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Telekomkonzern SoftBank kauft Chipentwickler ARM - "Internet der Dinge als große Chance "

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Telekomkonzern SoftBank kauft Chipentwickler ARM - "Internet der Dinge als große Chance "

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Nicht mal einen Monat nach dem Brexit-Votum bahnt sich in Großbritannien eine der größten Übernahmen in der europäischen High-Tech-Branche an.

Der japanische Telekomkonzern SoftBank will den Chipentwickler ARM Holdings aus Cambridge für 29 Milliarden Euro kaufen. ARM, dessen Technologie fast in allen Smartphones und Tablets steckt, unter anderem in Geräten von Apple, Samsung und Huawei, empfahl seinen Aktionären die Annahme der Offerte.

Vorstandschef Masayoshi Son, SoftBank:

ARM ist ein Marktführer und die nächste große Paradigmenwechsel, der zum Internet der Dinge, steht an. Ich glaube, dass das Internet der Dinge eine große Chance ist.”

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) ist ein System von miteinander verbundenen EDV-Geräten, mechanischen und digitalen Maschinen, Objekten, Tieren oder Menschen mit eindeutigen Kennungen. Daten werden über ein Netzwerk übertragen, ohne Mensch-zu-Mensch oder Mensch-zu-Computer-Interaktion.

Telekom-Firmen weltweit versuchen, sich als Dienstleister für vernetzte Geräte aller Art neu zu erfinden. Für SoftBank ist es das erste große Investment in der Halbleiterbranche. Dafür hat Firmengründer Son seinen eigentlich geplanten Rückzug aus der Unternehmensspitze abgesagt.

Bei ARM soll die Zahl der Stellen in Großbritannien trotz einer erwarteten Rezession in den kommenden fünf Jahren verdoppelt werden. Das Unternehmen soll von der Börse genommen werden. Allerdings ist das rasante Wachstum in der Smartphone-Branche vorüber. Also sucht das Unternehmen seinerseits nach neuen Wachstumsfeldern. In diesem Jahr kaufte ARM etwa den britischen Bildverarbeitungsspezialisten Apical. Die Firma entwickelt unter anderem Software, mit der Computer Fotos analysieren können.

BRITISCHE REGIERUNG: HERZLICH WILLKOMMEN!

Die britische Regierung wertete die Übernahme als Vertrauensbeweis. “Nur drei Wochen nach dem Referendum zeigt sich, dass Großbritannien bei internationalen Investoren nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat”, sagte der neue Finanzminister Philip Hammond.

“Wir wollen ein sehr starkes Signal senden, dass wir offen für Investoren, die hier ihr Kapital einsetzen möchten, britische Talente zu nutzen, um Weltklasse-Unternehmen aufzubauen – was Softbank mit ARM vorhat. Und sie haben uns klare Zusicherungen für ihr Engagement für die britische Wirtschaft. “

Das schwächere Pfund habe bei der Übernahme keine Rolle gespielt, sagte Son. Das “Brexit”-Votum habe seine Entscheidung nicht beeinflusst.

In nur einem Jahr hat das britische Pfund gegenüber dem japanischen Yen etwa 30 Prozent seines Wertes eingebüßt – Analysten schätzen den Spareffekt beim SoftBank/ARM-Deal auf bis zu 20 Prozent.

Andere, etwa von der National Australia Bank (NAB), rechnen wegen des schwächeren Pfundes nach dem “Brexit”-Votum mit einer Übernahmewelle in Großbritannien. Nick Parsons, NAB-Devisenexperte:

“Das Pfund ist im Zuge des Referendums so stark gefallen – Ich bin sicher, es gibt auch andere Unternehmen rund um die Welt, die zur Zeit mögliche Akquisitionen in Großbritannien durchrechnen. Bei gleichen Rahmenbedignungen sind die Anschaffungskosten wesentlich geringer als noch vor einem Monat.”

Als Profiteure eines schwachen britischen Pfund gelten vor allem die britischen Unternehmen, die weltweit Geschäfte machen und einen Großteil ihrer Umsätze außerhalb Großbritanniens – besser noch außerhalb Europas – erzielen.

ARM – 25 Jahre alt, rund 4.000 Mitarbeiter – hat beim Chipdesign einen Marktanteil von gut 90 Prozent. Das Unternehmen setzte im Geschäftsjahr 2015 rund 1,159 Milliarden Euro um, mehr als 90 Prozent in den USA und in Asien.

Masayoshi Son, Gründer-Chef des japanischen Mobilfunkriesen SoftBank, wagt gern große Einsätze. Als zur Jahrhundertwende die Internet-Blase platzte, verlor er viel Geld. Andererseits hat er früh in den Internet-Pionier Yahoo investiert und damit viel verdient. Vor zehn Jahren kaufte er Vodafone das Japan-Geschäft ab. Die 13,5 Milliarden Euro wurden gut verzinst.

Vor drei Jahren hat sich SoftBank für rund 19,8 Milliarden Euro die Mehrheit am US-Mobilfunker Sprint gesichert -ein riskantes Geschäft: Im Schatten der beiden Giganten AT&T und Verizon Wireless hat Sprint immer noch zu kämpfen, der pfiffige Rivale T-Mobile US punktet mit ausgefallenen Aktionen, SoftBank hat mehr als 90 Milliarden Euro Schulden.

Die Japaner sind zudem am chinesischen Internetkonzern Alibaba beteiligt – Anfang Juni hatte SoftBank einen Teil der Alibaba-Aktien für rund 9 Milliarden Euro verkauft. Masayoshi Son ist nach der Forbes-Magazine-Liste von 2015 mit einem Gesamtvermögen von geschätzt 12,6 Milliarden Euro der zweit-wohlhabendste Mann Japans nach Tadashi Yanai. Wahlspruch: “Ich werde immer jung sein, so will ich denken. Ich mache weiter, bis ich verliere…”

In Tokio wurden SoftBank-Aktien am Montag wegen eines Feiertags nicht gehandelt, in Frankfurt fielen die Papiere um 3,9 Prozent. ARM-Anteilsscheine stiegen gleichzeitig um +37,82 Prozent.

Sigrid Ulrich mit Reuters, dpa

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