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Sudans Ministerpräsident Hamdok tritt überraschend zurück

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Von Julika Herzog  mit dpa und AP
Sudans zurückgetretener Ministerpräsident Hamdok
Sudans zurückgetretener Ministerpräsident Hamdok   -   Copyright  Christophe Ena /AP   -  

Im nordostafrikanischen Krisenstaat Sudan ist Ministerpräsident Abdullah Hamdok überraschend zurückgetreten. In einer live im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache sagte Hamdok, er habe sein Versprechen, eine politische Katastrophe in dem Land am Horn von Afrika zu verhindern, nicht einhalten können.

Seit Putsch im Ende Oktober 56 Tote bei blutigen Demonstrationen

Vor wenigen Tagen waren im Sudan wie schon seit Monaten Demonstrationen gegen die Übergangsregierung, an der das Militär beteiligt ist, gewaltsam niedergeschlagen worden. Nach Angaben des Zentralkomitees der sudanesischen Ärzte wurden seit dem Putsch 56 Zivilisten bei Protesten getötet - zwei davon seien am Sonntag von Sicherheitskräften getötet worden.

Die Protestierenden forderten eine Machtübergabe des Militärs an eine zivile Regierung. Die Demonstranten warfen Hamdok Verrat vor.

Nach Vereinbarung mit Militär: Hamdok gerade wieder als Regierungschef eingesetzt

Das Militär hatte Ende Oktober bei einem Putsch die Macht an sich gerissen und Hamdok gestürzt. Nach Druck aus dem In- und Ausland war er dann wieder als Regierungschef eingesetzt worden, nachdem er mit dem Militärmachthaber General Abdel Fattah al-Burhan eine Vereinbarung für eine neue Übergangsregierung unterzeichnet hatte.

Laut seiner Vereinbarung mit dem General Al-Burhan durfte Hamdok ein Kabinett mit zivilen Vertretern bilden, was bis heute nicht geschehen ist. Als Anführer des Souveränen Rats stand Al-Burhan jedoch gemeinsam mit Hamdok an der Spitze der neuen Übergangsregierung. Dem Souveränen Rat gehören auch Vertreter des Militärs an, denen schwere Menschenrechtsverstöße und Korruption vorgeworfen werden.

Nach Rücktritt Hamdoks wieder politisches Vakuum im Sudan

Der Sudan wurde fast 30 Jahre lang von Omar al-Baschir mit harter Hand regiert. Der Langzeit-Machthaber wurde 2019 durch monatelange Massenproteste und einen Militärputsch aus dem Amt getrieben. Daraufhin einigten sich das Militär und die zivile Opposition auf eine Übergangsregierung, die den Weg zu demokratischen Wahlen 2022 ebnen sollte.

Zudem waren umfangreiche Wirtschaftsreformen geplant, durch die das Militär erhebliche ökonomische Verluste hätte hinnehmen müssen. Das Militär war auch gegen die von Hamdok vorangetriebene Aufarbeitung von Menschenrechtsverstößen.

Der Rücktritt Hamdoks versetzt den Sudan nun abermals in ein politisches Vakuum.