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Kampf gegen die Arbeitslosigkeit


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Kampf gegen die Arbeitslosigkeit

In Frankreich ist die Arbeitslosigkeit ein Hauptproblem. Neun Jahre nach der Finanzkrise sind immer noch 10 Prozent der Bevölkerung und 25 Prozent der 16- bis 25-Jährigen ohne Job. Jungen, gering qualifizierten Menschen Zugang zum Arbeitsmarkt zu verschaffen war eine Priorität der Präsidentschaft François Hollandes. Dafür wurde eine “Garantie für die Jugend” als arbeitsmarktpolitisches Werkzeug eingeführt.

In Saint-Etienne, im Südosten Frankreichs, sind mehr als 50 Prozent der Bewohner auf Sozialhilfe angewiesen. Hier wurde die “Garantie für die Jugend” seit 2015 getestet. Das Programm bietet jungen Menschen ein Bewerbungstraining und praktische Hilfen bei der Arbeitssuche. Es dauert ein Jahr und während dieser Zeit erhalten die Teilnehmer 461 Euro pro Monat.

Eine Teilnehmerin ist Vanina. Sie hielt sich bisher mit Teilzeitjobs über Wasser, sucht aber eine Vollbeschäftigung.
“Sie helfen uns sehr”, sagt sie, “sie sind wirklich hinterher, sie begleiten uns jeden Schritt auf dem Weg zu einem Arbeitsplatz.” Die 22 Jahre alte Myrianne wünscht sich eine Beschäftigung als Bekleidungsverkäuferin. “Wir müssen Beweise vorlegen, dass wir uns wirklich um Arbeit bemühen”, hebt sie hervor, “und das zwingt mich natürlich, wirklich nach Jobs zu suchen.” Für Thomas, einen anderen Teilnehmer, ging alles sehr schnell. Nach nur zwei Wochen im Programm bekam er einen Vertrag für drei Jahre angeboten und unterschrieb ihn.

Das Trainingszentrum in Saint-Etienne wird von Mokhtar Boughari geleitet. Im Durchschnitt wollen etwa 300 junge Menschen an diesem Programm teilnehmen, sagt er. “Das wirklich einzige Ziel, was wir haben ist, unsere Teilnehmer in Arbeit zu bringen. Wir suchen sie danach aus, wer dieses Programm am meisten braucht.”

Die Europäische Union finanziert das Programm. Im letzten Jahr nahmen 100 000 junge Menschen teil. Die Hälfte von ihnen haben heute entweder eine Arbeit oder sind in der Ausbildung. Der französische Staat hilft mit weiteren
Subventionen und Ausbildungsbeihilfen für Betriebe, die junge Menschen einstellen.

Damien Sauze, Wirtschaftswissenschaftler in Lyon, zeichnet ein gemischtes Bild von diesen Hilfen, er sagt, die Nachhaltigkeit fehle. “Der derzeitige Präsident wurde gewählt, um die Arbeitslosigkeit und insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen. Es wurden einige Reformen und Hilfen durchgesetzt und die haben sicherlich dazu beigetragen, das Problem einzudämmen. Aber gelöst ist es nicht und daher haben wird jetzt immer noch das gleiche Problem.”

Die meisten Jobs gibt es in Frankreich in kleinen und mittleren Betrieben. In Jaques Ledins Unternehmen in Saint-Etienne mit insgesamt 13 Angestellten wurden die letzten fünf Verträge alle mit staatlichen Beihilfen abgeschlossen. Das Programm, sagt Ledin, helfe den Unternehmern, jungen Menschen zu helfen, bis zu dem Punkt, wo sie einen festen Vertrag bekämen. Es sei eine großartige Sache.

Salvatore Corona, Unternehmer und CEO in einem Betrieb der Hightech Socken für Leistungssportler herstellt, sieht das anders. In diesem Betrieb wurden in den letzten zehn Jahren 35 Jobs geschaffen, alles ohne staatliche Hilfe.Vom wirtschaftlichen Standpunkt sei der beste Weg Jobs zu schaffen, den Mittelstand von der Abgabenlast zu befreien, sagt er. “Wenn man nicht das Geld hat, jemanden anzustellen und für drei, vier Jahre zu bezahlen, dann sollte man niemanden einstellen.”

Im Haushalt für 2017 sind 2, 5 Milliarden Euro für Staatsbeihilfen für Verträge veranschlagt.

Arbeitslosigkeit in Frankreich – Interview mit Pascal Le Merrer

Pascal Le Merrer ist Mitglied des französischen Thinktanks “Centre de réflexion France Stratégie”. Ausserdem lehrt er Ökonomie an der Universität “Ecole normale supérieure” in Lyon.

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Was sind die Herausforderungen in Sachen Beschäftigung für den kommenden Präsidenten?

Pascal Le Merrer

Zunächst, wir sollten uns keinen Illusionen hingeben über die Ursache des Problems. Wenn die Globalisierung das Problem wäre, dann müssten alle europäischen Länder davon betroffen sein, es würde die Niederlande ebenso treffen wie Deutschland oder Dänemark. Die Globalisierung hat nur unsere wirtschaftlichen Schwächen deutlich gemacht: wir haben in den letzten 15 Jahren circa 800 000 Jobs in der Industrie verloren.

Es gibt da außerdem den Mythos, dass Jobs vernichtet wurden, weil die Arbeit von Robotern verrichtet werden kann. Im Vergleich zu Deutschland hat Frankreich aber circa drei Mal weniger Automatisierung.

Wenn wir Beschäftigung erreichen wollen, dann ist es essenziell, dass diejenigen, die heute auf dem Arbeitsmarkt sind, flexibel sind. Sie müssen ihre Fähigkeit

euronews

Was kann der Staat tun?

Pascal Le Merrer

Wir haben derzeit eine Sache und das ist Europa. Wir müssen in jedem Fall den europäischen Arbeitsmarkt harmonisieren, und das ist auch machbar.

Eine Möglichkeit wäre, dass sobald eine Region von Arbeitslosigkeit betroffen ist, Europa handelt. Das wäre auch ein starkes Signal und würde die Vorteile der Mitgliedschaft in der Europäischen Union ganz deutlich machen. Davon abgesehen, wir brauchen unbedingt eine klare Langzeitvision.

Bei der Digitalisierung sind wir zwischen Amerika und Asien nicht sehr präsent, Europa ist da ziemlich schwach. Die EU ist die erste Region in der Welt, wirtschaftlich gesehen. Trotzdem, bei den Zukunftstechnologien, also den Märkten, die Jobs erschaffen werden, da hinken wir hinterher. Da gibt es die Möglichkeit, die EU zu stärken.

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Wahl-Spezial: Die Franzosen und der Front National