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Kasachstans langer Kampf für eine atomwaffenfreie Welt

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Kasachstans langer Kampf für eine atomwaffenfreie Welt

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Eine nuklearwaffenfreie Welt: eine vergebliche Hoffnung? Kasachstan will auf dem Weg dorthin Vorreiter sein. In dem Land hielt die Sowjetunion über Jahre Atomtests ab. Unter den Folgen leiden die Menschen noch heute.

Das Semipalatinsk-Testgelände in Kasachstan wurde am 29. August 1991 geschlossen. Später erklärten die Vereinten Nationen den 29. August auf Betreiben Kasachstans zum Internationalen Tag gegen Atomwaffentests. Zum 25. Jahrestag der Schließung fand in der Hauptstadt Astana eine internationale Konferenz statt – für eine nuklearwaffenfreie Welt. Langzeitpräsident Nursultan Nasarbajew warnt: “Die Herausforderung ist: Wenn ein Atomkrieg geführt und alles zerstört würde, wäre das die Apokalypse. Ich glaube, keiner auf der Welt wird dem widersprechen. Deshalb sind wir optimistisch. Optimistisch, weil die Menschen leben möchten, ihre Kinder und Enkel großziehen wollen und keinen Atomkrieg wollen. Deshalb zielen solche Konferenzen und unsere Vorstöße darauf ab, jedem Menschen auf diesem Planeten die Gefahr bewusst zu machen.”

Krebs, Missbildungen: 1,5 Millionen Kasachen leiden unter Spätfolgen

Ebenfalls an einem 29. August, im Jahr 1949, zündete die UdSSR ihre erste Atombombe in Semipalatinsk. Es folgten über 450 weitere Tests. Die älteren Kasachen erzählen, sie seien sogar ermutigt worden, draußen zuzuschauen. Nach Bürgerprotesten Ende der achtziger Jahre schloss Präsident Nasarbajew 1991, kurz vor der Unabhängigkeitserklärung, den Standort endgültig. Unter den Folgen der Verseuchung leiden etwa 1,5 Millionen Kasachen: Krebs und Missbildungen über Generationen.

Atommächte halten an Tests fest

Atomtests gibt es weiterhin, andernorts. Da sind auch die Vereinten Nationen machtlos, klagt Michael Møller, UN-Generaldirektor in Genf: “Es ist eine Herausforderung in der heutigen zersplitterten Welt, in der die Atommächte die Kernwaffen als sehr wichtigen Bestandteil ihrer Verteidungsstrategie ansehen. Sie wollen zu diesem Zeitpunkt der Geschichte nicht über nukleare Abrüstung reden, aber ich denke, dass wir alle in der Verantwortung stehen, das einzufordern – und das tun wir auch.”

Nicht nur die Konferenzteilnehmer in Astana – Politiker und Militärexperten – sorgen sich außerdem, dass Terroristen die Nuklearwaffen nutzen. Eine bessere Sicherung wird gefordert. Der französische Luftwaffenveteran General Bernard Norlain meint: “Zweifellos wird man keine veritable Atomexplosion zu befürchten haben, aber das Risiko für nukleare Zwischenfälle und Unfälle wird es geben, und deshalb besteht große Gefahr. Aus diesem Grund gibt es solch eine Konferenz hier in Astana, die nicht nur die weltweite Abrüstung fördern soll, sondern zunächst einmal Maßnahmen, die die Risiken von Atomunfällen und Nuklear-Terrorismus eingrenzen sollen.”

Die Astana-Vision, das Abschlussdokument der Konferenz, fordert unter anderem, kernwaffenfreie Zonen im Nahen Osten, Nordostasien und Europa einzurichten.

ATOM-Projekt zeigt schonungslos die Folgen für den Menschen

Kasachstan hat außerdem das ATOM-Projekt gestartet, um die Welt zum Thema Langzeitfolgen wachzurütteln. Karipbek Kuyukov wurde ohne Arme geboren, nachdem seine Eltern der radioaktiven Strahlung ausgesetzt waren. Er brachte sich das Malen mit Mund und Füßen bei und kämpft heute als Künstler und Ehrenbotschafter des ATOM-Projekts für eine nuklearwaffenfreie Welt: “In meinem ganzen Leben habe ich das Vertrauen nicht verloren. Das Vertrauen in das, was ich tue. Vertrauen ist der halbe Kampf. Ich möchte es in die ganze Welt hinausschreien: Wacht auf, stopp! Terroristen sollten Atomwaffen nicht in die Hände bekommen. Wir sind für vollständige nukleare Abrüstung!”

Wie politisch umstritten es sonst ist: Kasachstan, einst eines der größten Atomwaffenlager der Welt, ist heute kernwaffenfrei. Für das weltweite Abrüsten wird es noch viel Überzeugungskraft brauchen.

Mehr dazu beim Parlamentarischen Netzwerk für Nukleare Abrüstung und Nichtverbreitung (PNND)

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