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"Yes we did!" Wirklich? Hat Obama seine Verprechen gehalten?


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"Yes we did!" Wirklich? Hat Obama seine Verprechen gehalten?

Yes we can!

In seiner letzten Rede als Präsident bemühte Barack Obama noch einmal den Wahlspruch, mit dem er 2008 zum ersten Mal den Einzug ins Weiße Haus schaffte. Seine Anhänger in Chicago forderte Obama auf, sich auch in Zukunft für Werte einzusetzen und jeder Diskriminierung eine Absage zu erteilen.
Er sagte, “die Demokratie nimmt schaden, wenn wir uns von Angst leiten lassen. Deshalb habe ich in den vergangenen acht Jahren an einer besseren rechtlichen Grundlage gearbeitet, um Terrorismus zu bekämpfen. Deshalb haben wir die Folterungen beendet, wir haben die Schließung Guantanamos vorangebracht und unsere Gesetze reformiert, um Privatsphäre und Bürgerrechte zu schützen.”

Obama verwies erneut auf die Bilanz seiner beiden Mandate:
“Die Arbeitslosenquote ist fast so tief wie seit zehn Jahren nicht mehr. Noch nie waren so wenige Leute nicht krankenversichert. Die Kosten des Gesundheitswesens sind seit 50 Jahren noch nie so gering gestiegen. Falls mir jemand einen besseren Plan für das Gesundheitswesen zeigt, der genau so viele Menschen abdeckt und weniger kostet als unsere Verbesserungen, dann werde ich ihn öffentlich unterstützen.”

Seinem Stellvertreter dankte er begleitet von großem Applaus:
“Joe Biden, du warst meine erste Personalentscheidung, und es hat sich als die beste herausgestellt.”

Doch noch größeren Applaus erntete Obama, als er auf die First Lady zu sprechen kam:
“Michelle, du hast eine Rolle übernommen, um die du nicht gebeten hast. Du hast sie dir zu eigen gemacht und sie mit Anmut, Entschlossenheit, Stil und gutem Humor ausgefüllt. Du hast mich und unser Land stolz gemacht.” Während dieser Worte musste der scheidende US-Präsident zum Taschentuch greifen.

Dann der Dank an die Anwesenden: Obama sagte, “es war mir eine große Ehre, euch zu dienen. Und das werde ich auch weitertun: Als US-Bürger werde ich bis ans Ende meiner Tage an eurer Seite stehen. Ich rufe euch auf, nicht an meine Politik der Veränderungen, sondern an euren eigenen Handlungsspielraum zu glauben: Yes We Can. Yes We Did.

Yes we did! Did we?

euronews Korrespondent Stefan Grobe analysiert die Abschlussrede und die Bilanz Barack Obamas nach zwei Amtszeiten.

Nial O’Reilly, euronews:
“Barack Obama hielt eine emotionale und fesselnde Rede. Darüber spreche ich mit unserem Korrespondenten in Washington, Stefan Grobe.
Es sollte eine historische Rede werden in der Stadt, in der alles für Obama losging. “Yes we can”, sagte er und fügte hinzu “Yes we did”. Stimmt das? Hat er seine Versprechen tatsächlich gehalten? Wie schneidet er bei den Menschen in den USA ab?”

Stefan Grobe, euronews:
“Das ist derzeit schwer zu sagen, Nial. Scheidende Präsidenten werden normalerweise viele Jahre nach ihrer Amtszeit besser beurteilt. Vor seinen Anhängern hat Barack Obama eine sehr emotionale Rede gehalten. Das war ein guter Schachzug.
Das hat vor ihm kein anderer Präsident in der Geschichte der USA getan. Die letzten Präsidenten der Neuzeit hielten ihre Abschlussrede im Weißen Haus, abgegrenzt von der Öffentlichkeit, die Reden wurden dann im Fernsehen übertragen.
Barack Obama hingegen trat vor 20.000 enthusiastische Anhänger, denn er wollte mit Sicherheit die “Yes we can”-Stimmung heraufbeschwören. Er rief die Anwesenden auf, sich weiter zu engagieren und Politik mitzugestalten, und natürlich war das Balsam für die demokratische Wählerschaft, die immer noch nicht über die unerwartete Niederlage vom November hinweg ist.”

O’Reilly, euronews:
“In der Außenpolitik mag Obama auf den Atomdeal mit dem Iran und die diplomatischen Annäherungen mit Kuba verweisen, aber Kritiker werfen ihm Versagen auf anderen Gebieten wie Syrien vor.”

Grobe, euronews:
“Das sieht Obama völlig anders. In einem Interview vor einem Monat sagte er, am meisten stolz sei er auf seine Entscheidung, sich aus dem syrischen Bürgerkrieg herausgehalten und keine US-Truppen dorthin geschickt zu haben. Auch von seinen anderen Maßnahmen in Nahost ist er überzeugt, etwa dem Truppenabzug aus Afghanistan und dem Irak. Konflikte, die er von seinem Vorgänger erbte und für die die USA Milliarden Dollar ausgaben ohne wirkliche Erfolge zu erzielen. Wird er dafür in den Geschichtsbüchern gelobt werden? Das wird sich noch herausstellen und muss mit der künftigen US-Politik verglichen werden.”

O’Reilly, euronews:
“Beschuldigungen, wonach der Kreml in die US-Politik eingreift, vor allem wenn es um Trump geht, rücken die US-Demokratie ins Rampenlicht wie noch nie zuvor. Wie sehr schadet das dem amerikanischen Ansehen in der Welt und wie sehr untergräbt es den Glauben der Amerikaner in ihre Demokratie?”

Grobe, euronews:
“Eine gute Frage. Das kann man jetzt noch nicht sagen. Das Problem mit den durchgesickerten Informationen ist, dass es sich nicht beweisen lässt. Trumps Problem ist: Viele Menschen wären nicht überrascht, sollte sich der Verdacht bewahrheiten, denn Trump hat einen unvorhersehbaren Charakter, er verhält sich oft unberechenbar. Bisher weist Trumps Übergangsteam die Beschuldigungen von sich. Eins ist wohl sicher: Das Problem mit Russland, das Trump nun hat, wird nicht einfach verschwinden, sobald er den Amtseid geleistet hat. Es kann nur größer werden.”

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