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Angst vorm Brexit? Der britische Modemarkt reagiert gelassen

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Angst vorm Brexit? Der britische Modemarkt reagiert gelassen

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Einen Überblick über aktuelle Trends und die Stimmung gab die jüngste Modefachmesse "Pure London". Von Brexit-Panik keine Spur...

Bunt, extravagant und multikulturell, so kennen wir den britischen Modemarkt. Einen Überblick über aktuelle Trends und die Stimmung seit der Brexit-Abstimmung gab die jüngste Fachmesse “Pure London” mit über 600 Marken. Darunter auch die drei Labels der aus China stammenden Designerin Maggie Song, die seit 13 Jahren in Großbritannien arbeitet, ihre Produkte aber in China produzieren lässt. Vom Ja zum Brexit erfuhr sie auf Geschäftsreise in Peking.

Meinung

Der britische Markt ist elastisch und einfach immer offen für neue Ideen oder Marken. Das macht ihn so anziehend für uns.

Ece Kavran Designerin

Maggie Song: “Ich war total geschockt, ich konnte weder sprechen noch denken. Ich warf einen Blick auf die Wechselkurse im Internet und sah, wie das Pfund dem Dollar gegenüber dramatisch abstürzte. Mir war sofort klar, dass es kleine Unternehmen schwer haben würden.”

Chance für internationale Marken

Maggie Song stellt sich auf niedrigere Gewinnspannen infolge des Brexits ein. Doch nicht für alle Modeunternehmer ist das schwächere Pfund von Nachteil, meint die Direktorin der Modemesse, Julie Driscoll. “Der Wechselkurs macht es internationalen Marken sehr einfach, auf den britischen Markt zu stoßen. Wir sehen diesmal mehr internationale Firmen denn je, die herkommen, um ihre Marktchancen zu erkunden. Dies ist die bislang größte Ausgabe der Pure London.”

Die französische Schmuckdesignerin Chloé Chenu aus Lyon zum Beispiel nahm zum ersten Mal an der Londoner Modemesse teil mit der festen Absicht, auf dem britischen Markt Fuß zu fassen. Pas Si Sages Bijoux heißt ihre Marke – nicht ganz so braver Schmuck.

Chloé Chenu: “London ist nach wie vor der wichtigste Modestandort der Welt, auch nach dem Brexit. Daran wird sich nichts ändern. Wir kommen immer noch her, um unsere Produkte zu verkaufen. Die Briten sind immer noch exzentrisch und verrückt nach französischen Produkten.”

London gilt immer noch als Mode-Eldorado findet Ece Kavran aus Istanbul. Originelle, handgemachte Designideen stießen viel einfacher auf Interesse und potenzielle Käufer, als beispielsweise in Frankreich oder Italien, was womöglich an der offenen Grundhaltung liege.

Ece Kavran: “Der britische Markt ist elastisch und einfach immer offen für neue Ideen oder Marken. Das macht England so anziehend für uns.”

Abwarten und Tee trinken

Von Brexit-Panik ist in der britischen Modebranche keine Spur. Mode aus Großbritannien stehe im internationalen Vergleich gut da, sagt die Herausgeberin der Fachzeitschrift “Drapers” Keely Stocker. Sie empfiehlt den einheimischen Marken das berühmte britische Phlegma: abwarten und Tee trinken.

Keely Stocker: “Es ist auf jeden Fall eine schwierige Zeit, vor allem wegen der Unsicherheit. Damit werden vor allem die gut zurechtkommen, die sich auf ihre Kunden und ihre Produkte konzentrieren und einfach weiter machen, bis wir endlich wissen, was der Brexit wirklich bedeutet.”

Die britische Textilndustrie wiegt umgerechnet 58 Milliarden Euro pro Jahr und ist die zweitgrößte Konsumgüterbranche nach der Lebensmittelindustrie. Großbritannien gehört zu den internationalen Marktführen,
was den Online-Handel mit Mode betrifft.

Da bleibt genug Platz für Nischen, findet Bilguun Brower, der mongolische Wollprodukte verkauft. Genau das richtige bei trübem Wetter und Regen. Das wird es auch nach dem Brexit ganz bestimmt noch geben.