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Barenboims West-Eastern Divan Orchestra: Der Nahe Osten in der Musik vereint

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Barenboims West-Eastern Divan Orchestra: Der Nahe Osten in der Musik vereint

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Das West-Eastern Divan Orchestra – unter der Leitung des legendären argentinisch-israelischen Dirigenten Daniel Barenboim. Ein einzigartiges Orchester bei den Salzburger Festspielen.

Gegründet mit dem verstorbenen palästinensischen Gelehrten Edward Said fördert das Orchester den Dialog zwischen den Kulturen durch die Musik. Daniel Barenboim: “Das Publikum hat mir weltweit eine große Anerkennung geschenkt. Ich glaube, dass gibt mir auch eine Verantwortung. Ich habe die Wahl getroffen, diese Verantwortung für das Orchester zu tragen.”

Barenboim betont, dass das Orchester kein Friedensorchester ist, wie es häufig genannt wird. “Es ist sehr schmeichelhaft, dass man sagt: Orchester für den Frieden. Das Orchester wird nicht Frieden bringen. Was das Orchester machen kann, ist zu zeigen, dass es Gleichheit gibt. Niemand fragt in dem Orchester: Welchen Pass hast Du?”

Tyme Khleifi aus der palästinensischen Stadt Ramallah und Perry Tal aus Tel Aviv sitzen seit mehr als sechs Jahren an einem Pult. Perry Tal erzählt: “Maestro Barenboim spricht immer davon, während des Spielens die gleichen Gedanken und Gefühle zu haben. Genau das ist wichtig: diese zwischenmenschlichen Beziehungen und dann denkt man plötzlich: Wow, eigentlich sind unsere Länder ja im Konflikt.”

Tyme spielt schon ihr halbes Leben im Orchester und sagt: “Da passiert schon etwas Magisches, etwas Geheimnisvolles, wenn wir alle gemeinsam auf der Bühne spielen.”

Auf ihrer Sommertournee spielt das Orchester auch epische Werke von Richard Wagner wie die “Tannhäuser”-Ouvertüre. Tyme Khleifi über Wagners Musik: “Das Orchester erzeugt diese Klangwelt, die man sonst nicht so oft in anderer Musik erlebt. Es ist wie eine Hitzewelle, die einen erfasst und es ist auch körperlich intensiv, Wagner zu spielen.”

Obwohl der kontroverse deutsche Komponist in Israel weiterhin tabu ist, war es Barenboim immer ein Anliegen, Wagners Musik aufzuführen. Zum Repertoire des Orchesters gehört der Komponist bereits seit einem Jahrzehnt. Barenboim erinnert sich: “Wir haben Wagner erstmals 2005 im Divan gespielt, und das war auf Wunsch der israelischen Blechbläser, weil Wagner sehr wichtige Musik für das Blech geschrieben hat. Ich habe dann eine Orchestersitzung gemacht, und alle wollten das unbedingt spielen.”

Auch Geigerin Perry Tal ist von Wagner angetan: “Wagner unter Maestro Barenboim spielen zu dürfen, ist für mich das Höchste der Gefühle. Er erweckt diese Musik zum Leben und holt einfach alles aus ihr heraus.”

Maestro Barenboim hofft in Zukunft auch im Nahen Osten auftreten zu können: “Ich finde, das Orchester ist ein Mythos geworden. Wenn man bedenkt, wir haben in dem Orchester, libanesische, syrische, jordanische, ägyptische, palästinensische, israelische, iranische Musiker und wir können in keinem dieser Länder spielen, das finde ich traurig. Es wird bestimmt eines Tages möglich sein, ob ich noch da bin, weiß ich nicht, aber ich hoffe es.”

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