeit, diesen auch umzusetzen. In Davos sprach darüber

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UN: "188 Länder wollen alles tun, um den Klimawandel zu bekämpfen"

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Der Klimavertrag in Paris ist von historischer Bedeutung, aber nun beginnt die schwierige Arbeit, diesen auch umzusetzen. In Davos sprach darüber euronews-Reporterin Isabelle Kumar mit der Chefin des UN-Klimasekretariats Christiana Figueres.

Meinung

Wollen die USA wirklich mit China die zweite Geige spielen, was die Zukunft anbelangt?

euornews-Reporterin Isabelle Kumar:
“Christiana Figueres, vielen Dank, dass Sie bei uns sind. Meine erste Frage lautet: Warum glauben Sie, dass das Klimaabkommen etwas bringen wird?”

Christiana Figueres, Chefin des UN-Klimasekretariats:
“Weil es auf sehr sehr starken Befürwortern beruht, die nationale Interessen haben. Es wurde von 188 Ländern verabschiedet, die alles tun wollen, um den Klimawandel zu bekämpfen. Aber immer aus Sicht ihrer nationalen Interessen und was für ihr Land gut ist. Das Abkommen steht also auf festen Füßen.”

euronews:
“Was ist mit der Umsetzung? Es war schwierig, das Abkommen auf den Weg zu bringen, die Umsetzung wird noch schwieriger.”

Christiana Figueres:
“Schwieriger in jedem Fall. Ich habe erklärt, wie schwierig es war, ohne es kleinreden zu wollen, der schwierige Teil beginnt jetzt. Aber Gottseidank fangen wir nicht bei null an. Es gibt bereits ganz viele Initiativen und Maßnahmen. Es geht nur teilweise um die Umsetzung, um sicherzustellen, dass alles weiterläuft. Auf einem höheren Niveau geht es darum, neue Technologieansätze, Finanzen und Politik anzupassen, und all das auf einen Ausstieg aus der Kohle auszurichten.”

euronews:
“Jeder Nation steht es frei, ihre eigenen Ziele zu definieren. Wie kann man sicherstellen, dass sie sich nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner entscheiden?”

Christiana Figueres:
“Wir wissen, auf welchen Stand sie sind. Das ist der Ausgangspunkt. Wichtig ist, wo sie hinwollen. Das wurde bereits festgelegt. Es wird einen Prozess kontinuierlicher Verbesserung geben, denn alle fünf Jahre werden die Ergebnisse überprüft. Man wird sich gegenseitig Bericht erstatten und prüfen, was man noch tun kann. Wichtig ist also, wohin die Reise geht.”

euronews:
“Und wenn sie das nicht tun?”

Christiana Figueres:
“Wenn sie das nicht tun, stehen sie unter enormen Druck innerhalb der Gruppe. Aber viel wichtiger ist, dass sie jetzt sehr klar sehen, dass es tatsächlich in ihrem Interesse ist: Es ist im Interesse ihrer nationalen Entwicklung, der Weltwirtschaft und es ist im Interesse ihrer nationalen Wirtschaft. In diesem Bereich gibt es große Anreize: Es werden Arbeitsplätze und neue Industriezweige geschaffen. Es gibt mehr Energiesicherheit, besseren Energietransport und eine verbesserte Gesundheitsvorsorge. Es gibt außerordentlich viele Anreize.”

euronews:
“Beeinträchtigen die niedrigen Ölpreise die Umsetzung? Das war vor Kurzem die Sorge des IWF.”

Christiana Figueres:
“Interessanterweise hat es das bisher nicht, vielleicht noch nicht. Aber dafür sind eine Menge von sehr teuren Suchbohrungen vom Tisch, die sonst realisiert worden wären. Es ist gut, dass sie vom Tisch sind, denn sie sind von sehr viel höheren Ölpreisen abhängig. Alles Teure also – Tiefwasserbohrungen, Bohrungen in der Arktis, Sauergas – all das sollte gestoppt werden, denn wir brauchen sie nicht mehr und diese Verfahren sind zu teuer. Das gibt es also nicht mehr. Ich denke, die Öl- und Gasindustrie orientiert sich jetzt an den niedrigsten Kosten der Öl- und Gasreserven, und das ist wahrscheinlich für sie der bessere Weg.”

euronews:
“Und was ist mit den US-Präsidentschaftswahlen? Es gibt einige Präsidentschaftskandidaten, die bei diesem Thema nicht wirklich mit an Bord sind. Macht Ihnen das Sorge?”

Christiana Figueres:
“Ich denke, die amerikanische Öffentlichkeit, kann die Unterschiede erkennen. Es ist ziemlich traurig, dass es zu einem regelrechten Partisanenthema in den USA wurde, denn das ist es sicherlich nicht. Es geht um wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, das ganze Land sollte geeint hinter diesem Thema stehen. Denn es geht um Folgendes: Welches Land produziert die beste erneuerbare Energie? Und nicht nur das, sondern es geht auch um Energieeffizienz, Smart Metering und darum, welches Land die Technologie der Zukunft produziert. Aktuell ist es Indien, das die Technologie der Zukunft produziert. Wollen die USA wirklich mit China die zweite Geige spielen, was die Zukunft anbelangt? Ich hoffe nicht.”