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Keine neuen Abwertungs-Impulse von der Bank of Japan

Japans Zentralbank öffnet die Geldschleusen trotz Sorgen vor einem Rückfall in die Deflation vorerst nicht noch weiter. Zugleich verschob die Bank

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Keine neuen Abwertungs-Impulse von der Bank of Japan

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Japans Zentralbank öffnet die Geldschleusen trotz Sorgen vor einem Rückfall in die Deflation vorerst nicht noch weiter. Zugleich verschob die Bank von Japan (BoJ) ihr Inflationsziel von zwei Prozent abermals nach hinten und senkte ihre Wachstumserwartungen für die Wirtschaft, so das Ergebnis von zwei Tagen Beratungen. Die abwartende Haltung der BoJ enttäuschte die Märkte: An der Börse stürzte der Nikkei-Index (für 225 führende Werte) um 3,61 Prozent ab. Der Yen wertete zum Dollar stark auf, ein Klotz am Bein für Japans Exportwirtschaft.

Die Bank von Japan versucht, die jahrelange Deflation mit stetig fallenden Preisen dauerhaft zu überwinden und den Wachstumsmotor anzukurbeln.

Anfangs hatte die massive Geldflut der expansiven Abenomics Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe tatsächlich eine Erholung bewirkt und den Yen nach unten gedrückt. Doch dies wird
nun schwieriger, da auch andere Notenbanken wie die EZB ihre Kurse nach unten drücken.

Hinzu kommt, dass der Yen angesichts der Sorgen um China und der
Weltwirtschaft als “sicherer Hafen” gilt und zuletzt wieder aufwertete.

Im Januar führte die BoJ wie zuvor die Europäische Zentralbank (EZB)
Negativzinsen ein, um Geschäftsbanken davon abzuhalten, Geld bei der
Notenbank zu parken, anstatt sie als Kredite für Investitionen zu
vergeben. Doch eine Erholung der Kreditvergabe ist bislang nicht zu
sehen. Man benötige mehr Zeit, die Auswirkungen der
Negativzinspolitik einzuschätzen, sagte BoJ-Chef Haruhiko Kuroda.

Derweil schnallen die verunsicherten Verbraucher in Japan den Gürtel
enger. Die durchschnittlichen Ausgaben der Privathaushalte, die zu 60
Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, verringerten
sich im März um 5,3 Prozent zum Vormonat. Zugleich sanken die
Verbraucherpreise nicht zuletzt auch wegen des Ölpreisverfalls
erstmals seit fünf Monaten wieder, und zwar um 0,3 Prozent im
Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die Regierung weiter mitteilte.

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Die Daten schüren die Sorgen vor einem neuen Rückfall in die
Deflation. Verbraucher und Unternehmen könnten in Erwartung weiter
sinkender Preise Käufe und Investitionen immer mehr verschieben. Dann
könnte der gesamten Wirtschaft eine Abwärtsspirale drohen. Die
Zentralbank sah sich gezwungen, ihr Ziel einer Teuerungsrate von zwei Prozent abermals zu verschieben; hatte sie dies zuletzt für die erste Hälfte des Haushaltsjahres 2017/2018 angepeilt, das am 1. April beginnt, so heißt es jetzt, man wolle dieses Ziel «irgendwann» in dem Haushaltsjahr erreichen.

Zwar habe sich der Trend einer moderaten Erholung der Wirtschaft
trotz schleppender Exporte angesichts der Flaute in China
fortgesetzt. Trotzdem senkte die BoJ ihre Wachstumsprognose für das
laufende Fiskaljahr von 1,5 auf jetzt noch 1,2 Prozent. Im kommenden
Geschäftsjahr dürfte die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt dann
nur noch um 0,1 Prozent statt 0,3 Prozent zulegen, erklärte die BoJ.

Die Daten verdeutlichen nach Ansicht von Ökonomen, dass die
Geldpolitik allein kein dauerhaftes Wachstum generieren kann.

su mit Reuters