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Geschäftsmann: "Ich habe Sarkozy Wahlkampfgeld von Gaddafi gebracht"

Gegenwind für Nicolas Sarkozy und seine Ambitionen, erneut Präsident Frankreichs zu werden.

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Geschäftsmann: "Ich habe Sarkozy Wahlkampfgeld von Gaddafi gebracht"

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Gegenwind für Nicolas Sarkozy und seine Ambitionen, erneut Präsident Frankreichs zu werden. Seinen Wahlkampf 2007 soll Sarkozy bekanntlich mit Geld des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi finanziert haben. Den Vorwurfe hatte unter anderem der franko-libanesische Geschäftsmann Ziad Takieddine schon vor einiger Zeit erhoben, jetzt setzte Takieddine noch einen drauf: Er selbst habe Sarkozy und dessen damaligem Kabinettschef Teile des Geldes überreicht, sagte er der französischen Online-Zeitung Mediapart.

Takkiedine war unter anderem Waffenhändler und fädelte Verkäufe zwischen Frankreich und Libyen ein. Jetzt sagte er der Zeitung: “Im November 2006 stieg ich mit dem Geldkoffer aus dem Auto und ging zum Haupteingang hinein. Ich sagte meinen Namen, und da ich wusste, dass ich erwartet wurde, hing ich direkt hinein zu Herrn Guéant.” “Im Januar 2007 wurde ich direkt in den ersten Stock gebracht und habe dort Herrn Sarkozy persönlich getroffen. Ich habe den Geldkoffer abgestellt, und Sarkozy hat das gesehen.”

Zwischen Ende 2006 und Januar 2007 also will Takieddine eigenen Angaben zufolge zwei aus Libyen stammende Koffer an Claude Guéant, den Ex-Kabinettschef, übergeben haben, einen dritten Koffer an Sarkozy persönlich, der damals Innenminister war. Insgesamt habe es sich um 5 Mio. Euro gehandelt.

Fabrice Arfi ist Redakteur bei Mediapart. Gegenüber euronews sagte er zu den neuen Enthüllungen: “Ich bin überzeugt, dass die Aussage Ziad Takieddines sowohl in journalistischer als auch rechtlicher Hinsicht von großer Bedeutung ist. Die Ermittlungen laufen. Die strafrechtlichen Untersuchungen zu möglichen Finanzierungen aus Libyen begannen im April 2013. Drei Jahre später hat die Justiz eine beträchtliche Anzahl an Dokumenten und Zeugenaussagen angesammelt. Und was wir jetzt aufdecken und dokumentieren, ist möglicherweise ein Fall von Korruption, der den Skandal um Libyen zu einem der schwerwiegendsten Skandale der 5. Republik macht.”

Die Vorwürfe gegen Sarkozy stehen also seit langem im Raum, es wird ermittelt. Im September erst hatte Mediapart Aufzeichnungen des früheren libyschen Ölministers Shoukri Ghanem veröffentlicht, in denen von einer Überweisung von 6,5 Millionen Euro an Sarkozy die Rede ist.

Und im März 2011 sagte auch Gaddafis Sohn Saif al-Islam al-Gaddafi gegenüber euronews, Sarkozy habe Geld aus Libyen erhalten. Er müsse das Geld zurückzahlen, forderte Saif al-Gaddafi und verwies auf Dokumente, die die Finanzierungen beweisen sollten. Wenige Tage nach dem Interview begann am 19. März 2011 die Opération Harmattan, die französische Beteiligung am internationalen Militäreinsatz in Libyen also. Sarkozy war damals französischer Präsident.

Interview Saif al-Islam al-Gaddafis mit euronews

Sarkozy ist unter Druck. Bisher hat er sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Sie Ex-Kabinettschef Guéant wies sie bereits zurück, von Sarkozy bislang nur Stille. Ob er tatsächlich kandidieren kann, ist ungewiss. In den Umfragen liegt er deutlich hinter dem derzeitigen Favoriten, Ex-Regierungschef Alain Juppé.

Interview Takkieddines mit Mediapart (Französisch)