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Ob Kigali oder Kalifornien: Der Kampf ums Trinkwasser

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Ob Kigali oder Kalifornien: Der Kampf ums Trinkwasser

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Am Horn von Afrika kämpfen die Menschen – einmal wieder – gegen die Dürre. Eine der schlimmsten seit Jahrzehnten. Die Hungersnot, die ihnen deshalb droht, ist nicht bloß mit Klimawandel zu erklären. Ana Cascao vom Stockholmer Internationalen Wasserinstitut: “Es gibt da tausend Gründe, einer ist natürlich die Dürre, dann das politische Missmanagement, ein Machtvakuum in Somalia: Es gibt keine zentrale Macht dort.”

Somalia ist kein Einzelfall. Sauberes Trinkwasser ist vielerorts knapp. In den Entwicklungsländern zum Beispiel, in denen die Städte rapide wachsen und immer mehr Menschen in Slums leben. Die alljährliche Weltwasserwoche in Stockholm drehte sich deshalb diesmal um “Wasser in einer urbanisierten Welt”.

Anders Bertell, Direktor des Internationalen Wasserinstituts: “Wir alle wissen, dass in diesen städtischen Gebieten oft durch unreines Trinkwasser verursachte Krankheiten grassieren wie Durchfälle, Malaria und Cholera-Epidemien, die verheerende Auswirkungen auf das Leben der Menschen dort haben, aber auch auf die Wirtschaft in diesen Ländern.”

Wer an den politischen Schalthebeln sitzt, entscheidet auch über die Verteilung des kostbaren Trinkwassers. Zur Weltwasserwoche waren deshalb Bürgermeister aller Kontinente geladen.

Hyderabad gehört zu den Städten in Indien, deren wirtschaftlicher Boom viele Menschen vom Land anzieht. Letztlich enden die meisten im Slum. Die Stadt kämpft mit der Wasserversorgung: “All die alten Slums sind schon ans Trinkwasser angeschlossen. Da die Stadt aber so schnell wächst, kommen immer neue Slums hinzu, die auch bald angeschlossen werden”, erklärt Rajeshwar Tiwari von der Stadtentwicklungsbehörde.

In Sao Paolo in Brasilien sind die Voraussetzungen für die Landflucht ähnlich. Die Favelas wuchern bis in Gegenden mit Überschwemmungsrisiko hinein. Hier gibt es zu viel, aber dreckiges Wasser. Wenn möglich, siedelt die Stadtverwaltung die Bewohner um. Eduardo Jorge, Umweltdezernent der Stadt: “Wir bieten der armen Bevölkerung Wohnmöglichkeiten an, um sie von dort wegzubekommen, damit sie bessere Lebensbedingungen und gleichzeitig auch Zugang zu sauberem Wasser haben. “

Kigali in Ruanda gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten in Afrika. Viele Neuankömmlinge halten an ihren ländlichen Gepflogenheiten fest und versuchen, ein bisschen Landwirtschaft auch in der Stadt zu betreiben. Das stellt die Behörden schon bei der Verlegung der Wasserleitungen vor Probleme, erklärt die Provinzgouverneurin und frühere Bürgermeisterin von Kigali, Aisa Kirabo Kacyira: “Wenn wir kosteneffizient sein wollen, müssen wir die Ansiedlungen konzentrieren. Anfangs wollten die Leute große Grundstücke haben, sie wollten weit von einander entfernt leben. Das geht aber nur, wenn man natürliche Quellen nutzt. Wenn man sie mit sauberem Trinkwasser versorgen will, muss man auch die Kostenseite berücksichtigen.”

Wasserknappheit ist keineswegs nur ein Problem der armen Länder. Auch wenn in Kalifornien zum Beispiel die Folgen für die Bevölkerung ganz andere sind. Jennifer Hosterman, Bürgermeisterin von Pleasanton bei San Francisco, bemüht sich, ihre Mitbürger vom Wassersparen zu überzeugen: “Die Bürger in meiner Stadt verbrauchen über 900 Liter pro Kopf am Tag. Warum? Viel davon wird betrieblich genutzt. Aber wir haben auch viele Anwohner mit riesigen Grundstücken, die unbedingt schönen grünen Rasen haben wollen, und das heißt ständig sprengen.”

Städtische Bewässerungstechniken gibt es seit Jahrtausenden – in Indien zum Beispiel seit über dreitausend Jahren. Doch es muss auch der politische Wille da sein, sie einzusetzen – und andererseits das knappe Gut nicht zu vergeuden…