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Invasion der Touristen: Barcelona zwischen Profit und Entvölkerung


Spanien

Invasion der Touristen: Barcelona zwischen Profit und Entvölkerung

Bei den Touristen ist die Stadt beliebt wie kaum eine andere: Barcelona. Aber genau dieser Erfolg der katalanischen Metropole geht vielen Alteingesessenen gehörig auf die Nerven. Immer mehr Menschen verstopfen die Stadt, immer mehr Wohnungen werden zu touristischen Unterkünften umfunktioniert – und damit dem Wohnungsmarkt faktisch entzogen.

“Innerhalb von fünf Jahren wurde die Übernachtungskapazität um ein Fünftel vergrößert”, so Barcelonas Bürgermeisterin Ada Colau. “Das hat starke Auswirkungen, und es erinnert an die Immobilienblase.”

Die Touristen übernehmen die Stadt, es heißt, in manchen Bezirken seien die Einheimischen schon in der Unterzahl. Die Mieten steigen, weil Touristen mehr zahlen, die Wohnungen werden unleistbar für Einheimische. Ein Teufelskreis.

“Immobilien bringen mehr Einnahmen als Arbeitsplätze”, erklärt die Urbanismusexpertin Maria Sisternas, “das macht uns sehr angreifbar. Es macht unsere Wirtschaft weniger produktiv und weniger wettbewerbsfähig.”

Das große Problem sehen viele in den neu entstehenden Unterkünften: Touristenappartments, die jeder über Internetplattformen anbieten kann – manche davon legal, viele jedoch illegal. Das stört auch Hoteliers wie Jordi Clos, Präsident der Hoteliersvereinigung in Barcelona: “Illegale Touristenappartments sind ein sehr neues Thema der letzten fünf Jahre. Sie haben Unmut bei den Bürgern hervorgerufen. Das ist nicht der Tourismus, den wir wollen. Und er erzeugt Probleme für die Bevölkerung.”

Die Stadt hat dem Wildwuchs bei den Unterkünften 2015 ein Ende bereiten wollen. Ein Moratorium verhindert, dass neue Unterkünfte ausgewiesen werden dürfen. Aber diese Regulierung trifft auch die Hotels, die jetzt ebenfalls nicht mehr bauen dürfen und damit illegalen Unterkünften Vorschub leisten.

Es ist aber nicht nur die Wohnungssituation, die diesen Unmut erzeugt. Auch die Touristen an sich sind immer weniger willkommen. Zwar sind die Reisenden für 13 Prozent des spanischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich; dennoch sehen einer neuen Umfrage zufolge viele Bürger Touristen als größtes Problem der Stadt – mehr noch als das Problem der Arbeitslosigkeit.

Daniel Pardo kämpft in der Asociación de Barrios por un Turismo Sostenible für nachhaltigen Tourismus, um sowohl das Stadtbild Barcelonas zu retten als auch die lokale Wirtschaft: “Unser Leben wird entwertet. Wir müssen unsere Vorstellung von der Stadt komplett ändern und in nachhaltigere Wirtschaftszweige investieren, ansonsten wird Barcelona zu einem riesigen Vergnügungspark. Den Tourismus kriegen wir nur in den Griff, wenn wir seine Bedeutung im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen verringern.”

Der Tourismus ist aber einfach zu wichtig für Barcelona, als dass man ihn hier generell verteufeln könnte. Auch die Stadtverwaltung sieht das so. Etwas ändern will man dort aber trotzdem. “Touristen und Bürger sehen den Tourismus positiv”, so Bürgermeisterin Colau. “Damit das so bleibt, muss er aber nachhaltig sein, er muss geplant und reguliert werden.”

Gemeinsam mit anderen europäischen Städten versucht man in Barcelona jetzt, ein Rezept gegen den Massentourismus zu finden.

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