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Investitionsforum La Baule - Ideenlabor für ein wettbewerbfähigeres Europa

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Investitionsforum La Baule - Ideenlabor für ein wettbewerbfähigeres Europa

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Wie kann Europa wirtschaftliche attraktiver gemacht werden? Diese Frage war das zentrale Thema beim diesjährigen Investitionsforum im französischen Badeort La Baule, an dem Spitzen aus Wirtschaft und Politik aus der ganzen Welt teilnahmen. Dabei schälten sich drei Felder heraus, in denen die europäische Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden kann: die Finanzierung von Wachstum und Investition, eine bessere Infrastrukturvernetzung sowie Reformen in Industrie und Dienstleistungen.

Für EU-Kommissar Michel Barnier kann Europa nur erfolgreich sein, wenn es zusammenarbeitet: “Die Frage ist, greifen wir alle diese Punkte allein auf, also Frankreich für sich, Deutschland für sich, Ungarn, England und Polen? Oder arbeiten wir gemeinsam? Ich denke, dass, wenn wir nicht zusammenarbeiten, unsere Ideen austauschen, unsere Interessen, dann werden wir mit Sicherheit nicht mehr sein als ein Sub-Unternehmer unter dem Einfluss der Wirtschaft und Politik der Chinesen un Amerikaner.”

Wachstumspotenzial gibt es etwa in Osteuropa, sagt Enikö Györi, Staatssekretärin für Europaangelegenheiten in Ungarn. Sie spricht sich für eine strengere Steuer- und koordinierte Wirtschaftspolitik aus: “Dann müssen wir noch Wachstum schaffen. Das geht nur mit allen europäischen Unternehmen. Wir brauchen Innovation und bessere Rahmenbedingungen – das ist unser Job, der Job der Regierungen: Wir müssen ein besseres Geschäftsklima schaffen.”

Der Industrieminister Morokkos, Ahmed Reda Chami, macht sich für eine Co-Lokalisierung von Produkten stark, um deren Kosten zu senken. “Ich glaube wirklich an dieses Konzept. Nehmen wir zum Beispiel Industrieprodukte in Frankreich und Spanien und in Deutschland. Ein Teil davon könnte in diesen Ländern gefertigt werden, ein andere Teil in Marokko zu geringeren Kosten. Dann wäre das Produkt insgesamt wettbewerbsfähiger gegenüber der Konkurrenz aus Asien.”

Europa in einem globalen Kontext zu begreifen, heißt, mehr als nur Krisenbewältigung zu erreichen, sagt Marc Lhermitte von Enrst & Young. “Europa ist zurück. Natürlich gibt es einen Wettbewerb mit Regionen wie China und Indien. Dort gibt es zahlreiche Investitionsprojekte, aber Europa schöpft ein Viertel der weltweiten Auslandsinvestitionen ab.”

Doch warum ist Europa als Investitionsstandort attraktiv? Europa ist ein wirtschaftliches Schwergewicht und bleibt auf den Weltmärkten wettbewerbsfähig. Und auch das “Alte Europa” hat nach wie vor Standortvorteile, sagt Expertin Uli Fricke, Vorsitzende der European Private Equity and Venture Capital Association. “Wir haben nach wie vor die weltbeste Technologie, sehr, sehr starke Forschung und Entwicklung – das sollten wir nutzen und kommerzialisieren, denn Arbeitsplätze werden geschaffen vor allem im industriellen Umfeld. Dort sind wir in Europa nach wie vor sehr gut, federführend. Wir haben sehr gute Unternehmer und Unternehmen, in die es sich lohnt, zu investieren. Wir haben den politischen Willen, die Rahmenbedingungen zu schaffen für eine moderne Wirtschaft, die insgesamt die Herausforderungen in der globalen Wirtschaft annimmt – Klimawandel – wir haben da gute Technologien. Und wir haben ein Finanzsystem, das ausgerichtet ist darauf, kleinen Unternehmen, mittleren Unternehmen, großen Unternehmen geeignete finanzielle Möglichkeiten zu bieten.”

Aber Europa braucht noch mehr, nämlich Optimismus. “Optimismus ist eine Lebenseinstellung”, meint Veranstalter Jean-Bernanrd Guerrée. “Und wir brauchen mehr davon, ansonsten werden wir zum reinen Zuschauer.”

Die für das wirtschaftliche Wachstum Europas notwendigen Investitionen werden natürlich nicht hier in La Baule getätigt, doch hier wachsen die Ideen, die nach Europa hinausgetragen werden.