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Kämpfen statt Schule: die verlorene Generation in Syrien

Der Syrienkrieg geht ins siebte Jahr. Noch nie litten die syrischen Kinder so stark unter dem Bürgerkrieg wie 2016.

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Kämpfen statt Schule: die verlorene Generation in Syrien

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Seit sechs Jahren schon tobt der Bürgerkrieg in Syrien – und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht. Darunter leidet die Bevölkerung mehr denn je. Seit dem Beginn der Kämpfe kamen über 400.000 Menschen ums Leben, zahlreiche weitere sind auf der Flucht.

Mehr als 13,5 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das ist mehr als die Hälfte der Bevölkerungszahl Syriens vor Ausbruch des Kriegs, berichtet die Hilfsorganisation OXFAM.

Massenflucht und Vertreibungen

Fast 5 Millionen Menschen flohen in Nachbarstaaten. Die Türkei nahm fast 3 Millionen Flüchtlinge auf. Mehr als eine Million Syrer ist im Libanon untergekommen und etwa 650.000 sind in Jordanien. Die meisten von ihnen leben unterhalb der Armutsgrenze.

In den vergangenen fünf Jahren haben fast 900.000 syrische Flüchtlinge in Europa Asyl beantragt.

Noch nie soviele Kinder getötet wie 2016

Drei Viertel der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Viele riskieren auf der Flucht ihr Leben, doch gefährlich genau so gefährlich ist es, im Bürgerkrieg aufzuwachsen.

2016 war für die Kinder das schlimmste Kriegsjahr. Mehr als 650 von ihnen wurden getötet, das sind 20% mehr als noch im Vorjahr. 850 Heranwachsende wurden rekrutiert. Mehr als doppelt so viele wie noch 2015.
Das Kinderhilfswerk UNICEF warnt allerdings, dass die Dunkelziffer noch höher sein könnte.

Zielscheibe: Krankenhäuser

Viele Kinder sterben an eigentlich behandelbaren Kinderkrankheiten. Der Grund: Die Kämpfe erschweren Hilfslieferungen an Krankenhäuser. Und mehr und mehr werden diese selbst zur Zielscheibe: Fast 340 medizinische Einrichtungen wurden im vergangenen Jahr angegriffen.

Zur Schule sind viele Kinder seit Jahren nicht mehr gegangen. Um die Not in den Familien zu lindern, müssen viele Kinder arbeiten.

Aleppo, eine Trümmerstadt

Fast eine Million Menschen lebt in besetzten Gebieten innerhalb Syriens. Bis dorthin dringen keine Hilfslieferungen vor. Genau das ist beabsichtigt: Das Aushungern der Menschen in besetzten Gegenden scheint sich zu einer Kriegstaktik entwickelt zu haben.
Besonders hart traf es die Menschen im besetzten Aleppo.

2012 nahmen Gegner von Präsident Baschar al-Assad den Osten der früheren Handelsmetropole ein. Seitdem war die Stadt heftig umkämpft. Über Jahre lieferten sich die Kriegsparteien Gefechte. Aleppos Osten wurde zeitweise fast täglich von Flugzeugen bombardiert.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass mindestens 1,3 Millionen Menschen im zerstörten Aleppo leben, darunter 400 000 Vertriebene. Seit Wochen fließt praktisch kein Strom mehr durch die Netze der Stadt, auch die Wasserversorgung ist unterbrochen, weil die IS-Terrormiliz bis vor Kurzem ein wichtiges Pumpwerk östlich von Aleppo kontrollierte.