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Türkisch-griechische Odyssee: Flüchtlingstragödie am Fluss Evros

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Türkisch-griechische Odyssee: Flüchtlingstragödie am Fluss Evros

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Er ist der Überlebende einer Flüchtlingstragödie am türkisch-griechischen Grenzfluss Evros: Fatih Yasar betet für die drei Kinder und ihre Eltern, die es nicht geschafft haben. Sie waren zu neunt im viel zu kleinen Boot: Zwei Lehrerfamilien, der Schmuggler und der 35-jährige Uni-Absolvent und Unternehmer. Als angeblicher Gülen-Anhänger saß Fatih nach dem Putschversuch in der Türkei 14 Monate in Haft. Es ist sein zweiter Fluchtversuch. Im Fluss gab es starke Strömungen:

Meinung

"Ich weinte. Ich habe es nicht geschafft, die Kinder zu retten. Es hätte mein eigenes Kind sein können."

Fatih Yasar türkischer Flüchtling

"Alles ging ganz schnell. Ich weiß nicht, was passiert ist. Als wir ins Wasser fielen, war es so kalt, dass es mir wie Nadeln ins Herz stach. Ich konnte mich nicht bewegen. Das eisige Wasser war unerträglich. Ich schluckte Wasser. Als das Boot sank, hörte ich nur eine Stimme 'Allah' schreien", erzählt Fatih Yasar.

Fatih, der seine Familie zurückließ, trug auf dem Weg zum Treffpunkt ein Kind einer anderen Familie auf den Schultern. Das Boot trieb unkontrolliert über den Fluss. Kurz vor dem Ufer wurde es von Treibgut getroffen und sank:

"Ich weinte. Ich habe es nicht geschafft, die Kinder zu retten. Es hätte mein eigenes Kind sein können. Ich habe eines bis zu diesem Punkt getragen und jetzt", fragt sich Fatih.

Der 35-Jährige schaffte es ans Ufer. Drei Leichen wurden gefunden, vier Menschen sind vermisst. Der Schmuggler konnte sich retten und floh.

“Solche Fluchten bergen zahlreiche Gefahren, aber für diese Menschen gibt es keine Alternative. In ihrer Heimat sind sie als Gülen-Anhänger stigmatisiert. In der Türkei gibt es keine Zukunft für sie. Die Anti-Erdogan-Türken, die es geschafft haben, zu fliehen, fürchten um die Sicherheit ihrer Familien zu Hause", sagt euronews-Reporter Michalis Arampatzoglou aus Athen:

Eine türkische Militärpatrouille war als erste an der Unglücksstelle. Sie konnte Fatih auf griechischem Boden nicht helfen. Nass, durchgefroren und ohne alle Habseligkeiten musste er noch vier Stunden laufen, bis er gefunden wurde und in ein Flüchtlingscamp gebracht wurde. Fatih wurde wegen illegaler Einreise angeklagt, zu vier Monaten Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt. Er beantragte Asyl. Derzeit lebt er bei Freunden in Athen.