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Kraft Heinz verliert Appetit auf Unilever

Der amerikanische Ketchup- und Lebensmittel-Gigant Kraft Heinz hat sein 135 Milliarden Euro schweres Angebot für den britisch-niederländischen Konsumgüter-Riesen Unilever…

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Kraft Heinz verliert Appetit auf Unilever

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Der amerikanische Ketchup- und Lebensmittel-Gigant Kraft Heinz hat sein 135 Milliarden Euro schweres Angebot für den britisch-niederländischen Konsumgüter-Riesen Unilever zurückgezogen. Entstanden wäre ein Konzern, etwa genauso umsatzstark wie der Schweizer Weltmarktführer Nestle (84 Milliarden Euro).

Nach Medienberichten (“Financial Times”) hatte die britische Premierministerin Theresa May die Behörden angewiesen, zu prüfen, ob eine Übernahme britische Wirtschaftsinteressen gefährden könne.

Jasper Lawler, London Capital Group, London:

“Politik spielt da sicher auch eine Rolle.
Ein paar wichtige Regierungsminister in Großbritannien waren ganz offen dagegen. Mit Kraft gibt es da eine Vorgeschichte in Großbritannien. Sie haben vor einigen Jahren Cadbury übernommen – mit der Zusage, britische Jobs zu erhalten. ´Die wurde abrupt gebrochen, nicht lange nach dem Deal. “

Laut «Wall Street Journal» (WSJ) hatte Unilever-Chef Paul Polman auch den Verwaltungsrat und große Investoren gegen Kraft Heinz in Stellung gebracht. Das «WSJ» schreibt in seiner
Online-Ausgabe unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen,
Polman habe vor dem «Kostensenkungs-Ethos» der Amerikaner gewarnt,
das die Unilever-Marken beschädigen könnte.

Laut Kraft-Sprecher Michael Mullen waren die Übernahmepläne sehr früh bekanntgeworden.
Daraufhin war Kraft durch die britischen Übernahmeregeln zu einer Bekanntmachung gezwungen. Unilever hatte die Offerte des deutlich kleineren Rivalen umgehend als zu niedrig zurückgewiesen. Die Aktien von Unilever stürzen an der Londoner Börse um knapp acht Prozent ab, nachdem sie nach der Kraft-Offerte um rund 15 Prozent nach oben gesprungen waren.

Als treibende Kräfte des Kaufvorhabens wurden Investoren vermutet, die die US-Lebensmittelbranche bereits seit Jahren aufmischen. Hinter Kraft stehen der Milliardär Warren Buffett mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway und die brasilianische Private-Equity-Gesellschaft 3G Capital.

su mit dpa, Reuters