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Schutz der Meere: Gemeinsam geht es besser

Schutz der Meere: Gemeinsam geht es besser
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Von Denis Loctier  & Sabine Sans

Von der Rettung von Menschenleben auf See über die Eindämmung von Ölverschmutzungen bis hin zur Bekämpfung der illegalen Fischerei: Europas Küstenwachen haben viele Aufgaben, um unsere Meere sicher zu halten. Wie werden sie von europäischen Behörden dabei unterstützt? Ocean ist bei einer Übung der Europäischen Küstenwache in Kroatien dabei.

Europas Küstenwachen sind bei ihrer Aufgabe, die Meere zu sichern und zu schützen, vielen Risiken ausgesetzt. Eine gute Koordinierung kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden. Sie zu verbessern ist das Ziel regelmäßiger Übungen wie COASTEX, die dieses Jahr in Kroatien stattfindet.

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Beobachter der europäischen Küstenwache sowie der EU-Agenturen Frontex, EMSA und EFCA beobachten die COASTEX-22-Übung in der Nähe der kroatischen Stadt Split.euronews

COASTEX 22 in Kroatien

Das Szenario: Ein Notruf über Funk alarmiert die Seenotrettungszentren: Zwei Schiffe sind in der Nähe der Stadt Split zusammengestoßen und schwer beschädigt worden. Ein lebensbedrohender Notfall: Zeugen haben gesehen, wie mindestens ein Besatzungsmitglied über Bord fiel und im Meer verschwand. Das ist zwar nur eine Übung - aber die durch den Alarm ausgelöste Handlungskette ist echt.

Zivile Such- und Rettungsboote eilen in das Gebiet und fordern die Marine zur sofortigen Hilfeleistung auf. Diese enge Zusammenarbeit zwischen den staatlichen Behörden hilft europäischen Küstenwachen bei der Bekämpfung der zunehmenden Bedrohungen - sowohl alter als auch neuer.

"Das betrifft die Sicherheit des Seeverkehrs, die in den vergangenen Jahrzehnten erheblich zugenommen hat und allen Indikatoren zufolge in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird", sagt Konteradmiral Damir Dojkić, stellvertretender Befehlshaber der kroatischen Marine, Vorsitzender des Europäischen Forums für Küstenwache. "Darüber hinaus gibt es seit ein bis zwei Jahren deutlich mehr Cyberangriffe, die darauf abzielen, die Kommunikationskanäle in irgendeiner Weise zu stören und bestimmte Infrastrukturen lahmzulegen." 

Aus der Luft unterstützen Überwachungsflugzeuge die Suche nach dem vermissten Besatzungsmitglied. Die Schnellboote der Küstenwache erhalten über Funk die genauen Koordinaten und eilen zur Rettung. 

Kroatien modernisiert seine Küstenpatrouillenflotte und baut eine Reihe von neuen Schiffen. Der Bau der Schnellboote – sie gehören zu den schnellsten im Mittelmeer - wurden mit EU-Mitteln unterstützt. Sie sind mit Hightech-Kameras mit leistungsstarken Zoom-Objektiven und Infrarotsicht ausgestattet, sodass die kroatische Küstenwache jetzt auch im Dunkeln nach auf dem Meer verschollenen Personen suchen kann. 

"Eine Person im Meer ist nachts nicht auf dem Radar zu sehen, und die Schiffe, die an Such- und Rettungsaktionen beteiligt sind, müssen die Operationen abends einstellen und bis zum Morgen warten, bis die Sonne aufgeht", erklärt Leutnant Gordan Kusanović, Offizier für öffentliche Angelegenheiten bei der kroatischen Küstenwache. "Aber jetzt können wir in der Nacht weitersuchen, weil wir eine Kamera haben, die im Dunklen sieht."

Der über Bord gegangene Dummy wird schnell gefunden und "gerettet". Kroatien ist ein Paradies für den Seetourismus, die Küstenwache reagiert jedes Jahr auf Dutzende Vorfälle dieser Art.

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Kroatien ist ein beliebtes Ziel für den Segel- und Nautiktourismus und Gastgeber der europäischen Küstenwache-Übung COASTEX 22euronews

Beseitigung von Ölverschmutzungen

Dem Übungs-Szenario zufolge hat die Schiffskollision ein Treibstoffleck verursacht. Es wird von einem speziell ausgerüsteten Schiff der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs beseitigt. Die EMSA arbeitet mit zwei anderen EU-Agenturen zusammen, der Europäischen Fischereiaufsichtsagentur (EFCA) und der Europäischen Agentur für die Grenz- und Küstenwache Frontex, sowie mit allen europäischen Küstenwachen aus dem Gremium, das diese regelmäßige Übung organisiert.

Die Hauptaufgaben der EMSA sind die Verbesserung der Sicherheit und Gefahrenabwehr im Seeverkehr und die Verhütung der Verschmutzung durch Schiffe.

"Die Bekämpfung von Ölverschmutzungen steht nach wie vor im Mittelpunkt unserer Arbeit in der EMSA", erzählt Maja Markovčić Kostelac, Geschäftsführende Direktorin, Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs. "Wir haben 16 Schiffe in ganz Europa gechartert, die die Bemühungen der nationalen Behörden im Falle einer Ölverschmutzung unterstützen."

