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Saudi-Arabien versüßt Aramco-Riesen-Börsengang mit weniger Steuern


Wirtschaft

Saudi-Arabien versüßt Aramco-Riesen-Börsengang mit weniger Steuern

Im Vorfeld des vermutlich größten Börsengangs aller Zeiten hat Saudi-Arabien die Körperschaftssteuer für den staatlichen Ölriesen Saudi Aramco gekappt. Aramco-Aktien für möglicherweise 100 Milliarden Dollar (92 Milliarden Euro) sollen im kommenden Jahr an die Börse gebracht werden.

Ein königliches Dekret, rückwirkend zum 1. Januar, setzte einen Steuersatz von 50 Prozent für die Firma fest. Zuvor hatte Aramco 85 Prozent Steuern bezahlt, plus eine 20-Prozent-Tantieme – von ihr ist in dem Dekret nicht die Rede.

Die Aktion könnte die Steuerbelastung von Aramco um gut 9 Milliarden Euro verringern.

Die saudische Regierung zielt darauf ab, bis zu 5 Prozent von Aramco zu verkaufen, um Bargeld für Investitionen in neue Industrien hereinzuholen. Das Königreich versucht, seine Wirtschaft vom Öl weg zu diversifizieren .

ÖL FINANZIERTE DEN WOHLFAHRTSSTAATVORBEI

Als Hauptgrund gilt der stark gesunkene Ölpreis. So brachte ein Barrel saudischen Öls Anfang des Jahres 2014 noch mehr als 100 Dollar (circa 93 Euro). Im Januar 2016 sackte der Preis bis auf etwa 29 Dollar (circa 27 Euro) – inzwischen ist die Marke von 50 Dollar (circa 46 Euro) wieder überschritten. Saudi-Arabien ist der größte Ölexporteur der Welt.

Über Jahrzehnte hinweg mussten die rund 30 Millionen Einwohner keinerlei Abgaben an den Staat entrichten. Das Königreich gilt daher als Musterbeispiel für einen Wohlfahrtsstaat, in dem für die Bürger fast alles kostenlos ist: Unter anderem Wasser, Strom, Bildung und medizinische Versorgung.

Die Sozialpolitik der Vollversorgung ist jedoch äußerst kostspielig. Nach Medienberechnungen (“AFP”) hat das Land im vergangenen Jahr circa 90 Milliarden Euro Defizit eingefahren. Für das Jahr 2017 rechnet die Regierung in Riad mit circa 49 Milliarden Euro Minus. Öl lieferte bisher gut 60 Prozent der Staatseinnahmen.

Fachleute erwarten, dass die freiwilligen Steuerausfälle durch die Dividende kompensiert werden könnten. Zur Ausschüttungspolitik gibt es bisher keine Aussagen.

su mit Reuters