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Taiwan drängt auf ein Freihandelsabkommen mit der EU

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Taiwan drängt auf ein Freihandelsabkommen mit der EU

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Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Spannungen zwischen China und Taiwan die Stabilität Ostasiens bedrohten. Inzwischen haben sich die Beziehungen verbessert, selbst wenn der rechtliche Status der Insel immer noch nicht geklärt ist. Nur wenige Staaten erkennen Taiwan an, das aber Mitglied der Welthandelsorganisation ist und unter anderem wirtschaftliche Beziehungen mit der EU unterhält. “Das Land ist klein, isoliert, Bodenschätze gibt es keine, doch auf dem Gebiet der IT-Technologie hat es weltweit die Führung inne”, erläutert unsere Korrespondentin Margherita Sforza. “Wir besuchen nun das Silicon Valley Taiwans, das Hsinchu Wissenschaftszentrum, wo alles begonnen hat.” Das Technologie-Zentrum wurde in den 1980-er Jahren gegründet und hier sind heute mehr als 400 Unternehmen und Forschungseinrichtungen ansäßig, deren Spezialgebiet die Nano-Technologie und Computerkomponenten sind. Das Unternehmen TSMC nimmt bei der Herstellung von Halbleitern weltweit den zweiten Platz ein. Taiwan stellt etwa achtzig Prozent der weltweit eingesetzten Komponenten für Laptops her, die im benachbarten China zusammengebaut werden.

Nach Ansicht des Generaldirektors des Nationalen Instituts für Industrie- und Technologieforschung, Frank L. Chen, ist die enge Verzahnung von Industrie und Forschung der Schlüssel zum Erfolg: “Obwohl Taiwan ein kleines Land ist, haben wir viele Unternehmensgruppen, die neue Produkte sehr schnell herstellen können.” Die Europäische Union ist für Taiwan der viertgößte Handelspartner. Die EU importiert vor allem elektronische Komponenten sowie Maschinen und chemische Erzeugnisse. Taiwan wünscht jedoch, dass die EU ein Freihandelsabkommen abschließt, wie Brüssel eines mit Südkorea abgeschlossen hat, das Taiwan Konkurrenz macht. Die EU ist der größte Investor Taiwans geworden. So hat unter anderem ein belgisches IT-Unternehmen eine Vertretung in der Hauptstadt Taipeh eröffnet. “Die Entwicklung der nächsten Generation von IT-Komponenten ist mit großen und hohen Kosten Risiken verbunden. Um diese Risiken zu mindern, brauchen wir ausländische Partner”, so Frank L. Chen. Doch nicht nur Computer-Komponenten werden in Taiwan hergestellt, auch Whiskey wird produziert. Einige der hiesigen Sorten können es durchaus mit den Whiskeys Schottlands aufnehmen. Nur eine Stunde Fahrt von der Hauptstadt Taipeh entfernt besuchten wir die Kavalan-Destillerie, die bei der Herstellung des Hochprozentigen auch von dem tropischen Klima profitiert. Die Grundstoffe werden aus Deutschland importiert und die Technologie aus Schottland. Die Taiwanesen haben schnell gelernt. In den vergangenen fünf Jahren errangen die hier erzeugten Wiskeys nicht weniger als sechzig internationale Preise. Inzwischen wird auch nach Europa exportiert. “Beim Handel mit der EU gibt es zahlreiche Hürden”, führt Ian Yl Chang aus, “doch wenn die EU die Zölle senkt, können unsere Erzeugnisse auf dem europäischen Markt viel wettbewerbsfähiger werden.”

Auch die europäischen Erzeugnisse haben es auf dem Markt Taiwans nicht leicht, was unter anderem an zollfremden Handelshemnissen liegt. Die Europäische Kommission bemüht sich darum, diese abzubauen. Die Europäische Handelskammer in Taipeh fordert ebenfalls ein Freihandelsabkommen. Die Exporte nach Taiwan könnten ein Volumen von zwölf Milliarden Euro jährlich erreichen. Giuseppe Izzo, der Vorsitzende der europäischen Handelskammer meint: “Ein Freihandelsabkommen würde auch zu höheren Investitionen Taiwans in Europa führen, zu neuen Arbeitsplätzen, was von großem Vorteil wäre.” In Brüssel aber zögert man. Befürchtet wird ein Konflikt mit dem kommunistischen China, das internationale Abkommen mit Taiwan ablehnt. Seitens der EU-Kommission war jedoch zuletzt zu hören, man wolle sich dem Druck aus Peking nicht beugen und den Dialog mit Taiwan fortsetzen.