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Berufsalltag im Terror: die tägliche Gratwanderung von Journalisten

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Von Euronews
Berufsalltag im Terror: die tägliche Gratwanderung von Journalisten

<p>Terroranschläge, das Dauerthema der vergangengen Tage und Wochen auf europäischen Fernsehsendern. Identität und Fotos der Attentäter, Propagandamaterial, Siegerposen. <br /> Wie berichtet und was gezeigt wird, variiert stark von Medium zu Medium.</p> <h3>Andere Länder, andere Regeln?</h3> <p>In Frankreich und der Schweiz haben nun mehrere Sender entschieden, die Gesichter der Täter zu pixeln. Eine einheitliche Linie gibt es dort wie in Deutschland nicht. </p> <p>In Frankreich wird heiß diskutiert: über Hintergründe, Sicherheitslücken und auch über die Berichterstattung. Braucht man mehr Distanz? Soll man alles zeigen?</p> <h3>Informationsflut oder Rückzug?</h3> <p>Die öffentliche Meinung schwankt zwischen dem Bedürfnis, detailliert informiert zu werden, und dem Wunsch nach Rückzug, um das Geschehene zu verarbeiten und zu trauern. Die Menschen verabscheuen die Taten und ihre Täter. <br /> Heroisiert man diese posthum, wenn man sie auf Bildern zeigt? Könnten sich gar andere gesellschaftliche Außenseiter zu ähnlichen Taten inspiriert fühlen?</p> <h3>Keine posthume Glorifizierung</h3> <p>Medien wie der französische Nachrichtensender <span class="caps">BFM</span>, das Radio Europe 1 und die Tageszeitung Le Monde wollen die Attentäter deshalb nicht mehr zeigen.</p> <p>So erklärte der Le Monde-Chefredakteur Jérôme Fenoglio, man wolle eine Glorifizierung vermeiden.</p> <p>Bei <span class="caps">BFM</span> heißt es: Terroristen und Opfer dürften nicht gleichwertig behandelt werden. </p> <p>Nach Meinung bei der Tageszeitung Le Figaro hingegen ist es notwendig – Zitat – “diskrete und neutrale” Fotos der Täter zu veröffentlichen. </p> <p>France Télévision teilte hingegen mit, man wolle beim Rennen um möglichst große Selbstzensur nicht mitmachen. </p> <h3>Reporter zwischen Information und Sensationsmache</h3> <p>Journalisten wandeln oft auf einem schmalen Grat beim Wunsch, die Zuschauer sehr genau zu informieren. Unvergessen der Fehler eines <span class="caps">BFM</span>-Reporters, der bei einer Live-Schalte das Versteck einer Geisel preisgab.</p> <p>Oder das Interview eines France 2-Journalisten, der einen Mann neben dem Leichnam seiner Frau in Nizza befragte – man entschuldigte sich danach. </p> <h3>Berichterstattung bei euronews</h3> <p>Auch bei euronews wird die Darstellung der Täter kontrovers diskutiert. Basierend auf Fakten will der internationale Nachrichtensender, der in der ganzen Welt gesehen wird, jedoch die Realität möglichst genau abbilden. Euronews glorifiziert keinen Terrorismus, noch bildet er die Ziele der Täter ab. Die Opfer werden mit Respekt behandelt.<br /> Identität und Bilder der Täter sind eine Tatsache, sie sind journalistisch relevant, so die Begründung in Lyon.</p>