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Menschen in Teheran nach Trumps Rede: "Was jetzt?"

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Menschen in Teheran nach Trumps Rede: "Was jetzt?"

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Mit den Parolen "Nieder mit Amerika" haben einige iranische Abgeordnete im Parlament eine US-Flagge sowie eine symbolische Kopie des Atomabkommens verbrannt. Eine Gruppe von Hardlinern, so die iranische Nachrichtenagentur Isna. Sie reagierten damit auf den US-Ausstieg aus dem internationalen Atomdeal mit dem Iran. Den hatte US-Präsident Donald Trump kurz zuvor angekündigt.

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Die Gruppe hat eine US-Flagge aus Papier sowie eine symbolische Kopie des Atomabkommens angezündet.Ap

Parlamentspräsident Ali Laridschani erklärte: "Wenn Europa und wichtige Länder wie Russland und China dieses internationale Vakuum (in der Vereinbarung) ausfüllen, wird es vielleicht einen Weg geben, weiterzumachen. Ansonsten wird die Islamische Republik Iran die USA mit ihren nuklearen Aktionen zur Vernunft bringen. Sie müssen wissen, dass der Iran unter solchen Umständen keine Verpflichtung hat, in der nuklearen Position zu bleiben, in der er vorher war."

Irans Präsident wirft Trump "psychologische Kriegsführung" vor

Irans Präsident Hassan Rohani bekannte sich weiter zu der internationalen Vereinbarung. Er kündigte Verhandlungen mit China, Russland und dem EU-Trio Deutschland, Frankreich und Großbritannien an. Es gehe dabei in erster Linie um die vertragsgerechte Umsetzung des Deals, sagte Außenminister Mohamed Dschawad Sarif.

Rohani schloss allerdings nicht aus, sein Atomprogramm und die Urananreicherung wieder unbegrenzt aufzunehmen, sollte es keine befriedigende Lösung geben.

"Wir haben statt eines Abkommens mit sechs Staaten nun eines mit fünf", sagte der 69-Jährige nach der Entscheidung des US-Präsidenten. "Wir lassen nicht zu, dass Trump diesen psychologischen Krieg gewinnt."

"Die USA sind ihren Verpflichtungen nie nachgekommen"

Auch in der iranischen Hauptstadt Teheran haben viele die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump mitverfolgt. Manche sind von seiner Entscheidung nicht wirklich überrascht.

"Wir kennen die USA. Sie sind ihren Verpflichtungen nie nachgekommen. Dieser Deal brachte die USA nur dazu, uns einige Dollar zu geben, aber jetzt wird der Dollarkurs nach Trumps Rede dramatisch steigen. Dieser Deal hat unsere Bedingungen nicht verbessert, er hat sie verschlechtert", erklärt ein junger Mann.

Eine Frau in einem Restaurant in der Hauptstadt meint: "Mit den USA zu verhandeln war von Anfang an falsch, weil sie das nicht wollen. Sie wollen die Welt besitzen und über alles herrschen. Sie sind auf Krieg aus, denn sie gehen bankrott, wenn ihr Waffenmarkt verschwindet."

Eine ungewisse Zukunft

Die Blicke richten sich in eine ungewisse Zukunft. Einigen bereitet der Schritt der USA Sorgen, andere sehen es gelassen.

Ein Mann sagt: "Nichts ist passiert, seit das Abkommen abgeschlossen wurde, deswegen machen wir uns jetzt keine Sorgen. Ich möchte nicht, dass die Raketen- und Verteidigungsmacht meines Landes verhandelt wird, denn es ist unser unabdingbares Recht, die modernste Technologie auf diesem Gebiet zu erreichen."

"Diese Nachricht hat mich beunruhigt. Ich mache mir Sorgen um alles, um die Zukunft. Was kann jetzt passieren?", sorgt sich ein jüngerer Iraner.

Trump kündigte in seiner Rede am Dienstag weiter an, dass die im Rahmen des Abkommens ausgesetzten US-Sanktionen nun "so schnell wie möglich" wieder in voller Härte zum Tragen kommen würden. Dafür gibt es ein Zeitfenster bis zu 180 Tagen, um der Wirtschaft ausreichend Zeit zu geben, so US-Finanzminister Steven Mnuchin. Trump bezeichnete den Deal mit dem Iran als "schreckliches, einseitiges Abkommen", das nie hätte abgeschlossen werden dürfen.

Treffen für Montag geplant

Nach der US-Abkehr vom Atomabkommen, das 2015 unterzeichnet wurde, sollen sich am kommenden Montag nun die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens mit Vertretern Teherans treffen. Das teilte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian am Mittwoch im Radiosender RTL mit. "Dieses Abkommen ist nicht tot", so Le Drian. Die Vereinbarung sei unentbehrlich für die Sicherheit der Region.

Die drei Länder hatten nach der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump ihren Willen bekundet, an der Vereinbarung festzuhalten.

Die EU-Staaten kritisierten die US-Entscheidung in einer Erklärung am Mittwoch als äußerst bedauernswert. Das Atomabkommen sei von entscheidender Bedeutung für die Sicherheit in der Region und ein zentrales Element, um die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu verhindern, heißt es in dem Text.

Worum geht's bei dem Abkommen und was stört Trump? Einen Überblick finden Sie hier.