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Schlau wie die Schildkröte: Frankreichs "unbeugsamer" Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon fast am Ziel

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Von Euronews  mit AFP/DPA
Der Präsidentschaftskandidat der französischen Linkspartei La France Insoumise (LFI), Jean-Luc Melenchon, bei einer Wahlveranstaltung in Toulouse
Der Präsidentschaftskandidat der französischen Linkspartei La France Insoumise (LFI), Jean-Luc Melenchon, bei einer Wahlveranstaltung in Toulouse   -   Copyright  Lionel BONAVENTURE / AFP

Er selbst vergleicht sich gern mit einer Schildkröte, die langsam, aber stetig vorankommt und ihre Mitstreiter letztlich erschöpft. Zweimal schon hat sich Jean-Luc Mélenchon, der Streitbare um das französische Präsidentenamt beworben.

Ob der dritte Anlauf der richtige ist? Mélenchon, linkes Urgestein und Chef der Bewegung "la France insoumise" (Das unbeug­same Frank­reich), glaubt fest daran. Die politische Karriere des 70-jährigen Linkspopulisten begann in der Sozialistischen Partei, die er 2008 nach 30 Jahren wütend verließ, weil sie ihm nicht mehr links genug war.

Er gründete seine eigene Partei "Parti de Gauche" und wurde zweimal, 2009 und 2014 ins Europaparlament gewählt. Aktuell sitzt er als Abgeordneter der 2016 gegründeten "La France insoumise" im französischen Parlament. Und gilt als aussichtsreichster und lautstärkster Kandidat des linken Lagers.

Sollte er zum Präsidenten gewählt werden, verspricht Jean-Luc Mélenchon unter anderem die Rente ab 60, die Erhöhung des Mindestlohns auf 1400 Euro und niedrigere Spritpreise.

Im Zentrum seines Programms unter dem Slogan "l'Avenir en commun" (eine gemeinsame Zukunft) steht eine ambitionierte Klimapolitik.

Dazu gehören unter anderem der Umstieg auf eine ökologische und bäuerliche Landwirtschaft, der Ausstieg aus der Atomkraft und der Übergang zu 100% erneuerbaren Energien.

Dies sei "der ernsthafteste Vorschlag zum Thema Ökologie" ebenso wie das Programm des Grünen Kandidaten Yannick Jadot, urteilte Greenpeace France nach eingehender Analyse.

Beliebt bei jüngeren Wählern, setzt der linke Kandidat auf soziale Medien und moderne Techniken. Ebenso wie bereits 2017, verfielfältigte er sich bei seiner Schlußkundegung in Lille und ließ sich als Hologramm auf Bühnen in anderen französischen Städten übertragen, um so gleichzeitig mehrere Kundgebungen abzuhalten.

Einen ungewollten Schatten warf der Krieg in der Ukraine auf Mélenchons Kampagne. Seine Gegner, vor allem aus dem linken Lager, warfen ihm zu viel Nachsicht gegenüber Putin in der Vergangenheit vor.

Der unbeugsame Kandidat war gezwungen, seine Position zu verdeutlichen. Bei einer Wahlkundgebung in Lyon rief er: "Stoppt den Krieg, stoppt die Invasion der Ukraine. Nieder mit der Armee, die in die Ukraine einmarschiert."

Ärger gab es zum Ende des Wahlkampfs auch wegen neuer Enthüllungen der französischen Internetzeitung Mediapart zu Mélenchons Kampagne 2017. Inzwischen gibt es Betrugsvorwürfe zur Finanzierung seines damaligen Wahlkampfs.