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Smart Cities: Das Konzept der Zukunft?


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Smart Cities: Das Konzept der Zukunft?

Hektische Betriebsamkeit und ausufernde Städte sind für zwei Drittel der Europäer Alltag. Der Zuzug in die Wirtschaftsmetropolen aufgrund ihrer beruflichen Möglichkeiten schafft gleichzeitig auch Probleme – bei Wohnverhältnissen, Verkehr, Umweltverschmutzung. Rund 80 Prozent der Energie in Europa werden von der Stadtbevölkerung verbraucht. Diese erwirtschaftet andererseits rund 85 Prozent des Bruttoinlandsproduktes unseres Kontinents. Da die Stadtbevölkerung sich laut den Prognosen bis 2050 verdoppeln wird, lohnt es, sich über das Konzept der Smart City als ein Lösungsansatz Gedanken zu machen.

Was ist eine Smart City?

So wie wir im Alltag Punkt für Punkt verknüpfen – aufwachen, zur Arbeit gehen, Familie und Freunde sehen, schlafen – so verknüpft auch die Smart City diese Punkte: Sie schafft die Verbindungen in der Gesellschaft durch Information und Kommunikation.

Damit wir wissen, wann der nächste Bus für unsere Fahrt zur Arbeit kommt, damit wir Staus vermeiden können oder leichter einen Parkplatz finden. Sensoren schalten die Straßenbeleuchtung an, benachrichtigen im Notfall Rettungskräfte oder schlagen Alarm, wenn schnell auf hohe Luftverschmutzung reagiert werden muss. Mülltonnen melden, wann sie geleert werden müssen.



Smart Cities schaffen für all die Elemente des Alltags – Müll, Verkehr, Energie – eine digitale Plattform, über die Bürger, Unternehmen und Verwaltung besser miteinander leben und kommunizieren können. Damit die wachsende Stadt energieeffizienter, umweltfreundlicher und interaktiver wird. Soweit der Datenaustausch Datenschützern nicht zu weit geht…

Waren es bisher Großstädte wie Barcelona oder Amsterdam, beginnen auch mittelgroße Städte, sich für das Konzept der Smart City zu interessieren. Die meisten Smart Cities finden sich heute in Großbritannien, Spanien und Italien.



Stadtentwicklung ist einer der Kernpunkte im Plan der EU für 2020. Ein bedeutender Teil des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung soll nun Smart Cities fördern. Die Idee dahinter: Kleinere Städte haben es seit der Krise schwer, Geld zu beschaffen für die Modernisierung ihrer Infrastruktur, damit diese den Ansprüchen einer Smart City gerecht wird.


Beispiel Valencia


Valencia in Spanien wandelt sich seit 2012 zur Smart City um. Angebote wie AppValenica liefern den Bürgern nützliche Echtzeit-Informationen über Busse, verfügbare Leihfahrräder, über das Neueste aus der Stadt oder Rechnungen, die online bezahlt werden können. All das auf einer Plattform, die Echtzeit-Indikatoren nutzt. Eine Premiere in Spanien.

Rafael Monterde-Díaz vom Stadtrat Valencia: “Es ist eine horizontale Plattform in dem Sinne, dass sie versucht, alle Informationen von unseren verschiedenen Dienststellen zu verwenden, sowie auch externe Informationen von Unternehmen und Bürgern. Der private Sektor kann Apps und Lösungen entwickeln, die uns als Stadt für dieses Angebot dienen, ihm aber zusätzlich auch mehr Rentabilität bringen.”



Für Valencias Umwandlung in eine Smart City und die generelle Strategie für intelligentes Wachstum wurden für den Zeitraum 2014-2020 rund 1,4 Milliarden Euro eingeplant. Gut die Hälfte kommt aus dem Europäischen Struktur- und Investitionsfonds. Ein Beispiel, wie die Smart City den Anwohnern das Leben erleichtern soll, ist die Verkehrssteuerung. Monterde-Díaz: “Im Prinzip haben wir in Echtzeit die Kontrolle über alles, was auf den Hauptachsen der Stadt abläuft. Die Kontrolle über die Ampeln, deren Frequenz geändert werden kann, um zum Beispiel bei Bedarf Notfallgassen zu schaffen oder einen Verkehrskollaps zu verhindern. Dank der Smart-City-Strategie wissen wir viel mehr über die Hilfsmittel, die wir in der Stadt täglich nutzen: Parkplätze, Straßenbeleuchtung, Mülltonnen. Sie sind alle schon da, aber jetzt müssen sie mit uns reden. Wir müssen sie mit Sensoren ausstatten und via Internet werden wir dann besser über sie informiert und können sie viel effizienter bewirtschaften.”



Das System soll die Luftverschmutzung verringern. Auch die Kosten für die städtische Grundversorgung wie Abfallentsorgung, Wasser und Strom sollen durch smarte Bewirtschaftung sinken. Die spanische Regierung hat die Mittel für einige ausgewählte Projekte noch einmal aufgestockt, Valencia erhält sechs Millionen Euro mehr. Gewinner sind dabei auch die Telekommunikationsunternehmen, die Infrastruktur und Dienste stellen, wie Telefónica. Regionalmanager Kim Faura: “In der Geschäftswelt interessieren wir uns heute für alles, was mit dem Internet der Dinge zusammenhängt, darunter auch die Smart City. Wir haben alle in unserer Tasche einen Sensor, einen Sensor, der viele Informationen liefert – nämlich unser Smartphone. Es heißt, dass im Jahr 2020 mehr als 50 Milliarden Dinge mit dem Internet verknüpft sein werden.”


Bürger zur “Innovationsgesellschaft” erziehen


Eine kohärente Strategie und Vertrauen der Bürger sind Dreh- und Angelpunkte für eine Smart City.

Ximo Puig, Präsident der Autonomen Gemeinschaft Valencia: “Wir hatten eine sehr schwierige Ausgangslage mit mangelndem Vertrauen in den öffentlichen Sektor – durch die Probleme der jüngsten Vergangenheit. Aber mit jedem Mal, bei dem die Resultate unser Vorhaben bestätigen, bekommen auch immer mehr Bürger und Unternehmen Vertrauen in dieses innovative System. Es geht uns alle an.”

Wie steht es um Valencias Wirtschaft?

Ximo Puig: “Die valenzianische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent gewachsen. Die Unternehmen und Arbeitnehmer meistern hier große Herausforderungen. Aber wir haben Probleme bei der Aus- und Weiterbildung in den neuen Firmen, und das ist ein grundlegendes Problem. Wir haben auch Probleme bei den Sprach-Kompetenzen. Wir haben Probleme bei allem, was die Erziehung der Gesellschaft zur
Innovationsgesellschaft betrifft. Die Gemeinschaft Valencia wird zum Beispiel als erste in ganz Spanien mit Breitband vernetzt sein. Das ist ein grundlegendes Element, damit auch wirklich jeder Bürger, jede Familie und jedes Unternehmen in die Informationsgesellschaft eingebunden werden kann.”

Bei der Kapitalbeschaffung setzt Puig auf private wie öffentliche Gelder: “Wir müssen die Mittel kombinieren. Private Mittel von Banken, Unternehmen – und dann ist da auch der Non-Profit-Sektor. Aber natürlich brauchen wir auch europäische Fonds und unsere eigenen Mittel. Am Ende geht es um ein Europa, das ein Projekt zugunsten aller Regionen hat, die dieser fundamentalen Herausforderung gegenüberstehen – der Informations- und Kommunikationsgesellschaft.”

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