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Nach Hyperinflation und Währungsreform - Simbabwe probiert "Zombie-Währung"


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Nach Hyperinflation und Währungsreform - Simbabwe probiert "Zombie-Währung"

Simbabwe hat wegen anhaltender Bargeldknappheit
mit der Ausgabe von Schuldscheinen als Parallelwährung begonnen. Kritiker befürchten, dass dies zu einer Wiederkehr der galoppierenden
Inflation (bis zu 11 Prozent pro Tag Mitte 2008) führen könnte, die den Binnenstaat im südlichen Afrika 2008 an den Rand des Abgrunds gebracht hatte.

Die Zentralbank begann, Schuldscheine im Wert von 10 Millionen US-Dollar (9.4 Millionen Euro) in Umlauf zu bringen, vom Finanznachrichtendienst “Bloomberg” als “Zombie-Währung” apostrophiert. Das Gesamtvolumen soll sukzessive auf 200 Millionen Dollar (189 Millionen Euro) erhöht werden.

DER MANN AUF DER STRAßE FÜRCHTET UNRUHE

Martin Chamauya, Harare:

“Dieses Geld sollte von allen akzeptiert werden, weil es von der Regierung kommt. Wer es ablehnt, ist eindeutig Regierungs-Gegner und sollte der Polizei gemeldet werden.”

Ein anderer Passant:

“Wir brauchen dieses Anleihe-Geld nicht, das ist Raub an den Simbabwern am hellichten Tag. Was mit dem Zim-Dollar passiert ist, genau das wird mit diesen Anleihe-Noten passieren. Man hat uns das echte Geld gestohlen.”

Der Simbabwe-Dollar wurde eingeführt, nachdem 1980 eine schwarze Mehrheitsregierung an die Macht gekommen war. Nach einer Hyperinflation – Anfang 2009 gab die Zentralbank Banknoten mit Nennwerten bis 100 Billionen Simbabwe-Dollar aus – wurde seine Funktion als gesetzliches Zahlungsmittel am 12. April 2009 für mindestens ein Jahr ausgesetzt, da er im Zahlungsverkehr faktisch von ausländischen Währungen verdrängt worden war. Im Juli stellte der Banknoten- und Wertpapierdrucker Giesecke und Devrient, München, auf Druck der deutschen Bundesregierung die Lieferung von vorbedruckten Banknotenpapierbögen an die simbabwische Zentralbank ein.

Stattdessen wurden im Januar 2009 mehrere ausländische Zahlungsmittel zugelassen, darunter US-Dollar und Südafrikanischer Rand. Auch britische Pfund werden akzeptiert. Der Renminbi wurde 2015 ebenfalls offizielles Zahlungsmittel, nachdem China 38 Millionen Euro Schulden erlassen hatte.

Am 1. Oktober 2015 wurde der Simbabwe-Dollar offiziell abgeschafft.

Die Zentralbank hatte die Einführung der Schuldscheine im September angekündigt. Die Scheine im Wert von zwei und fünf Dollar können – so die Zusage – eins zu eins gegen US-Dollar eingetauscht werden.

Das Land wird von Robert Mugabe diktatorisch regiert, der 1980 zum Premierminister und 1987 zum Präsidenten gewählt wurde. In Simbabwe sind Hunger, Arbeitslosigkeit, Energieknappheit und Binnenflucht weit verbreitet. Im Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen nahm Simbabwe 2014 unter 188 Ländern den 155. Platz ein. In der Rangliste des Happy Planet Index der New Economics Foundation in Zusammenarbeit mit Friends of the Earth belegte Simbabwe in zwei aufeinander folgenden Studien in den Jahren 2006 und 2009 weltweit den letzten Platz.

su mit dpa

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