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Unternehmertum? Ein Kinderspiel...

Das "Enterprise Village" versucht, per Rollenspiel Kinder, Jugendliche und Lehrer für die Welt der Unternehmer fit zu machen.

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Was, wenn Unternehmertum ein Kinderspiel wäre? In Estland versucht das “Enterprise Village”, spielerisch den Unternehmergeist zu fördern – und das von kleinauf. IT-Unternehmer Mehis Pärn, einst selbst Angestellter, hat es ins Leben gerufen.

Gerade mal etwa ein Drittel der Europäer kann sich vorstellen, Unternehmer zu werden, bei den Amerikanern oder den Chinesen sind es mehr als die Hälfte. Pärns Erklärung: “Ich denke, das liegt nicht in unserer Kultur. Es war immer einfacher und bequemer, Angestellter zu sein, als seine eigene Firma aufzumachen. Das hat für die Europäer gut funktioniert, aber es wird sich ändern.”



Im “Enterprise Village” in Tartu macht man im Spiel praktische Erfahrungen als Unternehmer. In Rollenspielen lernen die Fünf- bis Achtzehnjährigen die Herausforderungen kennen, mit denen Unternehmer sich heute auseinandersetzen müssen. Solche Sensibilisierung erhöht laut schwedischen und norwegischen Studien die Wahrscheinlichkeit, später selbst ein Unternehmen zu gründen: Um die zwanzig Prozent der Schüler, die an Firmenprogrammen teilnahmen, gründeten demnach auch ein Unternehmen. (Zu den Studien siehe Abschlussbericht der Sachverständigengruppe Schülerfirmen im Sekundarbereich, S. 44f.)Laut EU-Kommission sind das bis zu fünfmal mehr als in der Bevölkerung im allgemeinen”:https://ec.europa.eu/growth/smes/promoting-entrepreneurship/support/education_de.


Der Europäische Unternehmensförderpreis

  • Der Europäische Unternehmensförderpreis (European Enterprise Promotion Awards) zeichnet Organisationen oder Projekte in Europa aus, die das Unternehmertum und kleine Unternehmen auf nationaler, regionaler und lokaler Ebene fördern.
  • Seit 2006 wurden mehr als 3.400 Projekte dafür ausgewählt. Zusammen haben sie die Gründung tausender neuer Firmen unterstützt.
  • Nur 37 Prozent der Europäer würden gern Unternehmer werden – im Vergleich zu 51 Prozent der Amerikaner. Rund 20 Prozent der Jugendlichen, die zum Beispiel durch Schülerfirmenprogramme für das Unternehmertum geschult wurden, gründen laut schwedischen und norwegischen Erhebungen ihre eigene Firma – das sind laut EU-Kommission bis zu fünfmal mehr als in der Bevölkerung im allgemeinen.
  • “Enterprise Village” ist eine estnische Initiative, die über Rollenspiele 5- bis 18-Jährige ans Unternehmertum heranzuführen versucht. Sie hilft den Kindern und Jugendlichen, durch eigene spielerische Erfahrungen mehr über die Aufgaben und Herausforderungen zu lernen, mit denen sich Unternehmer auseinandersetzen müssen.

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Pärns Methode ist auch interessant für die Lehrer: “Die Kinder entwickeln durch dieses Spiel ihre Kommunikations- und Teamwork-Fähigkeit und sehen, wie im Alltag das Geld rein- und rauskommt”, meint Geschichtslehrer Rainer Tonnis. “Leider lehren wir das nicht oft an den Schulen!”

In dem einen Jahr seines Bestehens kamen in das “Enterprise Village”, das sich aus den Eintrittsgeldern finanziert, 2.500 Schüler und Lehrer. Wie die Kinder lernen auch die Lehrer aus ihren Fehlern beim Spiel. Und machen Erfahrungen, die sie schnellstmöglich in ihren Klassen weitergeben möchten. Kunstlehrerin Maris Piiroja: “Durch dieses Training ist mir die Idee gekommen, eine Projektwoche zum Unternehmertum zu organisieren. Und ich will anregen, dass die Schüler das ‘Enterprise Village” besuchen.”

Pärn findet, dass Schüler wie Lehrer besser auf die sich ändernde Arbeitswelt vorbereitet werden müssen: “Die New Economy bringt neue Geschäftsmodelle und schnellere Innovation mit sich. Freiberuflerschaft, Sharing Economy und mehrere Karrieren im Berufsleben werden bleiben. Die Leute und die Firmen müssen darauf vorbereitet sein, dass sich alles ständig verändert!”

Sein Rat an andere Unternehmer, die sein “Enterprise Village” kopieren möchten: “Seien Sie ein guter Partner für die Schulen, denn die Lehrer wissen schon, dass sie ihre Lehrmethoden ändern müssen, aber nicht, wie. Und da sie sehr konservativ sind, seien Sie bitte geduldig mit ihnen!”

Die Initiative ist unter den Finalisten des diesjährigen Europäischen Unternehmensförderpreises der EU-Kommission. Die Gewinner werden am 23. November bekanntgegeben.