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Transparency International: "FIFA in der Opferrolle"

Der Fußballweltverband hat erstmals eingeräumt, dass es bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 1998 und 2010 Korruptionszahlungen gegeben hat. Beide

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Transparency International: "FIFA in der Opferrolle"

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Der Fußballweltverband hat erstmals eingeräumt, dass es bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 1998 und 2010 Korruptionszahlungen gegeben hat. Beide Turniere fanden während der Amtszeit Joseph Blatters statt. Die FIFA sieht sich als Opfer bestechlicher Spitzenfunktionäre und fordert Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe. Ein entsprechender Antrag wurde bei der US-Justiz hinterlegt, die gegen 41 Personen ermittelt. Der neue FIFA-Vorsitzende Gianni Infantino sagte, die Angeklagten hätten das in sie gesetzte Vertrauen missbraucht.

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euronews-Reporter Joe Allen sprach mit Deborah Unger von Transparency International über die Millionenforderungen der FIFA gegen 41 in den Vereinigten Staaten Angeklagte, darunter die ehemaligen Vizepräsidenten Jack Warner und Jeffrey Webb.

euronews:
Das ist also das erste Mal, dass die FIFA bestätigt, dass Ihrer Meinung nach Spitzenfunktionäre in großem Maße an Bestechung beteiligt waren. Handelt es sich hier um einen echten Schritt in Richtung einer Ära der Transparenz beim Fußballweltverband?

Deborah Unger:
Die FIFA versucht, sich bei all diesen Bestechungs- und Korruptionsfällen als Opfer darzustellen und will auch das Geld zurück.

euronews:
Das bringt mich zu meiner zweiten Frage: Die FIFA beteuert, das Opfer zu sein. Nehmen Sie ihr das ab oder will die FIFA damit davon ablenken, dass sie selbst für ihre eigene Kultur und ihre eigenen Praktiken, die zu diesem Chaos führten, verantwortlich ist?

Unger:
Ich glaube, dass sie die Verantwortung trägt – und das müssen die FIFA-Verantwortlichen immer im Hinterkopf behalten. Doch sie wurde vom US-Justizministerium als Opfer dargestellt und will diese Rolle beibehalten. Denn wenn sie nicht das Opfer ist, dann ist sie selbst der Urheber dieser Korruption. Und sollte das der Fall sein, dann könnte sie letztlich von den Schweizer Behörden dichtgemacht werden. Wenn die FIFA an ihrer Opferrolle festhält, kann sie sich reformieren.

Nun, wird sie sich reformieren? Das ist die nächste Frage. Ist das der erste Schritt in diese Richtung? Die FIFA hat Bestechung eingeräumt – und dass es faule Äpfel innerhalb des Verbandes gab. Das ist ein Schritt hin zu mehr Transparenz. Doch es braucht sehr viel mehr, um das Vertrauen eines jeden zurückzugewinnen. Ich glaube, die Leute werden diese Meldung mit ein wenig Zynismus aufnehmen.

euronews:
Die FIFA hat eingeräumt, dass während Südafrikas Bewerbung für Stimmen Geld gezahlt wurde. Doch was ist mit den letzten Weltmeisterschaften und vor allem den kommenden WM-Turnieren in Russland und Katar? Sollte das der nächste Schritt hin zu vollständiger Transparenz sein? Was kommt als nächstes?

Unger:
In der Schweiz und in den USA laufen Ermittlungen zur Vergabe der jüngsten WM-Turniere. Sobald die Ergebnisse bekannt werden, muss sich die FIFA damit beschäftigen. Die FIFA hat eine eigene Untersuchung durchgeführt – ich glaube, viele Leute vergessen den Garcia-Bericht. Dieser wurde nie veröffentlicht. Wir von Transparency International haben immer gefordert, dass er veröffentlicht wird. Nur eine redigierte und vom Autor angefochtene Version wurde herausgebracht. Es gibt wahrscheinlich viel mehr Informationen über die WM-Bewerbungen. Wenn die Ermittlungen fortgesetzt werden, wird da in Zukunft noch einiges mehr bekannt werden.

euronews:
Wie weit sind wir von der Veröffentlichung des kompletten Garcia-Berichtes entfernt?

Unger:
Da bin ich mir nicht sicher, das wissen wir nicht. Für Gianni Infantino sollte das als Präsident Priorität haben, um Vertrauen zurückzugewinnen. Wir haben da noch nichts gehört. Hoffentlich kommt da bald was.