Eilmeldung

Eilmeldung

#DenizIsFree: Erleichterung in Berlin über die Freilassung Deniz Yücels

Sie lesen gerade:

#DenizIsFree: Erleichterung in Berlin über die Freilassung Deniz Yücels

#DenizIsFree: Erleichterung in Berlin über die Freilassung Deniz Yücels
Schriftgrösse Aa Aa

Die Causa Yücel war zuletzt der wohl größte Zankapfel im Verhältnis Deutschlands zu Türkei. Entsprechend erleichtert zeigt sich die deutsche Regierung nun über die Haft-Entlassung des WELT-Journalisten. Immerhin wird der Schritt als Zeichen Ankaras für eine Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen gewertet.

Die Entlassung kommt einen Tag nach dem Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Bibali Yildirim bei der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Berlin.

Merkel sagte, sie freue sich, gleichzeitig erinnerte sie an die anderen,"weniger prominenten" Fälle von Menschen, die unter ähnlichen Vorzeichen wie Yücel in türkischen Gefängnissen säßen.

Auch bei Familie, Freunden und Anhängern Yücels ist die Freude groß. In der Vergangenheit hatten sie immer wieder für seine Freilassung demonstriert. Es gab Autokonvois, Kundgebungen, einen eigenen Hashtag und andere Aktionen, um auf das Schicksal Yücels aufmerksam zu machen.

Can Dündar fürchtet negative Folgen der Freilassung

Der türkische Journalist Can Dündar fürchtet indes negative Konsequenzen aus der Freilassung Yücels auf die Pressefreiheit in der Türkei. "Sie wird negative Folgen haben, weil Erdogan nun weiß, dass es möglich ist, über inhaftierte Journalisten zu verhandeln", sagte Dündar der Deutschen Presse-Agentur. "Erdogan hat etwas als Gegenleistung dafür bekommen, wir wissen nur noch nicht, was. Also warum sollte er nicht noch weitere Journalisten festnehmen lassen?"

Dündar lebt seit dem Sommer 2016 in Deutschland. Der ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung "Cumhuriyet" hatte nach einem Bericht über eine Waffenlieferung des türkischen Geheimdienstes an islamistische Milizen in Syrien wegen Spionage drei Monate in der Türkei im Gefängnis gesessen.

Verantwortlich für die Freilassung Yücels ist nach Dündars Überzeugung eine Entscheidung der türkischen Regierung. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe darum gebeten, daraufhin habe der türkische Präsident entschieden, Yücel freizulassen. "So funktioniert das Rechtssystem in der Türkei."

Deutschland hätte sich nach Dündars Ansicht besser für einen Rechtsstaat in der Türkei einsetzen sollen, statt nur einen Einzelfall zu lösen. Für die Pressefreiheit in seinem Heimatland bedeute die Entscheidung von diesem Freitag nichts. In der Türkei seien immer noch mehr als 100 Journalisten hinter Gittern. "Ich hoffe, die deutsche Regierung und die deutsche Öffentlichkeit machen weiter Druck für sie."

Der Freilassung des Journalisten Deniz Yücel aus der türkischen Haft ging einer Recherche von mehreren deutschen Medien zufolge ein geheimes diplomatisches Tauziehen voraus.

Geheimdiplomatie führte zur Haftentlassung

Nach Informationen des Rechercheverbunds von Norddeutschem und Westdeutschem Rundfunk sowie der "Süddeutschen Zeitung", bat Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) unter anderem während eines Treffens mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Rom Anfang Februar um die Freilassung Yücels. Andernfalls bleibe das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei schwer belastet. Erdogan hatte die italienische Hauptstadt wegen eines Treffens mit dem Papst besucht.

Eine Woche danach habe sich Gabriel auf Bitten der Türkei in Istanbul mit Erdogan getroffen, um Einzelheiten des Falls zu besprechen. Teil der im geheimen geführten Verhandlungen sei auch ein Treffen des Altbundeskanzlers Gerhard Schröder mit Erdogan im Januar gewesen. Dabei habe auch Schröder sich für Yücel eingesetzt. Bislang war die Reise vor allem mit der Freilassung des Menschenrechtlers Peter Steudtner in Verbindung gebracht worden.

Im Außenministerium in Berlin wurde demnach vor einem möglichen Ansehensverlust Gabriels gewarnt, falls er bei den Verhandlungen scheitere. Gabriel sei dennoch gereist, hieß es. Die Freilassung Yücels, der seit etwa einem Jahr in der Türkei in Haft saß, wurde am Freitag bekannt.