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Bedrohung für Frauenrechte in Tunesien

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Bedrohung für Frauenrechte in Tunesien

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“Es ist fast 60 Jahre her, dass Frauen in Tunesien mehr Rechte zugestanden wurden als sonstwo in der Region. Doch wie steht es um diese Rechte heute, nach dem arabischen Frühling? Eine Bestandsaufnahme zum Internationalen Tag der Frauen”, so unsere Korrespondentin Audrey Tilve. Frauen zu verstoßen, Polygamie wurden abgeschafft, eingeführt wurde das Recht zur Scheidung und die Abtreibung. Doch seither gab es kaum Fortschritte und viele tunesische Frauen befürchten, dass die regierende islamistische Partei die Liberalisierung rückgängig macht.


Willis From Tunis – Cartooning for Peace

Latifa Habachi gehört zu den 42 Frauen, die für die Partei Ennahda im Parlament sitzen:
“Während der Wahlkampagne hieß es, sollte Ennahda die Wahlen gewinnen, werde sie die Polygamie wieder zulassen und die Frauen an den Herd verbannen. Ennahda hat gesiegt, doch nichts dergleichen ist passiert.” Wir sind bei der Anwältin Bochra Belhaj Hmida. Diskriminierung und Gewalt hätten seit den Wahlen im Oktober 2011 und der Erstarkung der Salafisten zugenommen, sagt sie. “Die Polizei übt Frauen gegenüber verbale und physische Gewalt aus. Bei den Opfern handelt es sich meist um moderne, unabhängige Frauen. Ich betreue einen dramatischen Fall: Es geht um ein Mädchen, das von seinem Vater gezwungen wurde, den Schleier zu tragen. Es ist nur sieben Jahre alt, muss den Schleier tragen und wurde von ihrem Vater vergewaltigt. Das Kind hat bereits das Schlimmste davon erfahren, was eine Frau erfahren kann.” Es ist kein Geheimnis, dass die Konservativen unter den Islamisten die Gesellschaft zu traditionellen Werten zurückführen wollen. Die Vereinigung der demokratischen Frauen Tunesiens widersetzt sich diesen Bestrebungen. Während die verfassungsgebende Versammlung dem Land ein neues Grundgesetz zu geben versucht, setzt sich die Vereinigung dafür ein, dass die Rechte der Frauen berücksichtigt werden. “Die Vormundschaft von Kindern allein Männern zu übertragen, ist eine Diskriminierung”, so Hedia Jrad von der Vereinigung. “Die Ungleichheit in Erbschaftsangelegenheiten ist eine Diskriminierung, Einschränkungen bei der Wahl des Lebenspartners sind ebenfalls eine Diskriminierung. Um das alles aus der Welt zu schaffen, fordern wir die Gleichstellung von Mann und Frau in der künftigen Verfassung.” Die Jasmin-Revolution hat zu größerer Meinungsfreiheit geführt und, wie im Fall von Nadia Khiari, auch Talente gefördert. Ein Gespräch mit der Cartoonistin Khiari finden Sie in unserer Rubrik News+


Willis From Tunis – Cartooning for Peace