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Diplomatische Krise um Foltertod eines italienischen Doktoranden bei Kairo: Ägypten schickt Delegation zum EU-Parlament

Der Fall eines in Ägypten ermordeten italienischen Doktoranden wächst sich immer mehr zur Staatsaffäre aus. Um die Wogen zu glätten, hat Ägypten nun

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Diplomatische Krise um Foltertod eines italienischen Doktoranden bei Kairo: Ägypten schickt Delegation zum EU-Parlament

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Der Fall eines in Ägypten ermordeten italienischen Doktoranden wächst sich immer mehr zur Staatsaffäre aus. Um die Wogen zu glätten, hat Ägypten nun eine Delegation zum EU-Parlament in Straßburg geschickt.

Der 28-jährigen Giulio Regeni erforschte unter anderem die ägyptische Gewerkschaftsbewegung. Anfang Februar wurde seine Leiche an der Autobahn zwischen Kairo und Alexandria gefunden. Die italienische Obduktion ergab, dass er heftig gefoltert wurde.

Italien verdächtigt Beamte der ägyptischen Sicherheitskräfte, verantwortlich zu sein, auch weil Augenzeugen von einer Verhaftung berichten. Die Regierung in Kairo jedoch bekräftigt, Regeni sei einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen.

“Italien war seit dem (Beginn der al-Sisi-Regierung am) 30. Juni ein sehr guter Freund für Ägypten”, so Ahmed Said, der die entsandte ägyptische Parlamentsdelegation anführt. “Wenn man logisch denkt, dann fragt man sich doch, warum ägyptische Behörden einen Italiener verletzen würden. Es ist in Ägypten nicht üblich, ausländische Besucher zu foltern.”

In Italien erregt der Fall seit Monaten die Gemüter. Mehrfach forderten Demonstranten eine härtere Haltung ihrer Regierung gegenüber Kairo, viele Touristen meiden Ägypten inzwischen. Die diplomatischen Beziehungen zwischen Italien und Ägypten sind wegen des Falls stark abgekühlt. Auch italienische Abgeordnete des Europaparlaments drohen nun mit Konsequenzen, falls Ägypten nicht mit den Untersuchungen kooperiere.

“Ich fordere die EU-Kommission auf, ihre Beziehungen zu Ägypten zu überdenken, so wie es Italien tut”, so der Abgeordnete Gianni Pittella in Straßburg. “Ägypten ist ein wirtschaftlicher und strategischer Partner für Italien und Europa, aber das bedeutet nicht, dass es sich Ägypten leisten kann, Menschenrechte zu ignorieren.”

Auch die britische Regierung fordert inzwischen eine lückenlose Aufklärung. Regeni war als Doktorand an der Universität Cambridge eingeschrieben.

Die ägyptische Staatsanwaltschaft gibt an, 98 Prozent der italienischen Anfragen in dem Fall nachgekommen zu sein. Mit den Ermittlungsergebnisse der ägyptischen Behörden ist Italien aber nicht zufrieden. Zu unplausibel erschienen die ersten Versionen. Anfänglich war gar von einem Verkehrsunfall die Rede, trotz eindeutiger Spuren von Folter. So waren Regeni unter anderem die Ohren abgeschnitten worden.

Am Samstag wies die ägyptische Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Herausgabe von Handydaten ab, mit denen italienische Ermittler Regenis Bewegungen rekonstruieren wollen. Eine entsprechende Forderung Italiens werde nicht erfüllt, weil sie die Daten von Millionen Handynutzer berühre und die ägyptische Verfassung und Telekommunikationsgesetze verletze, so der stellvertretende Generalstaatsanwalt.