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Kunst für den Frieden in Jerusalem

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Kunst für den Frieden in Jerusalem

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Der Mahane Yehuda Markt in Jerusalem ist der wichtigste Lebensmittelmarkt in der Stadt. Aber immer seltener kommen Touristen hier her und besuchen

Der Mahane Yehuda Markt in Jerusalem ist der wichtigste Lebensmittelmarkt in der Stadt. Aber immer seltener kommen Touristen hier her und besuchen die zahlreichen Geschäfte, Bars und Restaurants. Wegen der immer neuen Gewalt ist das Geschäft seit vergangenen September um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Künstler wollen dem Markt jetzt neues Leben einhauchen. Eine Gruppe Graffiti-Sprayer gestaltet Portraits auf den nachts geschlossenen Ladenfronten und macht aus der Gegend eine Open-Air-Gallerie. Das Projekt begann vor einem Jahr. Die Händler sagen, die Bilder heben die Atmosphäre und die Stimmung auf dem Markt.

„Am Anfang hatten wir noch keinen genauen Plan“, sagt Berel Hahn, einer der Gründer des Projekts. „Wir haben nur festgestellt, dass die Farbe einen positiven Effekt auf die Menschen hat. Sie lächelten wieder. Dann gab es irgendwann eine Nachfrage nach bestimmten Portraits und die Besucher fragten: Wer ist das? Was hat er für eine Geschichte? Das hat das Ganze auf eine neue Ebene gebracht.“

Das Graffiti-Team malt Persönlichkeiten aus der jüdischen und israelischen Geschichte, aber auch andere historische Figuren, beispielsweise die jüdisch-amerikanische Sängerin Matisyahu, Israels ehemaligen Premierminister David Ben-Gurion oder Sigmund Freud.

“Es verleiht dem Markt Schwung”

“Es geht uns darum, die Besucher zu inspirieren“, sagt Hahn. „Diese Menschen haben die Welt zu einem besseren Ort gemacht oder sie zumindest verändert. Dabei ist es egal, ob ihre Wirkung groß oder klein war. Es gehört zu unserer Kultur, nach dem Besseren zu streben und das Böse in uns zu besiegen, damit wir selbst und die Welt um uns herum besser wird.”

Die Künstler nehmen auch Anregungen auf, die von den Markthändlern oder den Besuchern kommen. Außerdem ziehen sie immer wieder Inspiration aus der Geschichte Jerusalems. „Die Situation des Marktes ist nicht einfach. Wenn sich an der politischen Lage in Jerusalem nichts ändert, wird es für alle schwierig. Ich denke, die Graffiti verleihen dem Ganzen hier etwas Schwung und das ist sehr schön“, sagt Yoav Mizrahi, dem ein kleines Cafe auf dem Markt gehört. Und Ehud Kahana, ein Gemüsehändler, ergänzt: “Es sind schöne Bilder. Es schafft eine positive Atmosphäre im Markt, vor allem vor dem Hintergrund der Sicherheitslage. Schade ist allerdings, dass die Bilder erst am Abend so richtig zu sehen sind, wenn die Läden zumachen. Das ist wirklich schade. “

360 Bilder sind seit dem Beginn des Projekts bereits entstanden. Die Künstler sind sich bewusst, dass ihre Arbeit den Markt nicht zurück in friedlichere Zeiten bringt. Sie suchen jetzt nach Möglichkeiten, dass ihre Graffiti auch am Tag zu sehen sind, so dass die Besucher auch dann wegen der Bilder kommen, wenn die Marktstände noch geöffnet haben.