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Lebenslange Haft für russischen Soldaten - Kreml reagiert zurückhaltend

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Von Euronews mit AP, dpa
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Der Beschuldigte im Zwiegespräch mit einer Übersetzerin im Gerichtssaal in Kiew
Der Beschuldigte im Zwiegespräch mit einer Übersetzerin im Gerichtssaal in Kiew   -   Copyright  Natacha Pisarenko/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved

Mit gesenktem Kopf verfolgte der russische Panzersoldat Wadim Schischimarin seine Verurteilung zu lebenslanger Haft durch ein Gericht in Kiew. Jetzt haben die russischen Gräueltaten in der Ukraine ein Gesicht bekommen.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der 21-Jährige Ende Februar einen 62-jährigen Radfahrer in der Region Sumy erschossen.

Sein Verteidiger Viktor Owsjannikow plädierte vergeblich auf Freispruch. Aber: "Das Urteil ist noch nicht in Kraft getreten. Die Tatsache, dass ich mich auf die Berufung vorbereite, bedeutet natürlich, dass ich glaube, dass das Urteil nicht rechtmäßig gefällt wurde."

Sein Verteidiger erläuterte, Schischimarin habe lediglich den Schießbefehl eines Vorgesetzten umgesetzt.

Der Soldat hatte vor Gericht bereits Reue und Bedauern gezeigt. In seinem Schlusswort hatte sich der 21.Jährige entschuldigt: "Ich bedauere es. Ich bereue es sehr. Ich habe mich nicht geweigert, und ich bin bereit, alle Maßnahmen zu akzeptieren, die verhängt werden."

Zurückhaltende Kreml-Reaktion

Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte als Reaktion auf das Urteil in einer Audiomitteilung: "Wir sind sehr besorgt über das Schicksal unseres Bürgers. Aber ich wiederhole noch einmal, dass wir leider nicht die Möglichkeit haben, seine Interessen vor Ort zu schützen. Praktisch gibt es keine Aktivitäten russischer Auslandsvertretungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen, die Versuche zum Schutz der Interessen unserer Staatsangehörigen mit anderen Mitteln fortzusetzen."

Unter Umständen muss der Soldat nicht die volle Haft absitzen. Möglich erscheint ein Austausch gegen einen oder mehrere ukrainische Gefangene in russischer Haft.

Der erste Kriegsverbrecherprozess in der Ukraine unterstrich einmal mehr das grausame Vorgehen russischer Truppenteile gegen die Zivilbevölkerung, nicht nur während des mutmaßlichen Massakers in Butscha, wo hunderte Leichen nach dem Truppenabzug die Straße säumten.

Die juristische Aufarbeitung der Gräueltaten hat jetzt begonnen, doch die Narben werden bleiben.