Wie arbeitet die EMSA?

Wie die EMSA funktioniert, lässt sich am besten im Hauptsitz der Agentur in Portugal erklären. Die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs hat ihren Hauptsitz in Lissabon. Sie wurde vor 20 Jahren als Reaktion auf die Havarien der Öltanker „Erika“ und „Prestige“ gegründet.

Ihr Zentrum für maritime Unterstützungsdienste arbeitet rund um die Uhr und sorgt im Notfall für die schnelle Bereitstellung von Satellitenbildern und die Bekämpfung von Verschmutzungen vor Ort.

"Dieses Projekt wurde von der EMSA im Namen aller Mitgliedsstaaten entwickelt und wird allen Küstenstaaten der Europäischen Union zur Verfügung gestellt", erläutert Andrea Tassoni, Leiter des Exekutivbüros, Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs und erklärt: "Eines dieser Bilder kann die Hoheitsgewässer von bis zu sieben Mitgliedstaaten abdecken. Und das bei einer Größe von 500.000 Quadratkilometern. Wenn der Satellit eine potenzielle Verschmutzung entdeckt, wie auf diesem Bild zu sehen ist, alarmiert das System innerhalb von 20 Minuten die zuständige Behörde und identifiziert die potenzielle Verschmutzung."

Modernste Technik und Daten sammeln und zusammenführen

Die EMSA arbeitet mit Kameradrohnen, die schnell am Unfallort sind. Sie führt auch die Daten der EU-Mitgliedstaaten zusammen, die jeden Tag 150.000 Schiffe in den europäischen Gewässern verfolgen. 

"Das ist eine riesige Menge an Informationen. Sie werden von vielen verschiedenen Stellen genutzt - Such- und Rettungsdienste, Verschmutzungsbekämpfung, Grenzkontrollen, Seeverkehrssicherheit, sowie für die Fischereikontrolle", so Michael Risley, Projektleiter, Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs. "Nehmen wir an, dieses gelbe Schiff hier ist ein Fischerboot, dazu haben wir zusätzliche Informationen der verschiedenen Fischereibehörden. Wir liefern sofort ein Foto des Schiffes und alle relevanten Angaben - also welche Art von Fanggerät führt das Schiff mit? Auf dieser Grundlage kann man das Bewegungsmuster des Schiffes besser verstehen. Ist es also normal, dass dieses Schiff mit dieser Art von Fanggerät in diesem bestimmten Gebiet fischt?"

Es ist wichtig, die Fischerei in ganz Europa auf dieselbe Weise zu kontrollieren. An Bord eines Schiffes der Europäischen Fischereiaufsichtsagentur, das auch an der Übung in Kroatien teilnimmt, arbeiten deshalb Inspektoren aus vielen Ländern zusammen. Susan Steele, Geschäftsführende Direktorin der Europäischen Fischereiaufsichtsagentur: "Wir sind auf der "Lundy Sentinel", einem der Schiffe der Agentur. Und im Moment haben wir maltesische, kroatische und italienische Inspektoren an Bord, die gemeinsame Patrouillen durchführen. Darüber hinaus arbeiten wir mit allen Mitgliedstaaten zusammen, um eine harmonisierte, wirksame Fischereikontrolle zu gewährleisten. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Wir alle haben begrenzte Ressourcen, und dadurch werden wir effektiver. Diese Übungen sind unglaublich wichtig für uns, denn wir können verschiedene Mitgliedstaaten einbeziehen, wir können die Kommunikation verbessern, das Vertrauen stärken und die Effektivität erhöhen."

Illegale Fischerei aufspüren und bekämpfen

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Die "Hidra", ein Vermessungsschiff des kroatischen Hydrografischen Instituts, nahm an der Übung teil und spielte die Rolle eines "illegalen Fischerboots"euronews

Im nächsten Teil der Übung geht es um illegale Fischerei: Ein Boot wird beim Fischen in einem Sperrgebiet gesichtet. Die kroatische Küstenwache fängt das unerlaubt fischende Boot ab und stellt es für die Inspektion sicher.

Eine EMSA-Kameradrohne hebt vom EFCA-Patrouillenschiff "Lundy Sentinel" ab. Das Echtzeit-Video bestätigt, dass es sicher ist, das multinationale EFCA-Team zur Inspektion zu schicken: ein weiteres Beispiel für die Zusammenarbeit zwischen den nationalen Küstenwachen und den europäischen Agenturen. 

"Wir agieren alle zusammen in verschiedenen Szenarien, aber unter einem Dach", sagt Vytautas Lukas, stellvertretender Leiter der Abteilung Küstenwache und internationale Programme bei der EFCA. "Ein Rahmen, in dem die Agenturen mit den Mitgliedstaaten zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen: Die Meere sicher, nachhaltig und geschützt zu halten."

Von der Rettung von Menschenleben auf See über die Eindämmung von Ölverschmutzungen bis hin zur Bekämpfung der illegalen Fischerei: Die Chancen stehen besser, wenn nationale Küstenwachen und europäische Agenturen ihre Kräfte im Kampf gegen die gemeinsamen Bedrohungen bündeln.