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Energiesparen durch Urlaub: Bekommen deutsche Rentner 500 € für einen Winter im Ausland?

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Von Laura Llach  & Alexandra Leistner
Hier vom Staat bezuschusst den Winter verbringen? Die Idee eines deutschen Reiseverbandes hat zu einer "angeregten Debatte geführt" und für die Kanaren schon Konsequenzen.
Hier vom Staat bezuschusst den Winter verbringen? Die Idee eines deutschen Reiseverbandes hat zu einer "angeregten Debatte geführt" und für die Kanaren schon Konsequenzen.   -   Copyright  Reiseuhu on Unsplash   -  

Die Kanaren sind bei deutschen Urlauber:innen besonders beliebt. Wer schon einmal im Oktober oder November dort eine Auszeit gemacht hat weiß, dass vor allem Menschen im Ruhestand zu dieser Jahreszeit von den verhältnismäßig leeren Stränden und günstigen Übernachtungspreisen profitieren.

Daher ist es nicht überraschend, dass der Vorschlag des Verbands unabhängiger selbstständiger Reisebüros (VUSR), deutsche Rentner:innen mit einem Zuschlag beim Überwintern in wärmeren Ländern zu unterstützen, auf großes Interesse stößt. Marija Linnhoff, Vorsitzende des VUSR, freut sich in einem Statement für Euronews über die Debatte, die ihr "Denkanstoß" ausgelöst hat.

Hintergrund der Idee ist es, in der aktuellen Energiekrise einen Beitrag zum Sparen von Gas und Strom zu leisten. Gleichzeitig, so Linnhoff, könnte die von der Corona-Krise gebeutelte Tourismusbranche von ihrer Idee profitieren.

Die Debatte um Entlastungen bei den Energiekosten in Deutschland habe die Rentner:innen ein Stück weit außen vor gelassen, bedauert Linnhoff. Deshalb sei es eine Überlegung wert, Rentner:innen die Energiekostenpauschale über 300 Euro zu zahlen. Für Langzeitaufenthalte schlägt die VUSR-Vorsitzende einen Zuschuss von 200 Euro vor.

Erste Reaktionen: positiv in Spanien - gemischt in Deutschland

Während das Feedback aus Deutschland "gemischt" gewesen sei, freuen sich bei deutschen Urlauber:innen beliebte Ferienziele wie etwa die Kanarischen Inseln. Nach Angaben der Präsidentin des kanarischen Ferienhausverbandes (ASCAV), Doris Borrego, führte allein der Vorschlag Linnhoffs zu einem Anstieg bei Buchungen um 20 Prozent.

Der Verein der Hotellerie auf Mallorca wollte sich auf Anfrage von Euronews nicht zu ausgiebig zu dem Vorstoß äußern. Man wolle abwarten, ob er Wirklichkeit werde, generell begrüßte man die Idee aber. "Es wäre gut für eine weitere De-Saisonalisierung des Sektors und die Erhaltung von Arbeitsplätzen während des Winters."

Für die Kanarischen Inseln sei der deutsche Markt der zweitwichtigste. Die Buchungen für den kommenden Winter hätten bereits stark zugenommen, erklärt Borrego. Es gebe bereits Buchungen für den Winter 2024/2025.

Auch der Verband für touristische Vermietungen auf den Balearen begrüßte die Überwinterungs-Pauschale. María Gibert, von Habtur Balears sprach gegenüber Euronews von einer "guten Nachricht". "Im Moment haben wir einen sehr vielversprechenden Sommer, mit Hausvermietungen auf einem sehr hohen Niveau, mehr als 85% sind schon gebucht. Das Problem ist, dass die Buchungen im Winter sehr niedrig sind, wir sprechen von etwa 20 %. Deshalb denken wir immer wieder darüber nach, die Saison zu entzerren", so Gibert.

Man könne sich durchaus auf eine solche Situation einstellen, sagt Gibert. Doch müsse es eine beträchtliche Anzahl von Touristen sein, wenn beispielsweise Restaurantbesitzer oder Vermieter sich entscheiden sollten, ihr Angebot über den Winter aufrechtzuerhalten.

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Den Winter in einem wärmeren Land verbringen und gleichzeitig für die Heimat Gutes tun: Hat die Idee der Reisebüros Zukunft?Sam Williams on Unsplash

Damit es sich aber für die lokale Wirtschaft lohne, auch im Winter Restaurants und Hotels offen zu halten, sei man auf eine hohe Anzahl von Tourist:innen angewiesen.

In Deutschland habe es vor allem Kritik zur Bezahlbarkeit ihrer Idee gegeben - aber auch offene Rückmeldungen, so Linnhoff. Für die Umsetzung ihres Vorschlags benötige es einen "Schulterschluss von Reisebranche und Politik und ein Einvernehmen, dass das in mehrfacher Hinsicht helfen kann, nämlich beim Energiesparen, bei der Rückkehr der Regionen zum Tourismus nach Corona, den Reiseunternehmen und natürlich den Rentnern".

Der VUSR-Vorschlag würde zudem das "Silver Plus"- Programm der Kanaren ergänzen, mit dem die Inseln Langzeiturlauber:innen bewerben. Wie das Portal Infos Canaria berichtet, haben vor der Pandemie, im Jahr 2019, rund 131.600 Renterinnen und Rentner einen Langzeiturlaub auf den Kanaren verbracht. Im Jahr 2022 wünsche man sich, die Zahl auf 200.000 fast zu verdoppeln.

Im Zuge der Angst, in den kommenden Wochen oder Monaten nicht mehr mit Gas aus Russland versorgt zu werden, arbeitet die Bundesregierung an einem Notfallplan, mit dem Ziel, den Verbrauch in Industrie und Haushalten zu reduzieren.