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Unterwasser-Drachen soll Strom erzeugen


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Unterwasser-Drachen soll Strom erzeugen

Es sieht ein bisschen aus wie ein großes Kinder-Spielzeug. Tatsächlich ist es ein High-Tech-Gerät, das Energie aus Ebbe und Flut erzeugen soll – der Spezialdrachen, den Wissenschaftler jetzt an der Küste Nordirlands ausprobieren.

Dafür haben sie sich den Strangford Lough südöstlich von Belfast ausgesucht, ein rund 150 Quadratkilometer großer Naturhafen mit einem schmalen Zugang zur Irischen See. Der Tidenstrom ist hier mit fast eineinhalb Metern pro Sekunde besonders stark. Damit bietet der Strangford Lough perfekte Bedingungen für das Forschungsvorhaben: Die Wissenschaftler wollen hier ihren Prototypen testen, der mit der Kraft des Wassers Strom für die Küstenbewohner liefern soll.

“Dieser Drachen ist am Meeresboden befestigt,” sagt Chef-Technikerin Heije Westberg. “Der Gezeitenstrom hebt den Drachen an. Dabei wird er immer schneller. Auf diese Weise treibt er eine Turbine an. Und diese Turbine erzeugt dann den Strom.”

Der Drachen ist voll ausgerüstet mit Sensoren und Instrumenten, durch die die Forscher mit ihm kommunizieren können. Auf diese Weise wollen sie die perfekten Bedingungen herausfinden, unter denen dieses ungewöhnliche Kraftwerk Energie produzieren kann.

“Die Geschwindigkeit des Wassers ändert sich mit der Tiefe,” erklärt der Software-Spezialist Neil Laughlin, “und darauf wollen wir uns einstellen. Der Drachen bekommt dann z.B. die Info, ein bisschen tiefer zu gehen, wenn dort der Tidenstrom kräftiger ist.”

Leichtes, aber sehr widerstandsfähiges Material und ein spezielles hydro-dynamisches Design lassen den Drachen unter Wasser “fliegen”. Damit kann er sich auch immer perfekt an die jeweilige Strömungsgeschwindigkeit anpassen. Aber, so Heije Westberg: “Es geht nicht darum, ihn so schnell wie möglich fliegen zu lassen. Dann wird das ganze System nur unnötig gestresst, es kann zu Fehlern kommen, Ausfällen, Abstürzen. Es kommt also vielmehr darauf an, die optimale Geschwindigkeit zu finden, um maximale Energie zu produzieren.”

Das Problem: Die Tests finden in einem Naturschutzgebiet statt, in dem viele Seehunde leben. Mit einem Sonargerät wollen die Forscher um Nancy Zambrano herausfinden, wie die Tiere auf die Drachen reagieren: “Wir entwickeln gerade die Software für dieses Unterwasser-Lausch-Gerät. Wir müssen klar unterscheiden können zwischen den Tieren, die dort unterwegs sind, und irgendwelchen Gegenständen, die die Flut anspült.”

Noch hat der Drachen nur 3 Meter Spannweite. In Zukunft sollen es 12 Meter werden. Damit sollen bis zu 1,6 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden. Die Technik wird derzeit noch weiter erprobt.

“Es fängt bei der Turbine an und geht bis zur Weiterleitung des Stroms an Land,” so Projekt-Manager Per Salomonsson, “dazu müssen wir das bestehende Konzept weiterentwickeln. Das Ziel ist, die Leistung noch weiter zu verbessern und die Kosten dafür zu senken.”

Ein Strom-Drachen in voller Größe soll übrigens demnächst schon vor der Küste von Wales auf Tauchstation gehen.

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