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Der lange Weg zur Versöhnung

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Der lange Weg zur Versöhnung

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Die Tage sind friedlich in Munalbasti, einem Dorf im Westen Nepals. Das war nicht immer so. Das Dorf liegt im Gebiet Bardiya, dort werden die meisten Menschen seit dem Bürgerkrieg vermisst. Hier hat Laxmi Devi Khadka die vergangenen 17 Jahre gelebt und hier hat sie geheiratet. Heute muss sie sich allein um die drei Kinder kümmern.

Ihr Ehemann verschwand 2003. Er wurde von maoistischen Rebellen während des Bürgerkriegs verschleppt. “Das ist ein Foto meines Mannes. Es war mal ein kleines Foto. Meine Tochter hat es vergrößern lassen. Ich schaue mir das Bild jeden Tag an.”

Auch zehn Jahre nach seinem Verschwinden ist der Schmerz noch groß. Die Ungewissheit ist das Schlimmste. “Ich habe die sterblichen Überreste meines Mannes nicht gefunden, nicht mal Teile davon. Bis ich ihn nicht gefunden habe, bleibt natürlich die Hoffnung, dass er irgendwo sein und zurückkommen könnte. Ich habe natürlich wenig Hoffnung, aber man hofft trotzdem, bis man sterbliche Überreste findet. Er wurde in der Nacht entführt, das dauerte fünf Minuten. Jedes Mal, wenn die Hunde bellen, denke ich nun, er könnte es sein.”

Nachdem ihr Ehemann verschwunden war, pflanzte Laxmi einen Baum für ihn. Jeden Tag betet sie für seine Rückkehr. Nach Angaben von internationalen Hilfsorganisationen wurden während des Bürgerkriegs mehr als 3.000 Menschen als vermisst gemeldet. Das Schicksal von einem Drittel der Verschwundenen konnte bis heute nicht geklärt werden.

Die Zurückgebliebenen leiden nicht nur unter den psychologischen Auswirkungen, sondern auch an den sozialen und wirtschaftlichen Folgen. “Wenn keine sterblichen Überreste gefunden werden, können wir nicht mit unseren Bestattungsriten beginnen. Einige, die es aus der Perspektive der Religion betrachten, ziehen hinter meinem Rücken über mich her, weil ich rote Kleidung und Schmuck trage, obwohl es keinen Beweis für den Tod meines Mannes gibt. Außerdem gehört ihm ein Stück Land. Aber der Brauch sieht vor, dass man eine Sterbeurkunde braucht, um den Besitz zu überschreiben. Ich kann aber nicht mit absoluter Sicherheit sagen, dass mein Mann tot ist, und deshalb bekomme ich auch keine Sterbeurkunde.”

Laxmi hat alles versucht, sie sprach mit den maoistischen Rebellen, Politikern und Menschenrechtsgruppen um herauszufinden, was ihrem Mann zugestoßen ist. Die Entführer sind bekannt. Weil sie immer weiter sucht, wird sie bedroht.

Mit Hilfe von Menschenrechtsgruppen erhielt sie nun eine Entschädigung. Zudem erhielten ihre Kinder die Unterlagen ihrer Staatsbürgerschaft, die nach der Entführung verschwunden waren. Sie haben jedoch kein Recht auf eine kostenlose Schulausbildung.

So geht es auch Devi Sara’s Kindern, die noch keine Staatsangehörigkeit haben. Ihr Vater verschwand, nachdem er von der Polizei verhaftet wurde. Ihm wurde vorgeworfen, die Maoisten zu unterstützen.
Devi and Laxmi, deren Männer auf der anderen Seite standen, arbeiten nun zusammen in einem Opfer-Komitee, um anderen Betroffen mit einem ähnlichen Schicksal zu helfen.

Die Frauen freundeten sich in einer Gruppentherapie an, die eine Menschenrechtsgruppe für die Betroffenen gegründet hatte. “Davor habe ich gedacht, wir können nichs machen, dass wir unseren Kindern keine gute Ausbildung ermöglichen können. Nachdem ich die anderen Frauen getroffen habe, dachte ich, dass wir nun etwas unternehmen müssen. Wir müssen für Gerechtigkeit eintreten.”

Die Arbeit von Frauen wie Laxmi und Devi trägt bereits Früchte, aber es liegt noch viel Arbeit vor ihnen. Sie warten darauf, dass dass Friedenskomitee in Nepal ein Gesetz durchbringt, dass die Rechte der Opfer anerkennt.