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Tschernobyl - gefährliches Leben in der Sperrzone

Am 26. April ist der 30. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe: Durch eine Reihe von Explosionen verbreitete sich 1986 radioaktiver Staub in der

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Tschernobyl - gefährliches Leben in der Sperrzone

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Am 26. April ist der 30. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe: Durch eine Reihe von Explosionen verbreitete sich 1986 radioaktiver Staub in der Atmosphäre und in ganz Europa. Viele Menschen starben in und um Tschernobyl. In den darauffolgenden Jahren starben weitere Menschen an der Strahlung und den daraus folgenden Krebserkrankungen. Die Region in der Ukraine ist bis heute verstrahlt, aber auch in Weißrussland und Russland lässt sich die Kontamination bis heute nachweisen.

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Außerdem war die Strahlendosis, die die Einwohner von Prypjat 1986 abbekamen, so hoch, dass wir jetzt nicht einmal ein Viertel davon für den Rest unseres Lebens aufnehmen würden.

Führung durch die Geisterstadt

Oleksandr Sirota wohnt nahe der Sperrzone von Tschernobyl. Mit neun Jahren wurde er aus Prypjat evakuiert. Die Stadt wurde nach der Katastrophe am stärksten radioaktiv verstrahlt.

Er nimmt uns mit in die Stadt seiner Kindheit, die nicht weit entfernt liegt. Dort bietet er Führungen für Touristen und Filmteams an.

Er passiert den südlichen Kontrollpunkt der Sperrzone von Tschernobyl und führt uns in verlassene Geisterstraßen, die vor 30 Jahren seine Heimat waren.

“Das ist der zentrale Platz von Prypjat. Vor uns das ist der Kulturpalast. Das war meine zweite Heimat. Meine Mutter arbeitete dort. Und das ist ein Bild der Leninstraße, in der wir gerade stehen. Das Foto wurde vor der Katastrophe aufgenommen”, so der Fremdenführer. “Irgendwo unter diesen Trümmern gibt es einen Eingang zu meinem Klassenzimmer, in dem ich zum Zeitpunkt der Katastrophe lernte. Am 26. April gingen ich und alle meine Klassenkameraden morgens zur Schule, wir wussten nicht, was im Atomkraftwerk passiert war.”

Verstrahlte Sperrzone

Oleksandr wurde erst einen Tag nach der Explosion des Tschernobyl-Reaktors evakuiert. Aufgrund der Strahlenexposition war er 20 Monate im Krankenhaus. Die Region ist immer noch verstrahlt. Es sei besser nicht auf Moos zu treten und keinen Staub aufzuwirbeln.

“Die Gammastrahlung hier ist fünfmal höher als die Norm. Aber das ist der Wert in diesem speziellen Bereich. Das heißt nicht, dass in ganz Prypjat die gleichen Werte herrschen. Einige Plätze sind mehr verstrahlt, einige weniger. Warum ich keine Angst habe? Das hier ist meine Heimat und außerdem war die Strahlendosis, die die Einwohner von Prypjat 1986 abbekamen, so hoch, dass wir jetzt nicht einmal ein Viertel davon für den Rest unseres Lebens aufnehmen würden.”

Leben in der Sperrzone

Auch wenn Prypjat völlig aufgegeben wurde, kehrten einige Leute trotz Verbot und der Verstrahlung in Dörfer innerhalb der Sperrzone zurück.

Ivan Semenyuk ist einer von sechs Einwohnern des Dorfes Parishiv, das sieben Kilometer von der Stadt Tschernobyl entfernt liegt. Er kehrte zwei Jahre nach der Katastrophe in seine Heimat zurück.

Ivan hält Hühner und ein Schwein: Er baut Obst und Gemüse an und isst auch Pilze und Beeren aus den Wäldern.

“Einige Deutsche filmten hier, sie testeten unseren Boden, das Brennholz und die Asche. Sie überprüften alles, und alles war in Ordnung”, so Ivan Semenyuk.

Der Strahlendosimeter von Oleksandr bestätigt Ivans Aussagen. Die Werte entsprechen den gesundheitlichen Normen.

Pilze und Beeren soll man nicht essen

Experten der nationalen Akademie der Wissenschaften aus Kiew haben eine Erklärung dafür: Die Ausbreitung der Radioaktivität war ungleichmäßig, deshalb seien einige Dörfer in der Sperrzone nicht betroffen. Trotzdem sei es nicht 100 Prozent sicher, dort zu leben. Pilze und Beeren aus den Wäldern können stark kontaminiert sein:

“Es ist streng verboten, sie zu essen! Es kann nicht nur die eine Person krankmachen, sondern auch künftige Generationen”, so der Wissenschaftler Yurii Zabulonov.

Pictures from Chernobyl exclusive zone