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Eurozone: Energiepreise drücken Inflation

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Eurozone: Energiepreise drücken Inflation

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Die Inflation in der Euro-Zone ist im Juni auf ein Jahrestief geschrumpft. Die Verbraucherpreise legten nur noch um 1,3 Prozent zu, nach 1,4 Prozent im Mai, bestätigte das Statistikamt Eurostat eine frühere Schätzung. Das EZB-Ziel von zwei Prozent rückt damit wieder ein Stück weiter weg – eine Zwickmühle für die Notenbanker der Europäischen Zentralbank, die sich am Donnerstag zu ihrer Zinssitzung treffen: Sie wollten sich eigentlich aus der ultralockeren Geldpolitik rausschleichen (“tapering out”). Die Zinsen in der Euro-Zone liegen seit langem auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Zuletzt hatte die EZB wegen der rund laufenden Konjunktur einen ersten Mini-Schritt in Richtung Kurswende gewagt.

Hauptgrund für die flauen Inflationswerte: Die Energie verteuerte sich nicht mehr so stark wie zuvor. Nach 4,5 Prozent im Mai zogen die Energiepreise im Juni nur noch um 1,9 Prozent an. Die Kerninflation ohne die schwankungsreichen Energie- und Lebensmittel legte allerdings leicht zu – 1,2 Prozent, nach 1,0 im Mai.


Für Volkswirt Greg Fuzesi von der US-Großbank JP Morgan, London, ist die Kerninflation zwar nicht ausschlaggebend dafür, ob die EZB – wie von vielen Experten erwartet – im September ein Abschmelzen ihrer billionenschweren Anleihenkäufe beschließt. “Aber die Kerninflation muss klar steigen, bevor sich die EZB auf einen ersten Zinsschritt hin bewegt.” Fuzesi rechnet mit einer solchen Entscheidung nicht vor Ende 2018.

Die EZB und die nationalen Notenbanken erwerben aktuell jeden Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 60 Milliarden Euro. Das Kaufprogramm ist momentan das stärkste Instrument der EZB, um Konjunktur und Inflation anzuschieben. Die EZB will die in Deutschland umstrittenen Käufe noch bis mindestens Ende 2017 fortsetzen. Dann sollen sie ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen.


Für die Zinssitzung am Donnerstag in Frankfurt erwarten Experten, dass die Notenbank ihre zuletzt stets bekräftigte Option streicht, die Anleihenkäufe nötigenfalls noch einmal aufzustocken. Der EZB-Rat würde so den Finanzmärkten ein weiteres Signal senden, sich langsam auf eine Eindämmung der Geldflut vorzubereiten.

su mit Reuters