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Jemen, Schauplatz eines vergessenen Krieges

Im Land tobt ein Stellvertreterkrieg von zwei regionalen Großmächten.

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Jemen, Schauplatz eines vergessenen Krieges

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Im Südwesten des Jemens hat es einen weiteren Anschlag gegeben. In Taizz fanden zehn Menschen den Tod, unter ihnen sechs Kinder. Raketen schlugen auf einem viel besuchten Markt ein. Das UNHCHR schreibt den Anschlag den schiitischen Huthi-Kämpfern zu.

Meinung

Wir haben eine Hungerkrise abwenden können, von Entwarnung kann keine Rede sein.

Stephen O'Brien Sekretär für humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen

Der Jemen steckt in einem Bürgerkrieg.
In den vergangenen anderthalb Jahren sollen dort bis zu 6.000 Menschen getötet worden sein, die meisten von ihnen Zivilisten.
Es stehen sich Huthi-Rebellen aus dem Norden des Landes und Regierungstruppen von Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi gegenüber. Letzterer befindet sich derzeit in Saudi-Arabien im Exil.

Anfänge des Bürgerkrieg

Alles begann hier wie andernorts mit dem arabischen Frühling:
Ali Abdullah Salih war seit 1978 Präsident des Nordjemens. 1990 blieb er an der Spitze des wiedervereinigten Landes.

Während des arabischen Frühlings musste er 2011 seinen Posten räumen.

Sein bisheriger Stellvertreter Abed Rabbo Mansur Hadi wurde 2012 zum neuen Präsidenten gewählt. Die Wahl wurde von der internationalen Gemeinschaft anerkannt.

Im September 2014 eroberten Huthi-Rebellen die Hauptstadt Sanaa und halten diese seitdem besetzt.

Im März 2015 floh Präsident Hadi ins sunnitische Saudi-Arabien, Erzfeinde des früheren Präsidenten. Salih und seine Truppen werden seitdem von den schiitischen Huthi-Rebellen unterstützt.

Weder monatelange Verhandlungen unter Leitung der Vereinten Nationen, noch die Intervention einer arabischen Koalition unter saudischer Führung konnten den Konflikt bisher beenden. Er scheint sogar an Schärfe zuzunehmen. So berichtet Ärzte ohne Grenzen von Angriffen auf Krankenhäuser im Jemen.

Stellvertreterkrieg

Seit März 2015 bombardiert die saudische Luftwaffe die Rebellenbasen. Doch was im Jemen passiert, ist ein Stellvertreterkrieg. Zwei Großmächte ringen um ihren Einflussbereich: Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran.
Saudi-Arabien unterstützt den “neuen” Präsidenten Hadi, während der Iran an Salih und den Huthis festhält. Das ist die Version aus Riad.

Eine friedliche Lösung des Konflikts scheint weiter entfernt denn je. Die Huthi-Rebellen organisieren sich mittlerweile politisch, so wurde ein eigener Ministerpräsident ernannt.

Humanitäre Hilfe

An diesem Montag sagte Stephen O’Brien, der Sekretär für humanitäre Hilfe der Vereinten Nationen, “wir haben abwenden können, was sonst in eine Hungerkrise ausgeartet wäre. Doch wir können keine Entwarnung geben. Wir brauchen weitere Unterstützung auf allen Ebenen, egal ob in Sanaa oder anderswo im Land. Wir appellieren an die Behörden, uns keine Hindernisse in den Weg zu legen und uns zu vertrauen.”

Laut UN sind 80% der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen. Nach Angaben von UNICEF brauchen drei Millionen Menschen umgehend Nahrung. Anderthalb Millionen Kinder litten schon vor dem Krieg an Unterernährung. Der Jemen zählt zu den ärmsten Staaten der Welt.