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Mossul - nicht explodierte Munition macht die Stadt zu einer Zeitbombe

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Mossul - nicht explodierte Munition macht die Stadt zu einer Zeitbombe

Mossul - nicht explodierte Munition macht die Stadt zu einer Zeitbombe
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Im Juli 2017 ist Mossul von der IS-Miliz befreit worden. Doch die zweitgrößte Stadt des Iraks kämpft noch immer mit den Folgen der dreijährigen Besetzung und einer neunmonatigen Schlacht, die zwischen 9.000 und 11.000 Menschenleben forderte. Noch immer liegen viele Leichen unter den Trümmern. Noch immer leben Tausende von Menschen in Lagern.

Euronews-Reporterin Monica Pinna: "Ein Jahr nach der Vertreibung der IS-Miliz liegt Mossul immer noch in Trümmern. Trotz der Gefahr durch Sprengfallen und geschätzte acht Millionen Tonnen Kriegsreste, die teilweise unter den Trümmern liegen, beginnt in der Stadt wieder das Leben."

Rückkehr zum Alltag

Über 800.000 Einwohner sind trotz der Verwüstung nach Westmossul zurückgekehrt. Nicht explodierte Munition macht die Stadt zu einer tickenden Zeitbombe. Nach Angaben der UN könnte die Räumung ein Jahrzehnt dauern. Der 28-jährige Mohamad setzt mit seinem Eisgeschäft auf einen Neustart:

"Wir sind vor acht Monaten zurückgekommen. Das Leben hat wieder angefangen. Wir arbeiten, aber die Wirtschaft stagniert. Wir bräuchten Strom und Wasser. Die Regierung sollte Häuser und Schulen bauen", sagt Mohamad Sagar Wadd.

Die Kämpfe trafen die Zivilbevölkerung schwer: Seit der Besetzung durch die IS-Miliz 2014 wurden 54.000 Menschen verletzt. Adil und seine 11-jährige Tochter Nada verloren b eide ein Bein bei einem Bombenangriff, bei dem zwei weitere seiner Kinder starben.

"Ich wollte gerade mit meinen Kindern die Tür öffnen, als uns eine Explosion traf. Ich habe das Bewusstsein verloren. Meine Tochter starb im Krankenhaus und mein dreijähriger Sohn auf dem Weg dahin", sagt Adil Abdul Ghany.

Rehabilitationsmaßnahmen für Kriegsüberlebende und die Räumung von Sprengfallen gehören zu den Hauptaufgaben der EU-Abteilung für humanitäre Hilfe im Irak.

Räumung von Sprengfallen

Die NGO "Norwegian People's Aid" führt Untersuchungen und Räumungen in einem großen Gebiet östlich von Mosul durch. Dörfer wie Tajala und Kabarli gehören dazu. Sie lagen am Frontverlauf

Die Gegend wurde neun Monate vor Mossul befreit. Es gibt wenig Infrastruktur und viele von der IS zurückgelassene Sprengfallen. Man braucht nicht einmal ein geschultes Auge, um sie zu entdecken. Wir halten in einem Gebiet, das von Explosionen gezeichnet ist. Es gibt nur wenig Möglichkeiten, Gefahrenstellen zu kennzeichnen:

"Das, was wir hier im Dorf Tarjala vorfinden, ist typisch für das, was wir nach dem Konflikt mit der IS-Miliz im Nordirak vorfanden. Das ist ein Verteidigungsgebiet, in dem es immer noch Sprengfallen der IS-Miliz gibt. Ein Druckzünder ist deutlich zu sehen, es k önnten mehr sein und diese fünf linear verlegten Patronen sollen IS-Kämpfer warnen und vor der Sprengfalle schützen", erklärt Christian Ramsden, Norwegian People's Aid.

Finanziert durch die EU führt die NGO Erhebungen zu "verdächtigen" und "bestätigten Gefahrenbereichen" durch und räumt anschließend das Gebiet. Rund um das Dorf Badana wurden bisher fast 14.000 Quadratmeter von Sprengfallen gesäubert.Christian Ramsden:

"Bisher wurden mehr als 700.000 Sprengfallen lokalisiert, und die Größe der explosionsgefährdeten Bereiche wächst und wächst, je länger wir in diesem Gebiet arbeiten. Hier gibt es Sprengfallen in einem Bereich von zwei bis drei Kilometern.

Im nahegelegenen Kabarli suchte die norwegische NGO die lokale Schule nach nicht explodiertem Sprengstoff ab. Das Gebäude war aufgrund von Bombeneinschlägen vier Jahre geschlossen. Jetzt ist alles bereit dafür, dass 900 Schüler wieder mit dem Unterricht anfangen. Der Englischlehrer Hussan Younis:

"Sie müssen die IS-Miliz und die Ereignisse der vergangenen vier Jahre verarbeiten. Ihnen dabei zu helfen, ist die Aufgabe von uns Lehrern."